"Der Wille ist entscheidend"

20. August 2006, 13:25
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Brigadier Walter Feichtinger im STANDARD-Interview über die Chancen für die UNO-Friedenstruppe

Wie stehen die Chancen für die UNO-Friedenstruppe, die die Konfliktparteien im Südlibanon trennen soll? Brigadier Walter Feichtinger im Gespräch mit Christoph Winder.

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STANDARD: Herr Brigadier, die UNO-Friedenstruppe wird mit einem unklaren Mandat ausgestattet sein. Kann sie so überhaupt Erfolg haben? Feichtinger: Die Truppe hat sicher keine idealen Voraussetzungen. Man muss sehr behutsam vorgehen, aber offenbar ist der politische Wille der Konfliktparteien gegeben, sonst wäre die UNO-Resolution ja gar nicht zustande gekommen. Natürlich gibt es aber auf beiden Seiten ein Eskalationspotenzial.

STANDARD: Meinen Sie mit „Eskalationspotenzial“ zum Beispiel, dass die Hisbollah Israel auch vom Norden des Litani-Flusses her beschießen könnte?

Feichtinger: Ja. Aber die UNO-Truppe kann auch südlich des Litani nicht jeden Quadratmeter kontrollieren. STANDARD: Wie bewerten Sie es, dass eine Entwaffnung der Hisbollah nicht vorgesehen ist?

Feichtinger: Es war von vornherein nicht zu erwarten, dass sich die Hisbollah entwaffnen lassen würde. Wir wissen aus früheren Waffeneinsammlungsprogrammen wie in Albanien oder Afghanistan, dass diese gegen den Willen einer Partei nicht möglich sind, und selbst wenn der Wille da ist, existiert eine Tendenz, heimlich Waffen zurückzuhalten. Es wird eine Grauzone geben, man wird sich auf die Zusagen und den Willen der Konfliktparteien verlassen müssen. Das ist das Entscheidende.

STANDARD: Wie schätzen sie die Zusammensetzung dieser Friedenstruppe ein?

Feichtinger: Das geht in die richtige Richtung. Friedenstruppen reflektieren immer die politische Aufmerksamkeit der Entsendestaaten. An der im Südlibanon werden sich Staaten wie Frankreich, Italien und Spanien beteiligen. Das hat Gewicht.

STANDARD: Beeindruckt das auch die kämpfende Truppe der Hisbollah?

Feichtinger: Die Hisbollah ist vor allem daran interessiert, sich als politische Kraft zu präsentieren. Die fühlen sich als Sieger, und sie werden sich davor hüten, diesen Ruf leichtfertig aufs Spiel zu setzen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.8.2006)

  • Zur PersonBrigadier Walter Feichtinger, Jg. 1956, leitet das Institut für Friedenssicherung und Konfliktmanagement (IFK) an der Landesverteidigungskademie.
    foto: bmflv

    Zur Person

    Brigadier Walter Feichtinger, Jg. 1956, leitet das Institut für Friedenssicherung und Konfliktmanagement (IFK) an der Landesverteidigungskademie.

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