Von der Karibik bis nach Russland

13. September 2007, 10:27
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Vene Maiers Reise durch die Welt der Cocktails: Mit Tequila, Rum, Gin und Wodka - 3. und letzter Teil

Wir kommen von den Manhattans und Martinis jetzt ganz ungezwungen zur Margarita, welche keine schöne Mexikanerin ist, sondern ein sehr einfacher und gerade deswegen sehr wohlschmeckender Cocktail. Der Hauptbestandteil ist Tequila, das Besondere ist der Salzrand am Glas. Nach klassischer Art wird die Margarita aus Tequila, Curaçao und Limettensaft gemixt, mittlerweile existieren aber auch zahlreiche Varianten wie die Strawberry Margarita mit Erdbeersirup.

Der Tequila Sunrise ist ein fruchtiger, süßer Cocktail. Er verdankt seinen Namen der charakteristischen Farbabstufung von gelblich-orange (oben) über orange bis orangerot (unten). Dem Cocktail verdankt auch der Film Tequila Sunrise (mit Mel Gibson und Michelle Pfeiffer) aus dem Jahr 1988 den Namen.

Hier das Rezept und die Zubereitung:

1 Teil Tequila
3 Teile Orangensaft
1 Schuss Grenadine
1 Schuss Zitronen- oder Limettensaft (optional)
1-2 Eiswürfel (optional)

Üblicherweise nimmt man…

…für einen Tequila Sunrise ein hohes, schmales Cocktailglas. Dann gießt man den Tequila und den Orangensaft hinein und verrührt die beiden Bestandteile. Nun kippt man das Glas leicht und lässt vorsichtig einen Schuss Grenadine am Rand ins Glas laufen. Die Grenadine setzt sich unten ab. Will man noch Zitronensaft hinzugeben, gießt man ihn am besten bei aufrechtem Glas in die Mitte des Getränks. Alternativ kann man ihn auch über einen Löffel gießen, der knapp über die Oberfläche gehalten wird, damit der Zitronensaft oben bleibt und sich nicht zu sehr mit dem Orangensaft vermischt. Jetzt rührt man nur noch vorsichtig den Sunrise um, bis sich ein fließender Farbübergang gebildet hat.

Ein Tequila Sunrise wird oft mit Orangenscheibe am Glasrand und Strohhalmen serviert. Dazu ein Dekotipp: Bevor das Getränk in das Glas gegeben wird, kann man mit einer Orangen- oder Zitronenscheibe am oberen Glasrand eine Saftspur herumziehen. Nun streut man Salz (optional Zimt) über die Flüssigkeit, mixt sich das Getränk und hat nun sein gewünschtes Gewürz schon am oberen Glasrand.

An der Wiege des Rum

Wenn wir jetzt schon im schönen Golf von Mexiko angekommen sind, bleiben wir gleich noch ein Weilchen dort. Und nehmen den direkten Weg ins „Floridita“ im wunderbaren Havanna. Hier, in Kuba, steht die Wiege des Zuckerrohrs, ergo auch jene des daraus vergorenen Saftes bzw. der destillierten Maische aus den Rückständen der Zuckergewinnung, der Melasse. Im „Floridita“ wird Daiquiri serviert.

Der Daiquirí ist ein tropischer Cocktail auf Basis von Rum. Das Wort Daiquirí stammt aus dem Kubanischen und ist der Name einer Ortschaft, die etwa 14 Meilen von Santiago de Cuba entfernt ist.

Das Original-Rezept dieses Shortdrinks von 1898 beinhaltet

5 cl weißen kubanischen Rum 1-2 cl Rohrzuckersirup und 2 cl Limettensaft.

Es gibt viele Variationen für diesen Cocktail. Meistens werden Daiquirís mit fein zerkleinertem oder pulverisiertem Eis im Mixer zubereitet, so dass sie eine schaumige Konsistenz bekommen (auch Frozen Daiquirí genannt). Seit Ende der 1990er sind Rezepte modern, bei denen der Limettensaft durch Fruchtmark ersetzt wird, z.B. Mango-Daiquiri oder Banana-Daiquiri.

Der Daiquirí war einer der Lieblingscocktails von Ernest Hemingway, der ihn in einer Variante, bekannt als Papa Doble, in seiner Stammbar "La Floridita" trank, mit doppelt Rum, Grapefruitsaft und Maraschino-Likör statt Zuckersirup.

