Grass' gesuchter "Kumpel Joseph"

Redaktion, 17. August 2006 17:52

War der Papst ein Jugendfreund? Der Vatikan äußert sich nicht

Rom – Der Vatikan wollte sich nicht zu einem Interview mit Günter Grass äußern, in dem der Schriftsteller Vermutungen äußert, in einem Kriegsgefangenenlager viel Zeit mit dem damals 17-jährigen Joseph Ratzinger verbracht zu haben. "Er war bayerischer Herkunft, war intensiv bis fanatisch katholisch und war auch in der Lage, mit seinen 17 Jahren gelegentlich lateinische Zitate einzustreuen", hatte Grass gesagt.

"Hier geht es rein um das Privatleben des Heiligen Vaters", sagte eine Sprecherin der Vatikan-Pressestelle. Der Heilige Stuhl wisse nichts von einer derartigen Bekanntschaft. Eine enge Mitarbeiterin des Papstes habe zuletzt aber einigen Zeitungen erklärt, Benedikt XVI. habe eine solche Bekanntschaft mit Grass nie erwähnt, erklärte die Sprecherin weiter. (dpa/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.8.2006)

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rinius ante portas
18.08.2006 14:28

Der aus meiner Sicht beste Beitrag zum Thema Günter Grass steht in "Die Zeit":

http://www.zeit.de/online/20... tar?page=1

fanni sing
19.08.2006 14:55
...

ein hervorragender artikel ist das! danke für den link!

an kog
18.08.2006 16:34

Stimmt. Wie so oft, wiedermal die Zeit.

Es ist sowieso wieder einmal Zeit öfter Die Zeit zu lesen.

Morbus Seehofer
13.09.2006 12:19
Hab ich mir gerade schützen lassen:

Tag für Tag - Zeit für die Zeit

Bruno Flex
18.08.2006 15:00
In der Tat. Danke!

pinguin78
18.08.2006 08:45

hat der grass das wirklich not, füer seine verkaufszahlen so ein theater zu inszenieren?

jean paul chenet
18.08.2006 07:38
Es geht ums Privatleben...

...ja das finde ich auch. Der Papst soll sich auch nicht in mein Privatleben einmischen.

Melville
17.08.2006 22:58
Faszinierend, dass Grass...

... voller Selbstmitleid seine SS-Verstrickung mit jahrzehntelanger Verspätung offengelegt hat und sich über negative Kommentare zu seinem langen Schweigen beschwert.
Das hindert ihn aber nicht, wie gehabt arrogant und herablassend andere Menschen abzuurteilen.
Grass erwartet sich Gnade und Verständnis für sein Verhalten. Anderen billigt er dies jedoch nie zu und hat das auch nie getan.
Grass: ein sehr guter Schriftsteller, aber erstarrt in überheblicher Selbstgerechtigkeit.
Eigentlich ist Grass' kurze Begegnung mit Ratzinger (wenn er es denn war) völlig unerheblich. Ein Name-dropping, das letztlich nur dazu dient, den jetzigen Papst im Nachhinein als "fanatisch" und "verklemmt" diffamieren zu können.
Überflüssig und ungustiös.

krendl
17.08.2006 23:11
Öhm, verzeihen Sie,

aber wo lesen Sie da was arrogant und herablassend?

cyber ferkel
18.08.2006 15:33

Warum muß man das irgendwo lesen? Orientieren Sie sich immer daran, was, wer, wo geschrieben hat oder haben Sie auch eine eigene Meinung?

krendl
18.08.2006 16:33
Achjö, ein ganz gscheiter. *g*

cyber ferkel
18.08.2006 16:57

Nein! Weil selbst Dumme eine eigene Meinung haben können.

Melville
17.08.2006 23:48
Das ist der subjektive Eindruck, ...

... den Grass bei mir hinterlassen hat, und das gebe ich hier wieder.
Mit der selben Berechtigung, mit der Grass den subjektiven Eindruck wiedergibt, den der Knobelkumpel Joseph bei ihm hinterlassen hat.

krendl
17.08.2006 23:53
Ok, ist Ihr gutes Recht. *g*

Ich tat mir einfach schwer, aus den wenigen Zeilen im Artikel (also die Beschreibung durch Grass) an- und untergriffige Aussagen zu lesen.

Melville
18.08.2006 00:06
Naja, ...

