Verschmelzung der Fragmente

20. Juli 2007, 16:44
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Uraufführung von "Zaide-Adama" bei den Salzburger Festspielen im Landestheater

Salzburg - "Zersplittern", "Stein", "Erde" sind die ersten Worte - allein die Musikumsetzung der harten Silben öffnet den Blick auf ein Gewalt-Szenario. Zwei Liebende einer imaginären Vergangenheit, gefangen in einem Serail, zwei Liebende der realen Gegenwart, gefangen in den unüberwindlichen Strukturen politischer und religiöser Gegensätze: Mozarts Singspiel-Fragment und Chaya Czernowins Opern-Fragment werden in Zaide-Adama zu einem einzigen dichten Strang gedreht.

Nicht nur die Handlungen greifen ineinander. Auch die scheinbar "heitere" Musik Mozarts, in der selbst den Morddrohungen etwas Komödiantisches eignet, und die gebrochene, nur aus Schatten von Klängen und Worten gewobene Tonsprache Czernowins verbinden sich wie chemisch verwandte Elemente. Spannend und brisant ist die scheue Annäherung zwischen der Israeli und dem Palästinenser, die keine gemeinsame Zukunft sehen, sich trennen und dennoch von ihren Vätern gesteinigt werden.

Im Orchestergraben spielt das Mozarteum Orchester Salzburg unter Ivor Bolton den Mozart-Part: dynamisch zupackend, klangvoll jeder Phrase Gestalt gebend. Auf der Bühne spielt das Österreichische Ensemble für Neue Musik unter Johannes Kalitzke den Czernowin-Part: scharf, präzise.

Die Kompositionen greifen ineinander: So dringt etwa in die Arie der Zaide Ruhe sanft mein holdes Leben ein stechender Ton ein. Die Ruh' ist hin, auch in der Arie des Gomatz, durch dunkle Geräusche und Klänge des Ensembles. Als "Ouvertüre" erklingen geflüsterte Worte in Arabisch, Hebräisch und Deutsch. Das fragmentarische Textmaterial zu Adama hat Czernowin dem Zaide-Libretto entnommen, damit wieder eine Verbindung zwischen den Teilen entsteht.

Schauplatz ist ein kahler Raum (Christian Schmidt), Tür und Heizkörper sind überdimensional. Tisch und Sessel zunächst menschlichen Proportionen entsprechend, wachsen später den Menschen über den Kopf. Klaus Guth verstärkt mit seiner Regie die dichte Verschränkung von Mozart/Czernowin in die Personenführung hinein.

Zaide, Gomatz und das namenlose Paar "Woman" und "Man" sind gleichzeitig auf der Bühne. Es fließt Blut. Vieles will sich nicht erschließen (die Hand- und Armbewegungen), vieles ist plakativ (die großen Köpfe der Machthaber), vieles karikaturistisch (Teller mit Ketchup ins Gesicht einer Puppe). Und doch packen diese Gewaltbilder.

Freilich hätte, bei besseren Sängern, allein die Musik Inhalte transportiert. Mojca Erdmann ist eine schwache Zaide, Topi Lehtipuu ein strahlender, aber unverständlicher Gomatz. Überzeugend sind Johan Reuter als Allazim und Renato Girolami als Osmin. Teils kaum zu hören war John Mark Ainsley als Soliman. Überzeugend dagegen Andreas Fischer als Father, der das Urteil an den Liebenden vollstreckt, und Noa Frenkel und Yaron Windmüller, die ihre Partien packend gestalteten. Mit "Zaide-Adama" wurde bewusst nichts "vollendet". (Heidemarie Klabacher /DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.8.2006)

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    "Zaide-Adama", die zweite Salzburg-Arbeit von Regisseur Klaus Guth: John Mark Ainsley (als Soliman).

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