Molekularer Schalter von HIV entschlüsselt

7. Februar 2007, 13:04
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Forscher stoppten Überproduktion des Rezeptormoleküls Programmed Death-1 und stellten somit Funktion der CD8-Zellen wieder her

Chevy Chase/Dubai - Ein Wissenschaftsteam des Howard Hughes Medical Institute am Massachusetts General Hospital sowie des Doris Duke Medical Research Institute in Durban, Südafrika, hat entschlüsselt, wie das HI-Virus dem körpereigenen Immunsystem aus dem Weg geht. Das Immunsystem eines mit HIV infizierten Körpers setzt zytotoxische T-Zellen (CD8) frei, die das Virus bekämpfen müssen. Doch HIV macht diese Zellen sofort unschädlich, indem es sie mit einem "molekularen Schalter" ausschaltet. Das löst eine Überproduktion eines Rezeptormoleküls namens Programmed Death-1 (PD-1) aus, wodurch die Immunzellen geschädigt werden und weniger virusabtötende Stoffe wie etwa Cytokinen produzieren. Die Ergebnisse der Studie wurden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.

Tests

Um zu dieser Entdeckung zu kommen, erforschten die Wissenschaftler Blutproben von 71 Menschen, bei denen gerade erst eine HIV-Infektion diagnostiziert wurde und die noch nicht mit einer Behandlung angefangen hatten. Sie untersuchten auch die Blutproben von vier HIV-positiven Menschen, die sowohl vor wie nach dem Anfang der HIV-Therapie genommen wurden. Dabei konnten die Forscher nachweisen, dass der Zuwachs der Viruszellen mit einer Steigerung der Anzahl der PD-1-Rezeptormoleküle einhergeht. Außerdem entdeckten sie, dass die Aktivität der Rezeptormoleküle nachlässt, nachdem mit der Therapie angefangen wird. Die Forscher meinen, dass diese Erkenntnisse nahe legen, dass sich die Viruszellen und die PD-1-Moleküle gleichzeitig steigern und verringern. In Laborversuchen konnten die Forscher jedoch auch nachweisen, dass die Produktion der PD-1-Moleküle nach Verabreichung der Medikamente zwar nachließ, aber dass die CD8-Zellen trotzdem immer schwächer wurden.

"Behutsame" Vorgehensweise erforderlich

Es ist den Forschern allerdings gelungen, mittels Antikörpern den "molekularen Schalter" und dadurch zugleich die PD-1-Rezeptormoleküle zu blockieren und somit die Funktion der CD8-Zellen wiederherzustellen. Experimente mit Mäusen brachten ähnliche Ergebnisse. "Man muss jedoch sehr behutsam sein, denn wenn man einen molekularen Immunschalter einschaltet, den der Körper selbst ausgeschaltet hat, könnten ernsthafte immunologische Probleme ausgelöst werden", erklärt Forscher Bruce Walker des Howard Hughes Medical Institute. "Im Idealfall würde eine Behandlung nur auf die HIV-spezifischen CD8-Zellen abzielen, aber eine solche gezielte Vorgehensweise kann im Moment noch nicht verwirklicht werden." Die Forscher machen sich darum jetzt auf der Suche nach einem Verfahren, um die CD-8-Zellen in HIV-Patienten nebenwirkungsfrei zu reaktivieren. (pte)

  • Die Entdeckung des molekularen Immunschalters stimmt hoffnungsfroh, doch: einen Mechanismus, den der Körper selbst ausgeschaltet hat, wieder einzuschalten, könnte ernsthafte immunologische Probleme auslösen, so die Forscher.
    foto: centers for disease control and prevention,

    Die Entdeckung des molekularen Immunschalters stimmt hoffnungsfroh, doch: einen Mechanismus, den der Körper selbst ausgeschaltet hat, wieder einzuschalten, könnte ernsthafte immunologische Probleme auslösen, so die Forscher.

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