Ein Wintermantel für die Sofiensäle: Nutzung weiter ungeklärt

17. November 2006, 19:52
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Fünf Jahre nach dem Brand sollen die "Sofies" adäquat geschützt werden - Seit der Übernahme ist nicht viel geschehen

Wien – Reste von rotem Plüsch und Stoffbahnen, die zerfetzt von den Balkonen hängen, zeugen noch von dem einstigen Prunk des 1838 eröffneten Veranstaltungsortes in der Marxergasse im Bezirk Landstraße. Genauso wie ein surreal anmutendes Flügel-Wrack inmitten des historischen Schwimmbeckens unter dem ehemaligen Ballsaal, umgeben von sprießenden Pflanzen und besprühten Wänden mit bröckelndem Stuck und abgeblättertem Verputz. Fünf Winter, während der die Brandruine der Sofiensäle schutzlos der Witterung ausgesetzt war, haben ihre Spuren hinterlassen.

Winterschutz

Vor dem nächsten Winter sollen die „Sofies“ adäquat geschützt werden, wie Barbara Neubauer vom Bundesdenkmalamt am Dienstag gemeinsam mit Franz Werner Hauberl, Generaldirektor der ARWAG, mitteilte. Die ARWAG, an der unter anderem die Stadt Wien und die Bank Austria Creditanstalt beteiligt sind, hatte die Sofiensäle im Jänner dieses Jahres zu einem nicht genannten Kaufpreis vom Bauunternehmer Julius Eberhardt übernommen. Dessen Sofiensäle AG hatte seit dem Großbrand am 16. August 2001 – vergeblich – für eine Aufhebung des Denkmalschutzes und einen Abriss der Ruine gekämpft.

„Seit der Übernahme ist nicht nichts geschehen,“ betont Neubauer angesichts des gegenteiligen Eindrucks. So wurde unter der Ägide von Chefrestaurator Gerald Hollnbuchner ein „gewichtiger“ Untersuchungsbericht über den Zustand des Gebäudes erstellt. Bis Mitte Oktober sollen Abdrücke der vorhandenen künstlerisch und architektonisch wertvollen Bauteile und Ausstattungselemente hergestellt werden, um später die beschädigten Teile originalgetreu gießen zu können.

Einstweilen werden Vorschläge erarbeitet, wie der große Festsaal, der ebenso wie die Säulengänge, der Eingangsbereich und die Aufgänge unter Denkmalschutz steht, restauriert werden kann. Vorrangig sei eine entsprechende Winter-Abdeckung, um die Feuchtigkeit vom empfindlichen Gips abzuhalten.

Wohnräume

„Hier steht die Denkmalpflege sicher an erster Stelle vor der Wirtschaftlichkeit,“ freute sich Neubauer über die Kooperationsbereitschaft der ARWAG. Diese kann jedoch nach wie vor kein Konzept für die Nutzung des gut 5000 Quadratmeter-Grundstücks vorlegen. „Das Thema Wohnen wird sicher eine bedeutende Rolle spielen,“ verriet Hauberl, der außerdem klarstellte: „Clubbings werden auf keinen Fall stattfinden.“ Durch die „extreme“ Nutzung des Vorbesitzers, der die Sofiensäle zur Party-Location gemacht hatte, habe man sich die Nachbarschaft zum Feind gemacht. Temporäre kulturelle Veranstaltungen seien aber nicht ausgeschlossen. Im Herbst 2007 soll die Baugenehmigung vorliegen. Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit könnten die Sofiensäle zumindest teilweise wieder auferstehen. (Karin Krichmayr, DER STANDARD Printausgabe, 23.08.2006)

  • Der Flügel inmitten der Reste des Ballsaals spielt schon lange nicht mehr, Clubbings wird es auch nach der Sanierung nicht geben
    foto: standard/fischer

    Der Flügel inmitten der Reste des Ballsaals spielt schon lange nicht mehr, Clubbings wird es auch nach der Sanierung nicht geben

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