Baby - und was kommt dann?

23. August 2006, 21:01
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Der berufliche Wiedereinstieg nach der Karenz werde im besten Fall von langer Hand geplant, sind sich ExpertInnen einig

Kontakte zu knüpfen, diese aber auch durch aktives Networking zu betreuen und zu erhalten, sei in dieser Situation wichtiger denn je.

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Das Problem ist altbekannt: Zwei berufstätige Menschen werden Eltern, einer von beiden - zumeist der weibliche Part - lässt sich karenzieren. Das Szenario beim (oft viele Jahre) später anvisierten Wiedereinstieg ins Erwerbsleben stellt sich jedoch ganz anders als erwartet dar: Arbeitstechnisch nicht mehr am Puls der Zeit, lautet nur allzu oft das schlicht vernichtende Urteil potenzieller Chefs.

Kontakt halten

"Ich kann nur immer wieder allen Betroffenen raten, auf jeden Fall den Kontakt mit dem Betrieb zu halten", sagt Herwig Stage, Geschäftsführer des Wiener Berufsförderungsinstituts (bfi). Dies umfasse "regelmäßige Besuche der Arbeitsstelle" und die "Teilnahme an Ausflügen und Kulturprogrammen". Solcherart sich in Erinnerung halten zu lassen erhöhe jedenfalls die Chance, von notwendigen Fortbildungsmaßnahmen zu erfahren und beim Wiedereinstieg voll einsetzbar zu sein.

Vorbereitung

Zusammen mit anderen Institutionen bietet das bfi derzeit zwei spezielle Schienen zur Vorbereitung auf den beruflichen Wiedereinstieg - auch nach der Arbeitslosigkeit - an. Einerseits das "hervorragend laufende waff nova basic", in Zusammenarbeit mit dem Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff). Anfangs "für 200 Teilnehmer konzipiert", wurde es laut Stage seit März bereits von 180 TeilnehmerInnen (darunter zwei Männer) absolviert und im Mai um 100 Plätze aufgestockt.

Neben diesem neunwöchigen Angebot setze man gemeinsam mit der Arbeiterkammer auch eher punktuelle Maßnahmen: Grundlegende Trainings im Ausmaß von ein oder zwei Tagen, nach denen man dann "aus 50 verschiedenen Produkten wählen kann".

Aus- und Wiedereinstieg

Professionelle Hilfestellung für den Aus- und Wiedereinstieg im Karenzfall bietet der waff auch mit dem speziellen "waff nova karenz"-Programm. Ein "ganz klassisches Thema" sei die Tatsache, "dass Frauen nicht mehr in die frühere Tätigkeit zurückkehren können, weil die Arbeitszeiten nicht mit den Möglichkeiten der Kinderbetreuung zusammenpassen", weiß die TeamleiBeraterin des Bereichs Beratung und Förderung beim waff, Astrid Schwarz. Aus diesem Grund sei ihr Klientel massiv von Umschulungsmaßnahmen betroffen.

Auch dass das Bewusstsein für die unterschiedliche Dauer des Kündigungsschutzes - "zwei Jahre" - und diejenige des Kinderbetreuungsgelds - "zweieinhalb Jahre" - fehle, bedauert Schwarz und ist bemüht, darüber aufzuklären.

Finanzielle Unterstützung

Wer sich dem waff anvertraut - die Anzahl der karenzierten Männer sei auch hier gering -, hat auf jeden Fall die Aussicht auf massive finanzielle Unterstützung: Bis zu 2700 Euro für Maßnahmen "am gesamten Wiener Bildungsmarkt" werden jeder Teilnehmerin zur Verfügung gestellt. Dies sogar bis in den gelungenen Wiedereinstieg hinein. Schwarz: "Innerhalb des ersten Jahrs stellt sich oft noch die Sinnhaftigkeit weiterer Fortbildungen heraus." Und am Geld soll das Ganze schließlich nicht scheitern.

"Wie sieht der Markt aus, was hat sich in meinem Bereich verändert, wie kann ich mich positionieren?", fasst Andrea Sanz von der BeraterInnengruppe Naschmarkt knapp zusammen, was an Information erwartet wird. Sie fördere vor allem das Networking, weil Frauen, "die ausschließlich mit der Rolle der Mutterschaft beschäftigt sind, wenig Anerkennung auf anderen Ebenen bekommen". Besonders schwer haben es der Beraterin zufolge "Frauen, die schon ein freiberufliches Standbein hatten". Oft komme es im Zuge der Kinderbetreuung erst zu einer Vernachlässigung der Selbstständigkeit, und schließlich werde das Ganze aufgegeben. Da die Meinung verbreitet sei, dass "Mutterschaft und Selbstständigkeit unvereinbar ist", werde später eine Anstellung angestrebt.

Die größten Hürden sieht Sanz für Alleinerzieherinnen: "Das kann vom Zeitmanagement her zum Wahnsinn werden, und in weiterer Folge kommt auch nur ein Teilzeitjob infrage." Was sich wiederum auf die Finanzen auswirke und die Auswahl an Kinderbetreuungsstätten weiter einschränke. Ein Teufelskreis.

Für Sanz' Kollegen Philipp Schimek bleibt der Wunsch, dass sich die Politik künftig den Schwierigkeiten kleiner und mittlerer Betriebe widme. "Die müssten im Falle des Wiedereinstiegs von Arbeitnehmern mehr unterstützt werden." Von "multinationalen Konzernen" könne die "soziale Verantwortung" aber eingefordert werden. (Bernhard Madlener/DER STANDARD, Printausgabe 24.08.2006)

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