Hintergrund: Umstrittener Verein mit Pflege der Schwiegermutter beauftragt

25. August 2006, 19:01
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"St. Elisabeth" vermittelt Pflegekräfte ohne Beschäftigungs- Bewilligung - Obmann: "Im Graubereich" für leistbare Pflege

Wien - Der Verein St. Elisabeth, an den sich die Schwägerin von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel für die Pflege von dessen Schwiegermutter wandte, stellt ehrenamtlich tätige Pflegekräfte zur Verfügung. Auf der Internetseite des Vereins wird "vorgeschlagen", ihnen ein Taschengeld in Höhe von 44 bis 58 Euro für 24 Stunden Dienst pro Tag zu geben.

"Wir betreuen sogar Leute in höchsten Politikerkreisen"

Der beauftragte Verein will, wie es auf der Internetseite heißt, "Pflege leistbar machen". Dazu stellt man ehrenamtlich tätige Pflegekräfte zur Verfügung - konkret vermittelt man Pflegerinnen aus den östlichen Nachbarländern, die in Österreich keine Beschäftigungsbewilligung haben. Man agiert also im "Graubereich" der illegalen Pflegekräfte, wie auch Vereins-Obmann Harald Drescher in Zeitungsinterviews zugibt. Drescher erklärte gegenüber den "Salzburger Nachrichten" (Ausgabe vom 10. August) auch: "Wir betreuen sogar Leute in höchsten Politikerkreisen. Also dort, wo die Angehörigen das System ganz genau kennen."

Taschengeld plus Fahrtkostenzuschuss empfohlen

Für die Bereitstellung der Pflegekräfte ist überdies an den Verein eine Gebühr von 523 Euro für sechs Monate und eine einmalige Beitrittsgebühr von 262 Euro zu bezahlen - und ein Fahrtkostenzuschuss von 25 bis 60 Euro pro Fahrt, abhängig vom Bundesland.

Verein mit der "Idee, Pflege leistbar zu machen"

St. Elisabeth versteht sich laut der Homepage als - parteipolitisch und konfessionell neutraler - Verein mit der "Idee, Pflege leistbar zu machen". Die Tätigkeit werde "auf gemeinnützigem, mildtätigem Gebiet ohne Gewinnabsicht" ausgeübt.

Für Kranken- und Seniorenbetreuung oder Hauskrankenpflege wird auf Wunsch entsprechend geschultes Betreuungspersonal bereitgestellt - für die Betreuung "rund um die Uhr". Ausgeübt werde die Tätigkeit von ehrenamtlich tätigen "unterstützenden Mitgliedern" - Krankenschwestern, Altenfachbetreuern oder Pflegehelfern.

Negative Erwähnung in parlamentarischer Anfrage

Am 18.2.2005 wurde der Verein auch als Negativ-Beispiel im Rahmen einer parlamentarischen Anfrage der SPÖ-Abgeordneten Heidrun Silhavy an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit betreffend "Umgehung österreichischer Gesetze durch Vereine" genannt. (APA/red)

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    montage: derstandard.at / screenshots: internetseite verein st. elisabeth
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