Was für einen Ölpreis von 50 Dollar spricht

20. Oktober 2006, 12:59
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Für einen Rückgang des Ölpreises auf 50 Dollar je Fass sprechen mehr Argumente, als man zunächst annehmen könnte - Eine Analyse von Monika Rosen

Das amerikanische Magazin "Business Week" untersuchte kürzlich die Frage, wie wahrscheinlich ein Rückgang des Ölpreises auf 50 Dollar je Fass sei. Interessanterweise gibt es mehr Argumente, die dafür sprechen, als man zunächst annehmen könnte.

Obwohl diesen Sommer jede Menge Faktoren zusammengekommen sind, die für einen dramatisch höheren Ölpreis sprechen, wurden bis jetzt nicht einmal 80 Dollar erreicht, geschweige denn 100. Gründe hätte es genug gegeben: Gewalt im Libanon, Korrosion in der Pipeline und daraus resultierende zeitweilige Stilllegung des BP Ölfeldes in Prudhoe Bay, weiterhin ungelöste Konflikte im Irak und Iran, Anschläge auf Förderanlagen in Nigeria – um nur die wichtigsten Krisenherde zu nennen.

Damit einhergehend beginnen die Ölwerte an Outperformance einzubüßen. Während der Ölsektor im S&P 500 seit Jahresbeginn immer noch zu den 10 besten Branchen zählt, ist er im Zeitraum der letzten vier Wochen nicht mehr unter den Top Ten zu finden. Das deuten manche als Hinweis, dass die jahrelange Outperformance der Ölaktien langsam zu Ende gehen könnte.

Der Ölpreis könnte natürlich aber noch aus einem anderen Grund unter Druck kommen: die Nachfrage im größten Ölverbraucher der Welt, den USA, lässt nach. Einerseits wurden die Wachstumsschätzungen für die USA zuletzt zurückgestuft. Außerdem ist die "summer driving season" so gut wie vorbei, und die Öllagerbestände sind in den USA zuletzt gestiegen. Selbiges gilt interessanterweise auch für die Benzinlager, die normalerweise im Sommer fast immer zurückgehen – heuer aber einen leichten Anstieg verzeichneten.

Schätzungen zufolge sind zwischen 75 und 100 Mrd. Dollar an rein spekulativen Investments im Ölmarkt. Sollte sich das fundamentale Bild verschlechtern, könnten sich gerade diese Anleger auch relativ rasch wieder zurückziehen. Ein Analyst hat es etwas zynisch auf den Punkt gebracht: So gut wie alles, was für Öl schief gehen konnte, ist in den letzten Jahren schief gegangen, von Terror bis zu Rekord-Wirbelstürmen. Jetzt stellt sich die Frage: gehen uns nicht langsam die Belastungsfaktoren für Öl aus? Derzeit geht der Markt ja sogar von einer Wiederholung des Jahres 2005 bei den Wirbelstürmen in der Karibik aus. Dafür gibt es aber bis jetzt (und es ist immerhin schon zweite Hälfte August) kaum Anzeichen.

Es gibt durchaus einige Branchenexperten, die glauben, dass der Ölpreis um die 50 Dollar liegen sollte, sofern er nur von Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Das würde bedeuten, dass mehr als 20 Dollar je Fass derzeit spekulative Preiskomponenten sind. Natürlich kann man nicht einfach davon ausgehen, dass sich alle spekulativen Investoren über Nacht aus dem Ölmarkt zurückziehen. Aber nach den starken Anstiegen der letzten Jahre sind die Chancen für eine zumindest kurzfristige Gegenbewegung im Ölpreis sicher gestiegen.

Die Autorin ist Chefanalystin bei BA-CA Asset Management

Alle Angaben trotz größter Sorgfalt ohne Gewähr. Die Informationen beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig erachten. Eine Garantie für deren Richtigkeit oder Vollständigkeit kann ebenso wenig übernommen werden wie für das Eintreten der Prognosen. Alle Meinungsaussagen geben lediglich die aktuelle Einschätzung der Autoren wieder, die sich ohne vorherige Ankündigung wieder ändern kann.
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    Der Ölpreis könnte auch nter Druck kommen, weil die Nachfrage im größten Ölverbraucher der Welt, den USA, nachlässt.

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