Wrabetz will Info-Bereich am Abend neu gestalten

2. Oktober 2006, 12:09
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Jüngere Informationssendung auf ORF 1 statt der durchgeschalteten "ZiB1"

Schüssel am Wolfgangsee, Bacher an der Adria, Wrabetz im ORF: Diese Version 2006 einer historischen Schlagzeile der "Kärntner Volkszeitung" machte am Donnerstag die Runde vor dem Sitzungssaal des ORF-Stiftungsrates. Das Blatt titelte weiland über das Comeback von General Gerd Bachers aus dem Jahr 1978 auf dem Küniglberg: "Kreisky in Paris, Benya in Sofia, Bacher im ORF".

Umgekehrte Vorzeichen

Die Variante 2006 trägt umgekehrte Vorzeichen: Schwarzer Kanzler, schwarze Regierungsmehrheit, roter Kandidat. Und kein Comeback: Finanzdirektor Alexander Wrabetz (46) löst seine bisherige Chefin Monika Lindner (61) als Generaldirektor ab. Mehr als sieben Stunden brauchten die Stiftungsräte für Hearing und Wahl. Am längsten für Wrabetz als letzten Kandidaten. 2001 lauschten die Stiftungsräte Monika Lindner am ausdauerndsten. Sie gewann damals die Wahl.

Diesmal unterstützte eine Regenbogenkoalition aus Rot, Orange, Grün und Blau sowie Unabhängigen den Sozialdemokraten aus freiheitlicher Familie. Auch bürgerliche Betriebsräte stimmten für ihn.

Personalpakent mit orangen Spuren

Das erschwert Wrabetz, doch noch von Peter Moosmann als Technikdirektor abzusehen, ein Wunsch der roten Betriebsräte dort. Sein Personalpaket trägt orange Spuren: Sportchef Elmar Oberhauser als Infodirektor, als Onlinedirektor Marketingchef Thomas Prantner. Als Radiodirektor der Radioprogrammchef des Landesstudios Kärnten, Willy Haslitzer. Schon kursieren Dossiers über manchen Kandidaten.

Wrabetz’ Gegenkandidat Wolfgang Lorenz (62) soll als Programmdirektor doch weiterarbeiten. "Ich freue mich über die Option", sagte Lorenz dem STANDARD. Wrabetz kann sich vorstellen, dass der Bürgerliche einwilligt. Lorenz war Favorit von Altgeneral Gerd Bacher, der sich am Wochenende auf Bootstrip an die Adria verabschiedet hatte. Den Blauen dürfte Wrabetz versprochen haben, dass ihr Getreuer Walter Seledec doch länger zentraler Chefredakteur bleiben darf. Wrabetz sagt, er bleibt bei dieser Struktur der Generaldirektion. Dass der umstrittene TV-Chefredakteur Werner Mück gleich abtritt, erwartet er nicht. Ihm schweben dezentralere Strukturen für die TV-Information vor.

"Tiefgreifende Programmreform"

Er kündigt eine tiefgreifende Programmreform "möglichst rasch" im Jahr 2007 an. Er will vor allem die Zeit zwischen 19.30 und 20.15 Uhr neu gestalten: eine jüngere Informationssendung auf ORF 1 statt der durchgeschalteten "ZiB1", er hinterfragt die Konkurrenz "Seitenblicke" gegen "Sport". Eine jüngere Version der täglichen Promisendung ür ORF 1 erwägt er. (fid/DER STANDARD; Printausgabe, 18.8.2005)

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    Alexander Wrabetz wurde mit 20 von 35 möglichen Stimmen zum neuen ORF-Generaldirektor gewählt

  • Bewerbung und Konzept von Wrabetz

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    Wrabetz’ Direktorium (v. li oben): Oberhauser (Info), Lorenz (Programm), Moosmann (Technik), Prantner (Online), Haslitzer (Radio), eine noch ungenannte Finanzchefin.

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