Alte Deppen

9. Oktober 2006, 15:09
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"Alt", also jenseits der 30 zu sein, und trotzdem die Sau rauslassen? Auf Verantwortung pfeifen, den gesellschaftlichen Druck ...

"Alt", also jenseits der 30 zu sein, und trotzdem die Sau rauslassen? Auf Verantwortung pfeifen, den gesellschaftlichen Druck ins Leere laufen lassen? Revolte? Peinlich sein? Geht das?

Sonntagabend lief der US-Klamauk Old School (ORF, Pro7), eine Variation zum Thema Ausbruch aus eingefahrenen Lebenssituationen, mit viel Brachialhumor - eine Teenie-Komödie mit 30ern. Der eine ein Softie und neuer Single, der andere kurz und unzufrieden verheiratet, der dritte mit Kind und des Ehekäfigs leid: Sie werfen sich in die amerikanische Variante von Jungsein und gründen eine Studentenverbindung. Der eine wird wieder zu seiner College-Identität "Frank the Tank" mit der Vorliebe, im Alkoholdelirium flitzen zu gehen.

Midlifecrisis

In eine ähnliche Kerbe, nur ungleich ernster, schlägt Kevin Spaceys Darstellung eines Gesellschaftszwänge-Ausbrechers in American Beauty. Die Midlifecrisis lässt ihn erkennen, wie trist seine Arbeit, wie spießig seine Frau, wie unzufrieden er selbst ist. Anhand eines differenzierten Charakters wird herausgearbeitet, wie aussichtslos lächerlich Wiederjungseinwollen sein kann, obwohl man sich bis zuletzt wünscht, dass er es schafft.

Was sollen uns solche Filme sagen? Einen Schritt weitergedacht, führen sie bestenfalls vor Augen, dass wir in höherem Maße von sozialen Normen abhängig sind, als wir glauben, auch im Pluralismus der Gegenwart nie gänzlich Individuum sein können. Und bestenfalls schaffen sie mehr Mut zum Lächerlich- und Peinlichsein. (pum/DER STANDARD; Printausgabe, 22.8.2006)

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