Telekom Austria dürfte einen neuen Finanzchef bekommen

22. August 2006, 14:51
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Aufsichtsrat entscheidet morgen über Vertragsverlängerung Colombos - Weitere Themen sind Halbjahreszahlen und Südosteuropa-Expansion

Die börsenotierte Telekom Austria(TA) dürfte einen neuen Finanzchef bekommen. Die Weichen dafür sollen morgen, Dienstag, beim TA-Aufsichtsrat gestellt werden. Der am 10. April 2007 auslaufende Vertrag von TA-Finanzvorstand Stefano Colombo (45) dürfte nämlich nicht verlängert werden, erfuhr die APA am Montag aus Branchenkreisen. Weitere Themen der morgigen Aufsichtsratssitzung sind die für Mittwoch zur Veröffentlichung anstehenden Halbjahreszahlen und die Südosteuropa-Expansion.

Um Colombo ranken sich bereits seit langem Ablösegerüchte

Üblicherweise wird über Vertragsverlängerungen von Managern zumindest ein Dreivierteljahr vor Ablaufen des Vertrags entschieden. Um Colombo ranken sich bereits seit langem Ablösegerüchte. Bereits im Oktober 2004 galt seine Wiederbestellung für weitere zwei Jahre als große Überraschung. Damals soll sich Ex-Telekom-General Heinz Sundt für den gebürtigen Italiener stark gemacht haben.

Wunschkandidat

Colombo begann nach dem Wirtschaftsstudium 1986 seine Tätigkeit bei der Mediobanca, von 1990 an war er als Assistent des Finanzvorstands des Chemieunternehmens Enimont tätig, 1994 wurde er Finanzvorstand bei Olivetti Telemedia. Von 1996 bis 1999 war Colombo Geschäftsführer von Carrera Optyl in Linz, 1999 Finanzvorstand des Brillenerzeugers Marcolin. Im April 2000 wurde Stefano Colombo - damals noch auf dem Ticket des damaligen Sperrminortäts-Aktionärs Telecom Italia - zum Generaldirektor-Stellvertreter und Finanzvorstand der TA bestellt.

Als Wunschkandidat für die Nachfolge war zuletzt der derzeitige Finanzvorstand der Deutschen Telekom-Tochter T-Mobile International in Bonn, Thomas Winkler (43) gehandelt worden. Der gebürtige Salzburger war bereits 2004 als Nachfolger Colombos im Gespräch gewesen.

Trotz der jüngsten Niederlagen in Serbien und der Slowakei dürfte der Vorstand aber von der bisherigen Strategie nicht abgehen

Neben den Halbjahreszahlen wird beim morgigen Aufsichtsrat auch die zuletzt ins Stocken geratene Südosteuropa-Expansion ein Thema sein. Trotz der jüngsten Niederlagen in Serbien und der Slowakei dürfte der Vorstand aber von der bisherigen Strategie nicht abgehen. Im Fokus steht nun Bosnien-Herzegowina, wo zuletzt der Verkauf von 65 Prozent der Telekom Srpske gestartet wurde. Die Frist für den Erwerb der Ausschreibungs-Unterlagen endet am 4. September, die Interessenten haben dann bis 4. Oktober Zeit, ihre Angebote abzugeben.

In Serbien war die Mobilkom bei der Versteigerung des Mobilfunkers Mobi63 Ende Juli dem norwegischen Konkurrenten Telenor unterlegen. In der Slowakei war die Mobilkom Anfang August nicht zum Zug gekommen, nachdem die dritte slowakische Handylizenz an die spanische Telefonica vergeben worden.

Eine EU-Klage, wie in einem Medienbericht kolportiert, sei aber nicht geplant

Derzeit werde evaluiert, warum die Telefonica und nicht die Mobilkom die Lizenz bekommen hat, sagte Mobilkom-Sprecherin Elisabeth Mattes zur APA. Eine derartige Untersuchung sei ein Standardprozess. Eine EU-Klage, wie in einem Medienbericht kolportiert, sei aber nicht geplant. Die Niederlage für Mobilkom in der Slowakei kam für Insider überraschend, zumal der heimische Marktführer informierten Kreisen zufolge noch am Vorabend der Entscheidung erstgereiht war. Ausschlaggebend für den Zuschlag war laut slowakischer Telekombehörde nicht der Preis, sondern die gewünschte Steigerung des Wettbewerbs am Markt.(APA)

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