Gaming-Konsolen: Der neue Trend heißt Sprachsteuerung

7. November 2006, 10:52
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Mit Sprachchips in neue Spielwelten eintauchen

Shigeru Miyamotos, Urgestein der Gaming-Szene und Entwickler von Meilensteinen der Daddel-Welt wie "Donkey Kong" oder Nintendo DS, hat in einem kürzlich erschienenen Interview darauf hingewiesen, dass ohne neue User Interfaces keine neuen Zielgruppen für die Produkte der Spielkonsolenhersteller zu erschließen seien: "Ich habe in den letzten Jahren festgestellt, dass die Kluft zwischen Menschen, die Videospiele spielen und Menschen, die das nicht tun, immer größer wird. Diese Kluft will ich verkleinern, indem ich Videospiele erschaffe, die alle Menschen spielen können. Mit den Inputmechanismen des DS, zum Beispiel dem Touchscreen oder dem Mikrofon, ist es mir erstmals gelungen, eine sehr intuitive Art der Steuerung zu entwickeln. Wer nur einmal den Kopf eines Hundes in 'Nintendogs' mit dem Stylus gestreichelt hat, will eigentlich nie mehr zurück zur normalen Button-Steuerung, weil sie einfach nicht das Gefühl vermitteln kann, zu streicheln. Das ist meine Philosophie von technischem Fortschritt: Mir geht es nicht um Prozessorleistung, sondern darum, neue und intuitive Interfaces zu erschaffen."

Ohne Handbücher

Nintendo ist, so ergab die Recherche der Brancheninitiative Voice Business, unangefochtener Vorreiter bei der Entwicklung neuer User Interfaces: "Mit Wii wird Ende des Jahres erstmals eine vollkommen intuitive Nutzerschnittstelle auf den Markt kommen, die wirklich jedermann bedienen kann, ohne Handbücher über die Funktionsbelegung von Knöpfen auswendig lernen zu müssen: Anders als bei allen bisherigen Videospielen lässt nicht mehr der Druck des Daumens, sondern der Schwung des Arms einen Baseball aus dem Stadion fliegen oder ein Schwert durch die Luft schwingen. Wii steht also für eine neue Gaming-Generation, in der Spieler nicht nur ihre Charaktere auf dem Bildschirm steuern, sondern wirklich Teil des Spiels werden", so Bernhard Steimel, Sprecher der Brancheninitiative Voice Business, die auf dem Bonner Fachkongress "Voice Days" vom 18. bis 19. Oktober 2006 die wichtigsten Trends des Mensch-Maschine-Dialogs vorstellt.

Ein klares Indiz

Mit dem Spiel Nintendogs und dem dazugehörigen Controller Nintendo DS führte Nintendo die Sprachsteuerung in die Gaming-Welt ein: "Die Spieler können ihr Hundebaby füttern, streicheln, Gassi führen, baden, mit ihm spielen und ihm Tricks beibringen, indem sie ihm über das Mikrofon und den Touchscreen Kommandos geben. Dieses Nutzerinterface überzeugte bisher rund sechs Millionen Käufer - ein klares Indiz, dass Schnittstellen, die auf 'normale' Aktionen des Spielers und nicht auf Knöpfe setzen, einen riesigen Markt finden", prognostiziert Steimel im Gespräch mit pressetext.

Die User Interfaces der Nintendo-Konkurrenz seien noch im Rückstand: Sony biete zwar mit ITOYS eine Bewegungssteuerung per Kamera an, die intuitiv zu bedienen sei und die sich auch recht gut verkaufte, manche Nutzer klagten jedoch über schlechte Funktionen: Die Bewegungen, die der Spieler ausführe, werden wohl nicht in allen Fällen von der Kamera richtig erfasst und im Spiel umgesetzt. Sprachsteuerung habe Sony nach Auskunft der Pressestelle noch nicht im Programm. "Microsoft hat in der X-Box-Steuerung ein Mikrofon eingebaut, es kann aber nur in wenigen Spielen wie 'Gears of War' zur Steuerung des Spielgeschehens eingesetzt werden. Und dort auch nur limitiert: Befehle wie 'Leg dich hin!' oder 'Schieß!' werden von den Soldaten befolgt, Zocker berichten aber, dass die verfügbaren Befehle nicht ausreichten, um komplett und ausschließlich mit der Sprachsteuerung zu spielen", berichtet Steimel.

"Innovation findet derzeit primär im Erfassen und Verarbeiten von Bewegung statt"

Fazit der Brancheninitiative: "Innovation findet derzeit primär im Erfassen und Verarbeiten von Bewegung statt, kaum jedoch in einem innovativen Einsatz von moderner Sprachtechnik. Wo Mikrofone vorhanden sind, werden sie primär zur Kommunikation zwischen vernetzten Spielern eingesetzt. Sprachsteuerung ist demnach noch kein Mega-Trend in der Spielkonsole-Industrie. Zwar sind die aktuellen Konsolen 'sprachfähig', aufgrund der fehlenden Integration von Befehlsvokabularien in die Spiele jedoch werden die Möglichkeiten, die Sprachsteuerung etwa für Strategiespiele bietet, nicht ausgeschöpft. Beispiele wie Nintendogs zeigen aber, dass die Sprachsteuerung enormes Potenzial besitzt, wenn Spiele konzeptionell darauf ausgerichtet und gezielt dafür entwickelt wurden", so Steimel. Wenn die Hersteller mit der intuitiven Nutzerschnittstelle "Sprache" neue Zielgruppen an das Videospielen heranführen wollen, müssten sie darauf ausgerichtete Spiele entwickeln und die beliebten Strategiespiele mit umfangreichen Befehlsvokabularien versehen.(pte)

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