"Hier geht es rein um das Privatleben des Heiligen Vaters", sagte eine Sprecherin der Vatikan-Pressestelle. Der Heilige Stuhl wisse nichts von einer derartigen Bekanntschaft. Eine enge Mitarbeiterin des Papstes habe zuletzt aber einigen Zeitungen erklärt, Benedikt XVI. habe eine solche Bekanntschaft mit Grass nie erwähnt, erklärte die Sprecherin weiter. (dpa/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.8.2006)
Der aus meiner Sicht beste Beitrag zum Thema Günter Grass steht in "Die Zeit":
http://www.zeit.de/online/20... tar?page=1
... voller Selbstmitleid seine SS-Verstrickung mit jahrzehntelanger Verspätung offengelegt hat und sich über negative Kommentare zu seinem langen Schweigen beschwert.
Das hindert ihn aber nicht, wie gehabt arrogant und herablassend andere Menschen abzuurteilen.
Grass erwartet sich Gnade und Verständnis für sein Verhalten. Anderen billigt er dies jedoch nie zu und hat das auch nie getan.
Grass: ein sehr guter Schriftsteller, aber erstarrt in überheblicher Selbstgerechtigkeit.
Eigentlich ist Grass' kurze Begegnung mit Ratzinger (wenn er es denn war) völlig unerheblich. Ein Name-dropping, das letztlich nur dazu dient, den jetzigen Papst im Nachhinein als "fanatisch" und "verklemmt" diffamieren zu können.
Überflüssig und ungustiös.
... "fanatisch" bzw. "verklemmt" - an anderer Stelle von Grass geäußert - würde ich durchaus als untergriffig bewerten. Und als arrogant sowie herablassend. Denn wer ist Grass (nicht nur aus jetziger Sicht, sondern immer schon), dass er zu solchen Beurteilungen befugt ist?
Und was sagt ihm, dass seine Erinnerung richtig ist? Vielleicht war das ja sein damaliger Eindruck. Genauso wie er kurz zuvor den Eindruck gehabt hatte, unbedingt für Hitler in den Krieg ziehen zu müssen. Oder er den Eindruck gehabt hatte, die Shoa sei eine Erfindung (bis Baldur von Schirachs Geständnis ihn überzeugte).
Sich selbst gegenüber ist er viel großzüger und milder (er sei damals mit 17 Jahren eben "verblendet" gewesen, aber natürlich nicht "fanatisch").
daß Ratzinger fanatisch ist. Ok, seine Augenringe lassen ihn ein bißchen ausgeflippt aussehen, aber er ist einfach nur Manager. Er hat sich ein Leben lang die Geschäftsunterlagen der Firma kath. Kirche eingescannt und weiß schon lange, daß er "Botschaften" ohne Absender verkauft. Ich habe die Jungs (Päpste) eh nie sehr auf dem Radar gehabt, aber er ist aus meiner Sicht der erste "Papst" der kaum verbergen kann, daß er an nichts glaubt und der weiß, daß es nichts zu glauben gibt. Dostojewski hat seinen Typus früh beschrieben. Der Mann ist Sachbearbeiter in einer AG ohne Content. Eines gewissen politschen Einflusses wegen, macht er den Job, ohne jeden Enthusiasmus. Er schaut, daß die Heißluftfabrik läuft, der Joe. Mehr ist es nicht.
aber ein Papst der mal "intensiv bis fanatisch katholisch" war ist ja per se noch nix verwerfliches. Etwas verwerflich ist allerdings, dass Grass hier die Sprache des dritten Reiches benutzt ("intensiv" und "fanatisch" sind Wörter, die erst seit 1930 so populär sind.
ist ihre konsequenz eigentlich eine zumutung: man soll (an sich) harmlose attribute nicht mehr verwenden dürfen? so sorgen sie mit dafür, dass normale wörter zu katachresen mutieren. harmloseres beispiel (das problem steckt nicht nur in historischen sachverhalten): wenn sie aus heutiger perspektive (konstruktivismus, ja auch der phänomenalismus war weiter) als geisteswissenschaftler daran denken, dass mit dem wort `realismus´ eine erkenntnistheoretisch naive mensch-welt-relation gemeint ist, und in der germanistik auch noch zu einer epoche/einer schreibhaltung mutierte, dreht sich das wort im magen herum: sie dürfen es nicht mehr gebrauchen, man würde falsch verstehen. was ist jetzt realistischer: realismus o. konstruktivismus?
Entschuldigung. Ich erkläre. Es handelt sich um Wörter der Sprache des dritten Reiches. Vergleiche dazu Klemperer (der mit dem Tagebuch) "LTI"
und
http://www.eurodiva.de/sprachver... oerter.htm
http://www.german.bham.ac.uk/dodd/Klem... eralfa.htm
http://www.muz-online.de/sprache/lti.html
ich hoffe jetzt ist es etwas klarer...
Ob das Blödsinn ist, sei dahingestellt. Es fällt halt auf.
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