... "fanatisch" bzw. "verklemmt" - an anderer Stelle von Grass geäußert - würde ich durchaus als untergriffig bewerten. Und als arrogant sowie herablassend. Denn wer ist Grass (nicht nur aus jetziger Sicht, sondern immer schon), dass er zu solchen Beurteilungen befugt ist?
Und was sagt ihm, dass seine Erinnerung richtig ist? Vielleicht war das ja sein damaliger Eindruck. Genauso wie er kurz zuvor den Eindruck gehabt hatte, unbedingt für Hitler in den Krieg ziehen zu müssen. Oder er den Eindruck gehabt hatte, die Shoa sei eine Erfindung (bis Baldur von Schirachs Geständnis ihn überzeugte).
Sich selbst gegenüber ist er viel großzüger und milder (er sei damals mit 17 Jahren eben "verblendet" gewesen, aber natürlich nicht "fanatisch").

Ana Nass
17.08.2006 21:23
Klar war Ratzi

kein Heiliger. Fanatisch war und ist er. - Fast hätt' ich jetzt noch nachgesetzt: Da reicht ein Blick! ;-)))

Wieviel Demokratie ist es bitte?
18.08.2006 14:35
Es ist vermutlich unwahrscheinlich

daß Ratzinger fanatisch ist. Ok, seine Augenringe lassen ihn ein bißchen ausgeflippt aussehen, aber er ist einfach nur Manager. Er hat sich ein Leben lang die Geschäftsunterlagen der Firma kath. Kirche eingescannt und weiß schon lange, daß er "Botschaften" ohne Absender verkauft. Ich habe die Jungs (Päpste) eh nie sehr auf dem Radar gehabt, aber er ist aus meiner Sicht der erste "Papst" der kaum verbergen kann, daß er an nichts glaubt und der weiß, daß es nichts zu glauben gibt. Dostojewski hat seinen Typus früh beschrieben. Der Mann ist Sachbearbeiter in einer AG ohne Content. Eines gewissen politschen Einflusses wegen, macht er den Job, ohne jeden Enthusiasmus. Er schaut, daß die Heißluftfabrik läuft, der Joe. Mehr ist es nicht.

Ana Nass
18.08.2006 10:34

Die roten Bewertungen müssen jetzt sein, Ihr kleinen katholischen Rotzlöffel?! ;-)))

Mehr Mehr und Mehr
18.08.2006 09:58

aber ein Papst der mal "intensiv bis fanatisch katholisch" war ist ja per se noch nix verwerfliches. Etwas verwerflich ist allerdings, dass Grass hier die Sprache des dritten Reiches benutzt ("intensiv" und "fanatisch" sind Wörter, die erst seit 1930 so populär sind.

cyber ferkel
18.08.2006 16:05

"intensiv fanatisch katholisch" find' ich immer noch besser als Grass's Verhaltensweise die ja verlogen und feig ist.

athene 2003
18.08.2006 12:07
selbst wenn das stimmen würde, was sie erzählen,

ist ihre konsequenz eigentlich eine zumutung: man soll (an sich) harmlose attribute nicht mehr verwenden dürfen? so sorgen sie mit dafür, dass normale wörter zu katachresen mutieren. harmloseres beispiel (das problem steckt nicht nur in historischen sachverhalten): wenn sie aus heutiger perspektive (konstruktivismus, ja auch der phänomenalismus war weiter) als geisteswissenschaftler daran denken, dass mit dem wort `realismus´ eine erkenntnistheoretisch naive mensch-welt-relation gemeint ist, und in der germanistik auch noch zu einer epoche/einer schreibhaltung mutierte, dreht sich das wort im magen herum: sie dürfen es nicht mehr gebrauchen, man würde falsch verstehen. was ist jetzt realistischer: realismus o. konstruktivismus?

an kog
18.08.2006 10:21
"intensiv" und "fanatisch" sind Wörter, die erst seit 1930 so populär sind."



Hä?

Mehr Mehr und Mehr
18.08.2006 11:26

Entschuldigung. Ich erkläre. Es handelt sich um Wörter der Sprache des dritten Reiches. Vergleiche dazu Klemperer (der mit dem Tagebuch) "LTI"

und
http://www.eurodiva.de/sprachver... oerter.htm
http://www.german.bham.ac.uk/dodd/Klem... eralfa.htm
http://www.muz-online.de/sprache/lti.html

ich hoffe jetzt ist es etwas klarer...

Ob das Blödsinn ist, sei dahingestellt. Es fällt halt auf.

jean paul chenet
18.08.2006 10:56
Nicht alles was einem so in den Sinn kommt macht auch Sinn!

So ein Blödsinn!

an kog
18.08.2006 11:13

Meinen Sie jetzt mich oder Mehr Mehr und Mehr?

Bin etwas verwirrt, weil ich auf meine simple und nicht einmal wertende Frage schon einen roten Balken bekommen habe.

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