Zaubersaft und schöne Drinks

13. September 2007, 10:27
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Vene Maier über Cocktails, die den Sommer zurückbringen und den Winter mit einem karibischen Feeling verkürzen - Teil 1

Sagen wir so: Dass Fidel marod und rekonvaleszent ist, hat nicht unbedingt etwas mit Cocktails zu tun. Aber wenn ich an Cocktails denke, fällt mir immer auch was zu Kuba ein. Jedenfalls seit ich, es war wohl 1978, das erstemal dort war. Seither hab ichs nur noch einmal geschafft, diese Insel voller Zuckerrrohr und Tabak zu besuchen. Also muss es unbedingt bald wieder einmal sein. Und: Eigentlich muss man jetzt hinüber. Jedenfalls noch diesen Herbst oder im Winter. Weil – wer weiss schon, wie lange es noch steht? So wie es ist.

Sicher, auch nach Fidel wird es noch gute Cocktails und guten Rum in Kuba geben. Aber. Das Flair. Die Nostalgie. Die Revolution. Man muss echt befürchten, dass die Heuschrecken übers Land kommen. Dass die Freude an den Mädchen den Freudenmädchen weicht. Dass alles in Rum ertränkt wird. Dass Bacardi die Regentschaft übernimmt. Dass US-Boys Varadero besetzen. Dass brandneue Cadillacs und Buicks den Malecon zustopfen. Depressive Szenarien. Was soll’s? Wer kann’s verhindern?

Krönung, sag ich Ihnen

Auch sicher: Für einen Mojito oder einen Daiquiri muß man nicht unbedingt meilenweit reisen, schon gar nicht über den großen Teich fliegen. Obwohl: Ein Mojito im Floridita oder ein Daiquiri in der Bodegita – das hat schon was. Dazu ein Besuch in und ein paar rauchige Andenken aus der Zigarrenfabrik von Partagas. Ein Torpedo von Monte Christo. Ein Ron Varadero, 7 anos. Krönung, sag ich Ihnen. Vielleicht geht’s nochmal. Schau mer mal.

Aber, wie gesagt: Man muss echt nicht unbedingt nach Kuba fahren, um einen coolen und kühlenden Drink zu bekommen. Ganz im Gegenteil. „Was man für einen guten Cocktail braucht, sind gute Zutaten“, sagt Stefan Stevancsecz, und der muss es wissen. Schließlich ist der 45jährige Linzer schon öfter bei einer Cocktail-WM gewesen und einmal auch als Vizeweltmeister zurückgekehrt.

Wie man im Journalistenleben zum Beispiel den Satz beherzigen sollte: Fasse den Gedanken, die Worte werden folgen, gilt für Barkeeper der Lehrsatz: Der beste Cocktail ist nur so gut wie die schlechteste Zutat! Stefan Stevancsecz hat sich diesen Grundsatz schon früh zu eigen gemacht und ist damit sehr gut gefahren. Besser: Er hat auf dieser Basis gute Cocktails gemixt. Die Titel, sagte er sich vielleicht schon in der Barkeeperschule, werden folgen: Immerhin ist er damit dreifacher Staatsmeister und einmal fast Weltmeister geworden. Im Herbst stellt er sich übrigens wieder der WM-Jury.

Die Karibik ist ein „must“

Es muss ja nicht zwingend Castros revolutionäres Eiland sein, aber ein Urlaub auf einer der vielen schönen Antillen-Inseln ist eine gute Einschulung, um sich der Welt der Cocktails zu nähern. Von dort jedenfalls kommt dieser einzigartige Stoff, aus dem auch WM-Cocktails gezaubert werden. Rum oder Rhum heißt der Zaubersaft, aus dem die schönsten Drinks erwachsen und der die kühnsten Urlauber-Träume in Echtzeit verwirklicht. Für einen richtigen Cocktailfan ist die Karibik ja praktisch ein „must“. Nicht nur die besten Zutaten, sowohl in fester als auch in flüssiger Form, kommen von dort, sondern auch der Sound, den so ein Cocktail in sich trägt, sowie dieses unbeschreibliche Feeling, das er schließlich in die Adern bringt und das Blut (leicht) kochen läßt.

Rhythmus unter Tannen

Nachdem aber nicht alle Tage Sonne, Sand und Sol sein kann, darf man sich auch im Hier und Heute diese feinen, leichten und wohlschmeckenden Drinks mixen, auf dass sich auch unter Tannen und Birnbäumen das Gefühl einstellt, etwas vom karibischen Rhythmus im Blut zu haben.

Die Barkeeper der ganzen Welt – also auch eingeborene wie Stefan Stevancsecz – haben viele Drinks komponiert, die sich im Schanigarten der Großstadt gleich gut trinken lassen wie an Kärntner Seen oder den Naturpools des Salzkammergutes. Schließlich muß man (frau detto) ja auch mal darauf trinken, dass die Arbeit zwar schwer, aber irgendwann dann doch vorbei ist.

Let´s have a drink

"Let´s have a drink on the cock´s tail", könnte dann der Trinkspruch heißen, so zum Gedenken an jene wilden Kerle, die sich im heißen Süden der USA seinerzeit die Federn jener Hähne an den Hut gesteckt haben, die in der Kampfarena ihr Leben ließen, bevor die heroischen Sieger zur Cocktailstunde luden.

Die Hahnenkämpfe sind ja schon fast nur noch Geschichte, geblieben ist hingegen der Oberbegriff für eine Vielzahl von Drinks, von kurzen Short- und langen Longdrinks, von Sweetdreams mit Kokos und Bananen und von sauren Gins mit Lemon und Whiskys mit Zitronen. Geblieben sind auch die Orte, in denen schon die Hahnenkämpfer gefeiert haben: Die American Bars, die nach und nach auch die europäischen Hotels eroberten und jetzt schon ein sehr eigenständiges Leben führen. Bestens bestückt mit all den Getränken, aus denen fast immer ein Hauch von Karibik fließt.

Die Bars und ihre Keeper

Gute Bars zeichnen sich aber nicht nur durch ihre intime Stimmung und die vielen schönen Flaschen, sondern noch viel mehr durch einen guten Barkeeper aus. Der muß so allerhand können, wie schon Harry Johnson 1882 in seinem klassischen „Handbuch für Bartender“* dozierte, und das nicht nur hinsichtlich der diversen, in die hunderte gehenden Rezepturen, sondern auch als Entertainer und Ladestation für ausgepowerte und unterhaltunssüchtige Gäste.

An ihm, dem professionellen Barkeeeper, nimmt sich der private Cocktailmixer natürlich ein Beispiel und gibt an der Heimbar ebenfalls nur sein Bestes. Nur auf eines muß der eine wie der andere achten: Der beste Cocktail ist nur so gut wie die schlechteste Zutat! Wer das berücksichtigt, ist schon von vornherein ein Weltmeister, dem die besten Wünsche und – so nebenbei – auch die Herzen der schönsten Frauen zufliegen. (Vene Maier)

  • Cocktail "El Presidente"

    Cocktail "El Presidente"

  • Stefan Stevancsecz

    Stefan Stevancsecz

  • "La Bodeguita del Medio" in der Altstadt von Havanna
    foto: vene maier

    "La Bodeguita del Medio" in der Altstadt von Havanna

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