Erbsubstanz aus dem Nichts

18. August 2006, 18:54
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Innsbrucker Forscher simulierten Lebensentstehung im Weltall - Thymin und Adenin als Grundsubstanzen

Innsbruck - Weltweit erstmals haben Innsbrucker Physiker um Paul Scheier Bausteine des Erbgutmoleküls DNA in Tropfen aus Helium synthetisiert. Dabei wurden Vorgänge nachgestellt, die bei der Bildung komplexer Biomoleküle in interstellaren Wolken ablaufen dürften, berichten die "Physical Review Letters". Die Theorie, wonach Bestandteile des Lebens schon im Weltall entstanden und etwa mit Meteoriten auf die Erde gekommen sind, wird dadurch untermauert.

Die Grundsubstanzen wie Thymin und Adenin besorgten sich die Forscher auf dem freien irdischen Markt, im Universum befinden sie sich in Wolken aus Staub und Eis. Dann wurde das Edelgas Helium in einer speziellen Vakuumapparatur auf 0,37 Kelvin, also fast auf den Absoluten Nullpunkt abgekühlt - und stellte in Folge quasi die natürliche Umgebung im All dar.

Bei dieser Temperatur wird Helium "superfluid", bildet Mini-Tröpfen. Diese ließen die Forscher durch eine Kammer strömen, die mit einem Gas aus Adenin und Thymin gefüllt war. Resultat: Die Moleküle wurden in den Tropfen aufgenommen, das Universum war ins Labor ge holt.

Bestrahlung

Da Wissenschafter schon lange vermuten, dass komplexe Moleküle im All durch Bestrahlung mit energiereichem Licht - besonders durch langsame Elektronen, die durch das Licht aus dem Staub und Eis freigesetzt werden - entstehen, bestrahlten auch die Innsbrucker ihre Tropfen-Molekül-Komplexe mit solch langsamen Elektronen. Und tatsächlich: Durch die ionisierende Strahlung entstanden Erbgutschnipsel von bis zu zehn Basenpaaren.

Scheier will "noch größere" DNA-Stücke und aus anderen Substanzen "komplexe Moleküle wie Aminosäuren", Basis für Proteine, herstellen, sagte er dem Standard. Ziel sei aber die "Erforschung von Strahlenschäden an der DNA". (fei, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20.8.2006)

  • Basenpaar
AdeninThymin,
gefangen in einem
Tropfen Helium.
    bild: paul scheier

    Basenpaar AdeninThymin, gefangen in einem Tropfen Helium.

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