Regulatorische Hürden bedrohen Indiens Handyboom

30. August 2006, 10:14
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Schlechte Netzqualität vermiest Betreibern das Geschäft - Industrie gibt Staat die Schuld

Regulatorische Hürden und die Marktdominanz staatlicher Konzerne drohen dem indischen Handyboom der vergangenen Jahre das Wasser abzugraben. Derzeit kann Indien im Mobilfunkbereich mit den weltweit höchsten Wachstumsraten von jährlich mehr als 50 Prozent aufwarten. Pro Monat verzeichnet der Subkontinent allein fünf Mio. neue User. Die Nachfrage nach Handys sprengt schon jetzt alle Erwartungen. Und das Marktpotenzial ist riesig: Nur jeder Zehnte der mittlerweile mehr als eine Mrd. Inder besitzt ein Handy. Die Nachfrage könnte sich nach Analystenschätzungen in den nächsten zwei Jahren verdoppeln.

Ausbau der Infrastruktur

Um der explodierenden Nachfrage gerecht zu werden, pumpen indische Mobilfunkprovider wie Hutchison Essar oder Bharti Airtel schon jetzt jedes Jahr mehrere Mrd. Dollar in den Ausbau der Infrastruktur. Dennoch hat sich die Netzqualität in vielen Gebieten verschlechtert, wie das Wall Street Journal (WSJ) berichtet. Weil die Netzprobleme insbesondere das Angebot von Mehrwertdiensten wie dem Download von Spielen verhindern, bleiben die Umsätze hinter den Erwartungen der Betreiber zurück.

"Staat hat Schuld

Die Provider geben vor allem der indischen Regierung und der staatseigenen Konkurrenz die Schuld an der Misere. Aus Angst um indische Arbeitsplätze werde internationalen Investoren der Zugang erschwert, klagen die Provider. Hier hat die indische Politik allerdings bereits eingelenkt. Seit diesem Jahr dürfen ausländische Investoren mit bis zu 74 statt zuvor 49 Prozent bei indischen Unternehmen der Telekombranche einsteigen. Darüber hinaus fordern die privaten Mobilfunkbetreiber nun den Zugang zur Netzinfrastruktur der Staatsbetriebe.

"Das Zögern der Politik bei der Vergabe zusätzlicher Bandbreiten ist bedenklich..."

Einigen Unmut hat auch die schleppende Vergabe weiterer Mobilfunkspektren ausgelöst. "Das Zögern der Politik bei der Vergabe zusätzlicher Bandbreiten ist bedenklich, weil es das Wachstum bei der Zahl von Anrufen und Services, die Unternehmen in städtischen Gebieten managen können, bremst", zitiert das WSJ den Telekomanalysten Ajay Srinivasan von Crisil Research. Ohne zusätzliche Bandbreiten müssten die Betreiber weitere Handymasten aufstellen, was im städtischen Umfeld schwer machbar sei.

Handlungsbedarf

Angesichts der rasant steigenden Nachfrage müsse Indien seine strukturellen Probleme schnell in den Griff bekommen, meinen Experten. Schon haben sich nämlich internationale Branchengrößen in Stellung gebracht, die am Mobilfunkboom in Indien oder China mitnaschen wollen. So will etwa Google mit Informationsdiensten über das Handy auf den asiatischen Märkten punkten. (pte)

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