Ars Electronica sucht "Simplicity" bei Origami und Zen-Bogenschießen

28. August 2006, 09:03
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Computerkunstfestival (31. 8. bis 5. 9.) beleuchtet "gestörtes Verhältnis Mensch/Technik" - Seemannslieder und ein künstlicher Mond

Dem nagenden Gefühl, dass zwar die technischen Geräte vom Geschirrspüler bis zum Handy immer leistungsfähiger und komplexer werden, das Leben jedoch dadurch nicht eben leichter wird, widmet sich das heurige Computerkunst-Festival "Ars Electronica" (31. 8. bis 5. September in Linz). Die Suche nach der "Simplicity" (so das heurige Thema) führt die Teilnehmer bis ins Chorherrenstift St. Florian, wo am Festivalsamstag (2. 9.) Orgel-Musik, Zen-Bogenschießen, Gespräche über Augustinus und Origami-Workshops die Komplexität der Welt auf sinnlich-besinnliche Weise erfahrbar machen sollen.

Keine Abkehr

Diese Programmpunkte bedeuten jedoch keine Technik-Abkehr des Computerkunstfestivals, schilderten Ars Electronica-Leiter Christine Schöpf und Gerfried Stocker am Freitag bei einem Pressegespräch in Wien: Nutzen und Nachteil, Schönheit und Fallstricke von Medien, Technik und Computerkunst werden während des Festivals in Linz beleuchtet. Besonderes Augenmerk bekommen heuer diejenigen Ansätze, die die "Komplexität des uns umgebenden Systems" leichter erträglich machen. Durch verschiedene Ideen zur "Reduktion auf das Wesentliche" soll das "gestörte Verhältnis Mensch/Technik" (Stocker) beleuchtet werden.

"Simplicity ist die schwierige Kunst, Komplexität so zu formulieren, dass man sie begreifen kann"

Und dieses fängt nicht erst bei derjenigen Art von Hightech-Kunst und -Geräten an, die üblicherweise das Linzer Computerkunstfestival bestimmen: In einer Umfrage zu den größten Schwächen und Ärgernissen der Technikwelt lagen Geschirrspüler und Waschmaschine fast gleichauf mit Handy und Computer, sagte Stocker. "Simplicity ist die schwierige Kunst, Komplexität so zu formulieren, dass man sie begreifen kann", fasste Stocker die vielfältigen Facetten des Festivalthemas zusammen.

Eröffnet wird die heurige Ausgabe mit einem großen Event im Linzer Hafen, der am 31. 8. abends zum Klangkörper mit einem Schiff als Bühne für Seemannslieder und künstlerische Interventionen umgewandelt wird. Weitere Festivalorte sind neben Bruckner-Haus, O.K. Centrum für Gegenwartskunst, Kunstuni, Lentos und natürlich dem Ars Electronica-Center wieder der Hauptplatz, wo u. a. mit der Muskelkraft von strampelnden Radfahrern ein Ballon als künstlicher Mond über Linz zum Leuchten gebracht wird, und ein Einkaufszentrum in der Innenstadt.

Winner

Bei der Ars Electronica-Gala (1. 9., 18.30 Uhr, Brucknerhaus) werden die Gewinner der 20. Ausgabe des Prix Ars Electronica präsentiert. Die heurigen Artists in residence sind John Maeda (USA), der auch das "Simplicity"-Symposium leiten wird, und Toshio Iwai (Japan). Die besten Computer-Animationen werden wieder in einem eigenen Festival im Festival gezeigt, der elektronischen Musik widmet sich die Konzertnacht "Some Sounds and Some Fury" (3. 9., 19.30 Uhr, Lentos, Brucknerhaus, Donaupark)

Die heurige visualisierte Klangwolke (2. 9.), traditionellerweise während der Ars Electronica, wird von Hermann van Veen gestaltet und trägt den Titel "Ente gut, Alles gut". (APA)

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