Dann muss ein Mojito her

Und wenn wir schon mal da sind, wo sich die Regentschaft eines bärtigen Revolutionärs nach fast fünf Jahrzehnten seinem Ende zuneigt, dann muss auch ein Mojito her. Der Mojito ist ein Cocktail aus weißem kubanischem Rum, Limettensaft, frischer Minze, hellem Rohrzucker und Sodawasser. „Erfunden" wurde der Mojito zwischen 1910 und 1920 auf Kuba. Bekannt ist er auch aus James Bonds "Stirb an einem anderen Tag".

Die Blätter von 4-5 Zweigen Hemingway-Minze (Pfefferminze ist aufgrund des hohen Mentholgehalts nicht geeignet), drei Barlöffel Zucker und den Saft von einer halben Limette in ein breites Glas (Tumbler) geben und mit einem Stößel etwas zerdrücken. Dabei ist darauf zu achten, die Minzblätter nicht so zu beschädigen, dass sich kleine Stücke ablösen und beim Trinken mit dem Strohhalm angesaugt werden können. Der Zucker sollte sich vollständig auflösen. Anschließend das Glas mit Eis oder Crushed Ice füllen und ca. 5 cl weißen Rum zugeben. Als letztes das Glas mit stark sprudelndem, möglichst neutralem Sodawasser auffüllen und mit einem kurzen Strohhalm servieren. Als Dekoration eignet sich ein intakter Minzzweig, je nach Wunsch können auch Limettenachtel ins Glas gegeben werden.

Die Originalversion

Die Kubanische Originalversion des Rezeptes: Ein gehäufter Esslöffel weißer Zucker wird mit genügend Sodawasser aufgelöst, mit dem Saft einer ganzen, frischen Limette und mit einigen Tropfen Angostura Bitter (ursprünglich ein Magenbitter, der aber in Lateinamerika für die Cocktailwürzung umgewidmet wurde) gewürzt. Darauf kommen vier Centiliter originaler weißer Kubanischer Rum (keinesfalls Bacardi o.ä., da diese einen völlig anderen Geschmack haben). Ein Stengel Hierba Buena wird in das zu dreiviertel mit Sodawasser aufgefüllte High-Ball-Glas gesteckt. Mit einem Löffel wird dann der Stengel der ganzen Länge nach an der Wand des Glases zerdrückt. Dadurch vermengen sich die ätherischen Öle des Stengels, die für den typischen Geschmack verantwortlich sind, mit dem Getränk. Das Ganze wird gut durchgerührt und mit Eisstücken bis zum Rand aufgefüllt.

…und tranken Gimlets

Eine Erfolgsgeschichte der anderen Art hat der Gimlet hinter sich. Der klassische Cocktail besteht zu gleichen Teilen aus Gin und Lime Juice.

Er wurde zuerst gegen Ende des 19. Jahrhunderts in der britischen Royal Navy getrunken, blieb aber außerhalb Englands lange bedeutungslos. Weithin bekannt wurde er dann als Lieblingscocktail eines Klienten des Privatdetektivs Philip Marlowe, Terry Lennox.

"Wir saßen bei Victor in einer Ecke der Bar und tranken Gimlets. "Die haben keine Ahnung, wie man die macht!", sagte er (gemeint: Lennox, Anm.). "Was die hier einen Gimlet nennen, ist einfach Zitronen- oder Limettensaft mit Gin und einem Schuß Zucker und Bitterbier. Richtiger Gimlet besteht zur einen Hälfte aus Gin und zur anderen aus Rose´s Lime Juice und aus sonst nichts. Aber das schlägt sämtliche Martinis haushoch." (Raymond Chandler: "Der lange Abschied")

Aber wieder zurück zu den Limetten und Zitronen. Als Sour bezeichnet man einen Cocktail, der aus einer Spirituose, Zitronensaft und Zucker besteht. Manche Sours enthalten darüber hinaus auch Orangensaft. Statt Zitronensaft wird manchmal Limettensaft verwendet. Die bekanntesten Sours sind Whiskey Sour, Gin Sour, Pisco Sour und Amaretto Sour. Die Sours sind verwandt mit den Fizzes und Collinses.

