Das meist gesuchte Kind Österreichs

5. Oktober 2006, 17:38
18 Postings

Natascha Kampusch ist am 2. März 1998 auf dem Weg zur Schule verschwunden - Polizei ging tausenden Hinweisen nach

Wien - Am 2. März 1998, einem Montag, verschwand in Wien ein zehnjähriges Mädchen spurlos. Natascha Kampusch hatte sich in der Früh auf den Weg zur Volksschule gemacht und ist dort nie angekommen. Trotz intensiver Suche in ganz Österreich und in Ungarn und fand sich von der Brillenträgerin keine Spur. Natasche Kampusch wurde das meist gesuchte Kind Österreichs.

Auf dem Weg zur Schule in Kleinbus gezerrt

Eine Zwölfjährige wollte beobachtet haben, dass das Mädchen auf dem Weg zur Schule vom Rennbahnweg in der Donaustadt zur Brioschigasse in einen weißen Kleinbus gezerrt wurde. Weitere Zeugen gab es keine, obwohl die Strecke zu diesem Zeitpunkt sehr belebt war.

Die Polizei überprüfte erfolglos mehr als 700 Kleinbusse in ganz Österreich. Taucher durchsuchten Schotterteiche, Kriminalisten gingen tausenden Hinweisen nach, von Hubschraubern aus wurde mit Wärmebildkameras geforscht.

Ermittlungen auch in Ungarn

Da Natascha ihren Reisepass immer bei sich hatte und mit ihrem Vater öfters zu Besuch bei Bekannten in Ungarn gewesen war, wurden die Ermittlungen auch in Ungarn ausgedehnt.

Öffentlichkeit und Exekutive standen damals noch unter dem Eindruck des knapp zwei Jahren zuvor aufgeflogenen Dutroux-Skandals in Belgien. Befürchtet wurde deshalb, dass die Zehnjährige von einem Kinderschänder entführt worden sein könnte. Nachdem der Fall Thema der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY - Ungelöst" war, ging ein Hinweis ein, wonach sich das Kind in Ungarn befinde. Die Überprüfung ergab aber, dass es sich nicht um Natascha handelte.

Der Fall Natascha hat 2001 sogar einem oststeirische Politiker eine Verurteilung eingebracht. Martin Wabl - kurzzeitig Präsidentschaftskandidat - hatte nach Eigenrecherchen seine Version der Tat kundgetan, in der er die Mutter Nataschas mit deren Verschwinden in Zusammenhang brachte. Die Frau klagte auf Widerruf und Unterlassung, Wabl wurde in erster Instanz verurteilt.

Grabungen bei Teich

Ein Wiener Detektiv ist nach eigenen Ermittlungen überzeugt, dass zwei bestimmte Personen mit dem Verschwinden des Kindes in Zusammenhang stehen und die Kriminalisten von einem falschen Zeit-Weg-Diagramm ausgegangen seien. Eine der von ihm verdächtigten Personen besitze ein Grundstück mit Teich in Niederösterreich. Der Detektiv urgierte dort Grabungen. Das fragliche Areal wurde nach Angaben des Bundeskriminalamts dann netzförmig abgebaggert, ohne Erfolg. Mit den Erhebungen im Fall Natascha, die zunächst das damalige Sicherheitsbüro führte, hatte das Bundeskriminalamt vor einigen Jahren die Kriminalabteilung Burgenland beauftragt.

Obwohl eine "heiße Spur" seit langem fehlte, ist der Fall nie ganz aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwunden. Erst im vergangenen März brachte Martin Wabl einen Antrag an die Wiener Staatsanwaltschaft ein, in dem erneut die Grabung bei einem Teich in Niederösterreich gefordert wurde, wo er und der Detektiv Walter Pöchhacker die Leiche des Mädchens vermuteten.

Im Jahr 2004 hatte das Bundeskriminalamt auf dem Amtshilfeweg sogar überprüfen lassen, ob es beim Verschwinden Nataschas einen Zusammenhang mit den Taten des Serienmörders Michel Fourniret gibt, der gestanden hat, in Belgien und Frankreich neun Frauen- bzw. Mädchenmorde begangen zu haben. (APA)

Share if you care.