15 aus 45: K-Zentren auf dem Prüfstand

29. August 2006, 20:12
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Die Zahl der industriellen Kompetenzzentren in Österreich wird reduziert - Wer überleben will, muss sich vernetzen

Von den 45 industriellen Kompetenzzentren in Österreich werden in ihrer derzeitigen Form nur rund 15 übrig bleiben und statt K-plus, K-ind und K-net künftig einheitlich K1 heißen. Wer überleben und an die Weltspitze K2 will, muss sich vernetzen - oder kürzer treten.


Sechs aus 45 wie im Lotto müssen die Kompetenzzentren nicht spielen. Aber es steht im Herbst viel auf dem Spiel für die vor sieben Jahren als Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft angelegten Projektunternehmen der Kategorien K-plus, K-ind und K-net.

Wie viele der insgesamt 45 Kompetenzzentren in Österreich die nun anstehende Reform "überleben" werden, ist offen. Fix ist nur, dass es in der bestehenden Form nicht alle sein können. Denn erstens sieht das neue, soeben in Brüssel notifizierte Kompetenzzentrenprogramm der Forschungsförderungsgesellschaft FFG ab 2007 maximal 40 K-Zentren vor, und zweitens sind die Förderungen für die Zentren der ersten Generation bereits im Vorjahr ausgelaufen.

Um allen eine faire Chance zu geben, unter dem neuen Regime zu reüssieren, wurden die ältesten K-Zentren mittels Zwischenfinanzierung am Leben erhalten. Ernst wird es im Oktober, da findet die erste Ausschreibung des mehrstufigen Auswahlverfahrens statt.

Selbiges ist der Anfang vom Ende des seit Jahren anhaltenden Wirrwarrs zwischen den seinerzeit vom Verkehrsministerium initiierten 17 K-plus-Zentren und den 28 K-ind- bzw. K-net-Netzwerken des Wirtschaftsministeriums: Industrienahe Verbundforschung mit hohem Wirkungs- und Umsetzungsgrad wird es künftig nur mehr in den Kategorien K1 und K2 geben, wobei die Programmlinie K2 unverkennbar die Königsdisziplin darstellt - und zwar quer durch alle Technologiebereiche und Branchen.

K2-Zentren zielen laut dem von FFG, Infrastruktur- und Wirtschaftsministerium erarbeiteten Programmdokument, das dem Standard vorliegt, auf "die langfristige Bündelung existierender nationaler Kompetenzen und die Zusammenarbeit mit den weltweit besten Forschern, wissenschaftlichen Partnern und Unternehmen in gemeinsamen strategischen Forschungsprogrammen auf allerhöchstem Niveau" ab. Sie zeichnen sich durch hohes Risiko in Entwicklung und Umsetzung aus, sind international vernetzt und müssen "international sichtbar" sein.

Dafür sind die Besten der Besten auf zehn Jahre angelegt, werden im fünften Jahr zwischenevaluiert und können sich nach zehn Jahren Förderung (und einer zweiten Evaluierung) für eine weitere Periode bewerben.

Nicht ganz so scharf geht es bei den K1-Zentren zu. Sie entsprechen mit maximal sieben Jahren Laufzeit in etwa den bestehenden K-plus und K-ind, "betreiben Forschung auf hohem Niveau und fokussieren auf wissenschaftlich-technologische Entwicklungen in Hinblick auf zukunftsrelevante Märkte", und zwar mit mittel- bis langfristiger Perspektive, wie es im Programmpapier heißt.

Wie K2-Zentren können auch K1 in die Verlängerung gehen, sind dabei aber einem Wettbewerb mit bestehenden Zentren und neuen Initiativen ausgesetzt, den die Programmentwickler von der FFG als sehr intensiv erwarten. Fällt ein K1-Zentrum bereits bei der Vierjahresevaluierung negativ auf, ist nicht sofort alles aus, sondern es beginnt ein so genanntes Phasing Out, das maximal ein Jahr dauern kann. Dabei halbiert sich zwar das jährliche Förderungsvolumen (das seitens des Bundes pro Jahr maximal 1,5 Millionen Euro beträgt), laufende Forschungsarbeiten sollten aber plangemäß durchgeführt werden können.

Bei K2 kann dieses Phasing Out, das übrigens auch bei regulärem Auslaufen nach sieben K1-Jahren oder erfolgloser Wiederbewerbung vorgesehen ist, längstens eineinhalb Jahre dauern. Das jährliche Fördervolumen ist mit maximal 50 Prozent des durchschnittlichen Förderungsjahres der vorangegangenen Förderungsperiode begrenzt.

Neu im Repertoire: "K-Projekte". Sie sind, vereinfacht ausgedrückt, für jene Fälle vorgesehen, denen es an Potenzial und Marktreife für K1 fehlt, die aber deutlich mehr Fleisch auf die Waage bringen, als ein allein schwebendes Innovationsprojekt eines Einzelunternehmens. In einem K-Projekt müssen mindestens drei Unternehmen mit einer Wissenschaftseinrichtung (z. B. einem Uni-Institut) drei bis fünf Jahre lang kooperieren; und zwar "strategisch in dem Sinn, dass in einer mittelfristigen Perspektive eine nachhaltige Profilbildung angestrebt wird". Welche K-Projekte zum Zug kommen, wird in einem verkürzten, einstufigen Auswahlverfahren der FFG entschieden, das durch den Wissenschaftsfonds FWF und die Christian-Doppler-Gesellschaft unterstützt wird. (Luise Ungerboeck/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.8. 2006)

  •  	Die Kompetenzzentren in Österreich
    grafik: standard

    Die Kompetenzzentren in Österreich

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