"Energie wird Schlüsselfrage aller Politik"

22. August 2006, 19:08
posten

Politik, Wirtschaft und Forschung uneinig über Dringlichkeit, den CO2-Ausstoß rasch zu deckeln: Zeit werde knapp", so eine Expertin

Alpbach - Die knappen Energieressourcen und die weltweite Klimaerwärmung sind am Dienstag im Mittelpunkt eine Expertendiskussion bei den Reformgesprächen des Europäischen Forum Alpbach gestanden. Die Energie werde in den nächsten Jahren und Jahrzehnten die "zentrale Frage der künftigen Politik" in Europa sein", prophezeite Umweltminister Josef Pröll. Steuererhöhungen oder andere fiskalische Maßnahmen zur Eindämmung des individuellen Verkehrs seien keine geplant, beteuerte er.

Zeit wird knapp

"Wir haben nicht viel Zeit, wenn wir das Lehrgeld, das wir zahlen werden müssen, möglichst klein halten wollen", drängte Helga Kromp-Kolb, Meteorologin an der Wiener Boku zu raschem Handeln. Als Folge der Klimaerwärmung werde damit gerechnet, das der Meeresspiegel bis ins Jahr 2100 um vier Meter ansteigen könnte - mit entsprechenden menschlichen Wanderbewegungen als Folge. Dennoch sehe sie sich nicht als "Kassandra", sondern glaube nach wie vor, dass die Menschheit handelnd eingreifen könne, sagte Kromp-Kolb.

Nachfolgeregelung zu Kyoto erwartet

Gegen alarmistische Stimmen, die letztlich in die Resignation führten sprach sich der Publizist Dirk Maxeiner aus. Er rechne mit einer Nachfolgeregelung zu Kyoto, die sich stärker am Kurs der US-Regierung als an der bisherigen Klimaschutzstrategie Europas ("Deckelung" des CO2-Ausstoßes) orientieren werde, sagte der Experte.

"Sauberer" Güterverkehr

Den im Vergleich zum Wirtschaftswachstum überproportionalen Abstieg des europäischen Güterverkehrs skizzierte Stefan Rommerskirchen, Verkehrsexperte von der Schweizer Consultingfirma ProgTrans. Die Transportleistung werde in den nächsten 15 Jahren um weitere 40 Prozent steigen, gleichzeitig würden die Lkw aber in rasantem Tempo moderner und "sauberer". "Wer die wachsende internationale Arbeitsteilung und die wachsende Integration Europas akzeptiere "und gleichzeitig an unseren Konsummustern festhalten wolle, muss auch den Gütertransport akzeptieren", sagte Rommerskirchen.

Kritikpunkt Abhängigkeit

Günther Ofner, Vorstandschef der Burgenland Holding warnte vor einer "Lücke" in der Stromerzeugung sowie der immer größer werdenden Abhängigkeit Europas vor Energieimporten. Eine Trendwende werde viele Jahre in Anspruch nehmen: "Wenn die Schmerzen auftreten, kann man sie nicht beseitigen, wie man Zahnschmerzen beseitigen kann, indem man zum Zahnarzt geht. Die Reaktionszeit beträgt zehn bis 15 Jahre." In Sachen Ausbau des Stromnetzes sagte er: "Wir betteln geradezu darum, dass es einmal tagelang finster in Österreich wird." Die gegenwärtige Situation sei "absolut unverantwortbar."

Zentrales Thema

Der Umweltminister meinte, Energie werde "die zentrale Frage der künftigen Politik sein. Energie ist alles und wir müssen Antworten darauf entwickeln". In Reaktion auf eine Wortmeldung, in der ein freundlicheres Klima für die Atomkraft konstatiert wurde, deponierte er ein "klares Nein" der österreichischen Regierung. Der Politiker kündigte an, die Biosprit-Beimischung auf "deutlich" über die derzeitigen 5,75 Prozent anheben zu wollen und kündigte Maßnahmen gegen den Tanktourismus an. Trotz des Nachhinkens Österrreichs hinter seinen "Kyotozielen" gab er sich optimistisch: Österreich werde seine Kyoto-Vorgaben bis 2012 erfüllen können, glaubt Pröll.

Ein Versprecher passierte dem Minister in einer Replik auf Ofner-Aussagen, der das österreichische Stromnetz mit dem albanischen vergleichen hatte: "Wir sind nicht Albanien, auch wenn wir noch keine 380-KV-Leitung (zwischen dem Südburgenland und der Steiermark, Anm.) haben. Wir arbeiten daran." (APA)

  • "Energie ist alles und wir müssen Antworten
darauf entwickeln", meinte der österreichische Umweltminister Pröll am Dienstag in Alpbach.
    logo forum alpbach 2006/standard

    "Energie ist alles und wir müssen Antworten darauf entwickeln", meinte der österreichische Umweltminister Pröll am Dienstag in Alpbach.

Share if you care.