Was „The Dude“ so trank

Wechseln wir zum Abschluss noch kurz den Kontinent: Der White Russian ist ein alkoholisches Mixgetränk auf Basis von Wodka. Eine gewisse Berühmtheit erlangte der White Russian durch den Spielfilm The Big Lebowski als Lieblingsdrink von The Dude.

Neben Wodka besteht dieser Cocktail aus Kaffeelikör (meist Kahlua oder Borghetti) und Obers. Die beiden alkoholischen Zutaten werden üblicherweise im Shaker mit Eis geschüttelt und dann in einen Tumbler (breiter niedriger Whiskybecher) abgeseiht; die Frage, ob der klassische White Russian mit oder ohne Eis serviert werden soll, wurde bis heute nicht endgültig entschieden. Kalt sollte er aber auf jeden Fall sein. Manche verzieren das Getränk mit einer Obershaube. Der White Russian Longdrink wird dagegen nicht wie der gewöhnliche White Russian mit Obers beschichtet, sondern mit Milch aufgefüllt und im Longdrinkglas serviert. In einer anderen Variante, die durch The Big Lebowski stark an Popularität gewonnen hat, wird das Eis direkt mit in den Shaker gegeben. Ein feststehendes Verhältnis der Zutaten gibt es eigentlich nicht.

Klassisch, d.h. nach den Regeln der Internationalen Barkeeper Vereinigung, wird der White Russian ohne Eis in einem Cocktailspitz (Martiniglas) serviert. Das leicht geschlagene Obers wird vorsichtig über den vorher gekühlten Vodka-Kaffeelikörmix gegeben. Eine Erklärung für diese Art den Drink zu servieren ist die, dass sich der White Russian auf diese Weise erst im Mund, im genau richtigen Verhältnis von Obers und Spiritousen, zusammenmischt und somit ein kompletteres Geschmackserlebnis in sich birgt. Deswegen sollte er auch direkt aus dem Glas ohne Strohalm getrunken werden.

Medizin nach einer langen Nacht

Zu guter Letzt darf dann ein Reparatur-Drink auch nicht fehlen: Die Bloody Mary, ein klassischer Longdrink, gilt als die Medizin nach einer schönen, langen Nacht mit vielleicht mal einem Glas zuviel.

Die erste Bloody Mary wurde in den 1920ern in Harry's New York Bar in Paris von Fernand Petoit gemixt und bestand aus gleichen Teilen Wodka und Tomatensaft. Als Petoit in den 1930ern nach New York in die King Cole Bar (St. Regis) kam, stellte er dort seinen Drink vor. Das Hotel wollte den Drink in Red Snapper umbenennen. Dazu kam es aber schließlich doch nicht. Petoit verfeinerte seine Kreation mit schwarzem Pfeffer, Salz, Tabasco und Worcestershire Sauce, da ihm der Drink zu fad war. So entstand der amerikanische Klassiker. Ursprünglich wurde wohl in den USA statt Wodka Gin verwendet, da Wodka in Amerika nicht weit verbreitet war.

Bevorzugt: Selleriesalz

Bloody Mary ist ein klassischer Longdrink. Er besteht aus 1 Teil Wodka (ca. 4 cl) und 4–5 Teilen Tomatensaft, abgerundet wird er je nach Geschmack mit Salz (bevorzugt Selleriesalz), Pfeffer, Zitrone, Tabascosauce und/oder Worcestersauce.

Zubereitung: Man gebe einige Eiswürfel in ein Longdrinkglas. Dazu gibt man den Wodka, Tomatensaft, Pfeffer, Salz, Zitronensaft, und noch einige Spritzer Tabasco und Worcestersauce. Anschließend verrührt man alles langsam von unten nach oben durch. Als Garnitur kann man beispielsweise eine an den Glasrand gesteckte Zitronenscheibe verwenden, häufiger wird ein Stück Selleriestaude auf den Glasrand gelegt, welches einerseits zum Umrühren dient, andererseits dazu da ist, beim Trinken etwas "zum Knabbern" zu haben. Der Bloody Mary wird nachgesagt, dass sie gegen den "Kater" wirkt. Das kann man natürlich durch die Reduzierung des Wodka-Anteils verstärken.

Hier also endet unsere kleine Reise durch die Welt der Cocktails. Ich persönlich möchte noch einen Daiquiri heben und mit einem „Viva Cuba“ Fidel grüßen. (Vene Maier)

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Anm: Die Beschreibungen der Cocktails stammen großteils aus Wikipedia.

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