Eissalat geht eigentlich immer

18. August 2006, 19:19
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Mitspielen zu EU-Preisen - Der Wiener Landwirt Gerhard Schön hat eine Nische gefunden, in der er gut wirtschaften kann

Gerhard Schön ist eher der Typ Tüftler und Grübler. Ein Analytiker, dem kann er durchaus zustimmen. "Auf emotioneller Basis kann man so einen Betrieb nicht mehr führen", erklärt er. Und wenn in Filmen gelegentlich die Idylle eines Gärtnerlebens vermittelt wird - "so ist es wirklich nicht".

Im Gegenteil: Es ist noch härter geworden: "Wir müssen zu EU-Marktpreisen produzieren - aber wir bekommen die Betriebsmittel nicht mehr zu EU-Konditionen", analysiert Schön. Auf der einen Seite "wird das, was wir produzieren, verglichen mit den Preisen in der EU".Doch die Kosten für die Produktion, die sind lokal - "der Standort, die Arbeitskraft, die Energie", zählt Schön auf. "Zum Beispiel die Zuckerrübenproduktion. Die hat sich im Norden Europas komplett aufgehört, weil es dort nicht mehr geht."

Als Reaktion haben manche Landwirte "ausgereizt, was technisch möglich ist". Doch Schön hat seine eigene Strategie entwickelt. "Mein Schwerpunkt ist nicht die Ertragssteigerung, sondern die Sortimentverbesserung." Das gilt zunächst einmal für die Balkon- und Beetblumen, die er im Frühjahr verkauft. "Da muss man das Sortiment richtig produzieren, die Farben erraten, damit man möglichst alles verkaufen kann."

In Summe 100 Hektar

Doch die eigentliche Antwort Schöns auf die europäische Konkurrenz ist - der Eissalat. "Der stellt ziemlich hohe Ansprüche an Betrieb und Boden." Eissalat, das ist etwas komplett anderes, als der Kopfsalat, "den man schon leichter produzieren kann".

Und so warten in den Folienhäusern reihenweise die kleinen grünen Blättchen darauf, dass sie aufs Feld kommen, um dort zu Qualitäts-Eissalat heranzuwachsen. Am eigenen Standort hat Schön "nur" 1,5 Hektar. Dazu kommen aber noch 40 Hektar in Pacht, verstreut im ganzen Bezirk. Rechnet man die Familienbetriebe seiner Frau und seiner Schwiegermutter dazu, sind es insgesamt 100 Hektar.

So kommt Schön auf jene Mengen, mit denen er die großen Handelsketten direkt beliefern kann. "Das ist das unternehmerische Ziel - weil ich das besser steuern kann." Da gilt es wieder zu tüfteln und zu optimieren; die eine Kette schließt nur jährliche Verträge ab - die andere bestellt jede Woche aufs Neue und vergleicht Preis und Leistung mit den Mitkonkurrenten.

Mit Eissalat wird's "die nächsten zehn Jahre noch gehen. Das ist noch nicht an der Kippe", wägt Schön ab. "Aber alles hat seine Grenzen." Und andere gehen auch über die Grenzen - und bauen Produktionen in den östlichen Nachbarstaaten auf. Schön nicht; "eine Standortverlegung tu ich mir nicht an, da hör' ich lieber auf und mache etwas anderes Mir gefällt's hier, ich bleibe".

Die Familie hat in ihrer Geschichte schon oft genug bewiesen, dass sie flexibel ist. Zweimal schon waren Schöns Vorfahren in Wien übersiedelt. Erst aus Kagran heraus - und dann noch einmal, als die neuen Flächen justament wieder für den Bau des "Donauspitals" SMZ-Ost benötigt wurden. "150 Jahre ist unser Name schon in der Stadt." Die Familie seiner Frau hingegen hatte sogar in der Leopoldstadt ihren landwirtschaftlichen Betrieb. "Damals gab es sogar noch die Butten-Geher", berichtet Schön. Die sind nach der Ernte am Abend mit der geschulterten Last hinüber in die Stadt marschiert, um am Markt ihre Ware zu verkaufen. Auch Schöns Vater war noch mit dem Ross gefahren.

Das alles wird jetzt mit Kühl-Lkws erledigt. Und mit Kühlhäusern. Vieles ist einfacher geworden - und die Konkurrenz härter. So analysiert und tüftelt Schön weiter - denn er will "schon die Berechtigung haben, in diesem Betrieb hier direkt für Österreicher zu produzieren". (Roman David-Freishl, DER STANDARD - Printausgabe, 19./20. August 2006)

  • Und das alles kann man einmal essen: Gerhard Schön mit seinen Eissalat-Setzlingen im Gewächshaus. Er hat eine Nische gefunden, in der er gut wirtschaften kann.
    foto: standard/christian fischer

    Und das alles kann man einmal essen: Gerhard Schön mit seinen Eissalat-Setzlingen im Gewächshaus. Er hat eine Nische gefunden, in der er gut wirtschaften kann.

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