Gabi Waldner - Erfahrene Moderatorin im Radio

2. Oktober 2006, 13:08
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Dass sie erstmals ein "Sommergespräch", noch dazu zum Auftakt des Wahlkampfes, moderieren konnte, hatte viel mit dem Schüssel-Lindner-Mück-ORF zu tun

Dass Gabi Waldner am Freitagabend erstmals ein "Sommergespräch", noch dazu zum Auftakt des Wahlkampfes, moderieren konnte, hatte viel mit dem Schüssel-Lindner- Mück-ORF zu tun. Armin Wolf durfte nicht mehr, weil er dem konservativen Erzabt im Vorjahr zu nahe getreten war. Diese "Absetzung" sei, so heißt es, auch ein wesentlicher Grund für die "Abrechnung" bei der Verleihung eines Publizistikpreises gewesen - als Auftakt zum Ende der Ära Mück in der TV-Information.

Daher war die Premiere für die 37-jährige gebürtige Kärntnerin doppelt schwer. Wolf ist als Interviewer in allen interessierten Köpfen und die Sprachmaschine Strache wirkt permanent wie ein Stürmer, der vor sich nur den Fußball sieht.

Waldner blieb daher über weite Strecken defensiv und fand erst gegen Schluss zu einer schlagfertigen Formulierung. Als Strache kritisierte, über die wichtigen Themen wie etwa den Türkei-Beitritt sei nicht gesprochen worden, sagte sie: "Sie haben immer so lange Antworten."

Vielleicht knüpft sie daran an. Zu hoffen ist es. Denn Waldner gehört zu den vielen guten Journalisten und Journalistinnen im Hörfunk, dessen Journale (was Medienzitierungen anlangt) nicht selten von vorauseilendem Gehorsam geprägt sind, die aber eindeutige publizistische Qualität vermitteln.

Waldner, Schwester von Museumsquartier-Chef Wolfgang Waldner und Lebensgefährtin des "Kurier"-Karikaturisten Michael Pammesberger, wirkt im Fernsehen elegant, aber herb. In einem Interview nannte sie als Vorbild die deutsche Fast-schon-Ikone Sandra Maischberger. Die aber spielt in einer anderen Liga.

Das Klassische an den Interviews dieses Vorbildes ist freilich der Punkt. Die Fragen verraten viel Recherche. Und damit auch die Karriere der Journalistin. Das zeigte sie bereits anhand ihres Publizistikstudiums. Das Thema ihrer Diplomarbeit lautete: "Bruno Kreisky, der Medienstar".

Seit 1996 arbeitet sie im Aktuellen Dienst, zunächst auch als Moderatorin der stündlichen Nachrichten auf Ö1, Ö 2, Ö 3. Der hartnäckige Kärntner Sprachklang ist dadurch fast verschwunden.

Ab 1998 war sie dann innenpolitische Reporterin, seit 2002 stellvertretende Leiterin des innenpolitischen Ressorts. Ihre Moderatoren-Skills schult sie seit Längerem im RadioKulturhaus: bei den Streitgesprächen "Im Klartext".

Eine gewisse Härte ist ihr wahrscheinlich in die Wiege gelegt. Dellach im Gailtal ist einer der Plätze, an denen über Jahrhunderte sich die Wege der Säumer kreuzten. Multikulturell ging es dort immer zu.

Ihre Kompetenz nicht nur in dieser Frage hat sie am Freitag gezeigt. Jetzt muss sie noch zusetzen. In einem Klima des Umbruchs. Im ORF zunächst. (DER STANDARD; Printausgabe, 21.8.2006)

Von STANDARD-Chefredakteur Gerfried Sperl

Ansichtssache

"Sommergespräche" im Überblick

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Gabi Waldner beim ersten "Sommergespräch" mit Strache

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