Darf's ein bisschen militanter sein? - Von Chrigel Ott

24. August 2006, 14:14
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werblog-Eintrag Nummer eins über Luigi Schobers Sager "pures Napalm"

Luigi Schobers Bezeichnung seiner Wahlkampagne als "pures Napalm" eröffnet uns allen die Möglichkeit, in der Werbung die Dinge endlich beim Namen zu nennen. So wird in Zukunft die Marktforschung nicht mehr "Feldarbeit" machen, sondern mit dem Spähpanzer "Luchs" die Erkundigungen einholen. Direct-Mails werden ab sofort "Semtex" genannt und somit jeden Briefkasten in seinen Grundfesten erzittern lassen. Ein 24-Plakat wird "Agent Orange" heißen und dass dabei die in der Nähe stehenden Bäume ihre Blätter verlieren ist ein "Kollateralschaden".

Die Gerüchtebörsen Fabios, Indochine, Salzamt etc. werden samt und sonders - nach den in Afghanistan eingesetzten Streuminen - in "Butterfly PFM-1" umbenannt. Radiospots knallen wie "Stinger" Luftabwehrraketen rein. Der gemeine Flyer wird zur tödlichen "Handgranate". TV-Spots haben die Wirkung von "Phosgen" und Kinospots die von "Senfgas".

Berater sind die "Infanterie" und junge Kreative "Kanonenfutter". Anstatt teure Kundenessen empfehle ich die "Gulaschkanone", bedient von "Kriegsgefangenen", die man von anderen Agenturen erbeutet hat.

Der CCA passt sich dem Trend an und nennt die Venus "Denkmal des unbekannten Soldaten". Wem das noch nicht genug ist, der kann ja sein Handy gegen ein "Handfunkgerät TFF-41-0" des Bundesheeres eintauschen und sich einen "Eurofighter" als Firmenfahrzeug zulegen. Der Dank der Bundesregierung ist ihm gewiss. In diesem Sinne "Habt Acht!".

Zur Person
Chrigel Ott hat sich nach zwölf Jahren als Kreativdirektor der Lowe GGK mit seiner Agentur "Werbung zum Otttarif" selbständig gemacht. Zuvor war er für Aebi & Partner in Zürich, Demner, Merlicek & Bergmann, Young & Rubicam und Lintas tätig.

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