Nützliche Parallelwelt

29. August 2006, 20:12
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Mikrobiologe Michael Wagner unter Top Ten bei Publikationen und damit der bestplatzierte in Österreich arbeitende Naturwissenschafter - ein Geistesblitz

Ohne Bakterien in unserer Umwelt gibt es kein Leben. Keiner der großen Stoffkreisläufe der Erde würde funktionieren und auch die menschliche Verdauung nicht. In ein paar Krümel Boden leben hunderttausende Arten und in jedem Blumentopf mehr Bakterien als Menschen auf der Erde. Die gute Nachricht: Die allermeisten sind harmlos, viele nützlich und nur wenige Krankheitserreger.

Ein Auskenner im Reich der Mikrobiologie und profilierter Bakterien-Evolutionsforscher ist Michael Wagner, Leiter des Departments für Mikrobielle Ökologie der Universität Wien. Mit Rang drei und acht ist er der bestplatzierte in Österreich arbeitende Naturwissenschafter im Zitate-Ranking des deutschen Laborjournal, einer Fachzeitschrift, die Relevanz fachlicher Forschungsarbeit für den deutschen Sprachraum bewertet.

Der Münchner erforscht am Biozentrum Althanstraße inWien Evolution und Funktion von ökologisch und medizinisch relevanten Mikroorganismen, die nicht im Labor gezüchtet werden können. Kürzlich fand er welche, "ohne deren Hilfe keine effiziente Abwasserreinigung in Kläranlagen möglich wäre". Auch Bakterien, die in Amöben leben und Verwandte von Krankheitserregern sind, beschäftigen ihn: "Wir fangen gerade erst an, diese unvorstellbare Vielfalt in ihrer Bedeutung für Erde und Mensch zu verstehen."

Der Mikrobiologe findet es "wahnsinnig spannend, diese Entdeckungsreise mitmachen zu dürfen". Der 1965 Geborene geht sein Fachgebiet mikrobielle Ökologie mit "viel Fantasie, Neugierde und der Fähigkeit zur Abstraktion" an. Für die vielen und viel zitierten Publikationen hat er kein Geheimrezept, außer "dass ich immer ein Super-Team um mich herum hatte und wir zusammen einfach viel entdeckt haben. Forscher ist nicht einfach irgendein Beruf, sondern erfordert Leidenschaft und Teamgeist."

Nach den ersten Mikrobiologievorlesungen an der TU-München "war ich von der unsichtbaren Parallelwelt begeistert und das hat bis heute nicht nachgelassen". Das Studium beendete er "summa cum laude", was ihn heute daran erinnert, "dass ich manchmal Dinge zu extrem angehe. Ich habe mir und meinen Mitmenschen damals zu wenig Zeit eingeräumt und danach einige Zeit gebraucht, um mich wieder zu finden". Den Postdoc absolvierte er in Evanston, Illinois, "für meine berufliche Entwicklung der wichtigste Abschnitt. Ich hatte einen Mentor und konnte nach Herzenslust forschen." Auch wurden er und seine Familie damals rasch integriert. Die Universitäten in den USA beweisen für ihn, "dass eine flache Hierarchie in der Wissenschaft erfolgreicher ist, dass man jungen Forscherinnen und Forschern Karrierechancen einräumen muss und exzellente Forschungsleistung - nicht Verbindungen - das einzige Kriterium für eine Karriere an der Universität sein darf." Wagner glaubt auch, dass "jeder Mensch mindestens einmal im Leben sein System von außen anschauen sollte", und gute Forschung ist für ihn ohne "ständigen fachlichen Ideenaustausch auf Tagungen schwer vorstellbar".

Das Angebot für die Professur an der Uni Wien nahm er 2003 an, weil er sich hier "wohl fühlt" - eine Bauchentscheidung, die er nicht bereut: "Mich reizt, dass ich viel Gestaltungsspielraum habe, dass sich an der Uni Wien unheimlich viel bewegt, Wien eine hohe Lebensqualität bietet und nah an Italien und meiner Heimat München ist."

Wenn er nicht im Mikrokosmos unterwegs ist, verausgabt er sich mit seinen beiden Buben beim Fußball, wandert mit der Familie oder spielt Badminton. Am allerliebsten liegt er jedoch "im Süden an einem einsamen Strand" oder geht schwimmen, spielt Klavier oder hört Independent Music. (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.8. 2006)

Link: Department für Mikrobielle Ökologie der Universität Wien
  • Ein Auskenner im Reich der Mikrobiologie und profilierter Bakterien-Evolutionsforscher ist Michael Wagner, Leiter des Departments für Mikrobielle Ökologie der Universität Wien.
    foto: standard

    Ein Auskenner im Reich der Mikrobiologie und profilierter Bakterien-Evolutionsforscher ist Michael Wagner, Leiter des Departments für Mikrobielle Ökologie der Universität Wien.

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