Schreibstil

2. Jänner 2007, 13:34
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Stefan Fink fertigt hölzerne Füllfedern und sieht sich als Stifter von Individualität und Authentizität im Zeitalter des E-Mails

Man will, man muss sie einfach angreifen. Auf dem Markt der Edelfedern sind die Holzfüllhalter von Stefan Fink aus Hamburg Spitzenstücke in Sachen Sinnlichkeit. Selbst Finger, die durch tägliches Tippen auf Tastaturen und Klicken auf Mäuse schon etwas abgestumpft sind, werden sich der handschmeichlerischen Wirkung seiner Kolbenfüller kaum entziehen können. In der Generation @ ist von einer Renaissance des handgeschriebenen Briefes zwar kaum etwas zu spüren, aber auch Viel-SMSler und Massen-Mailversender teilen mitunter eine Sehnsucht: Was Wert hat, will man aufschreiben.

Stefan Fink, ausgebildeter Drechsler und Industriedesigner spricht von "Schreiben als meditativem Genuss". Rund 130 Füller stellt der 47-Jährige pro Jahr in seiner Werkstatt her. Mehr geht nicht, denn jeder geht durch Finks Hände - und nur durch seine.

Mit der freien Hand werden die Füllerformer handgedrechselt und das Griffstück geschliffen. Ein Ölbad präpariert die Holzteile, die eine Woche lang aushärten müssen. Anschließend werden sie poliert und bekommen von Fink in fieseliger Handarbeit die Mechanik eingesetzt: 18 Karat Goldfedern, die extra für Fink hergestellt werden und ein flugtauglicher Tintenleiter.

Warten und Geduld walten lassen

Vor all diesen Arbeitsschritten aber heißt es: warten. Denn bis aus Tropenholz wie Grenadill, Amaranth, Rosen- oder Schlangenholz - alles Restposten, die in der Industrie abfallen - eins seiner drei Füllermodelle (ab 700 Euro) wird, muss das Holz bis zu dreieinhalb Jahre trocknen.

"Handwerk bedeutet für mich, an einem Werk dranzubleiben", sagt Fink, "und Holz zwingt nun einmal dazu, genau zu sein." Wie einen Pianisten, der in ein Stück vertieft ist, stelle man sich den Füllermacher bei der Arbeit vor, penibel, sorgsam, genau.

Geduld habe ihn das Stottern gelehrt, unter dem er als Kind litt. Tatsache ist: Nach einem Gespräch mit Fink kommt man sich vor, als habe man gerade eine meditative Audienz erhalten, so ruhig wird man dabei und lässt die Außenwelt Außenwelt sein. Vielleicht hängt es mit Finks Leidenschaft für Japan zusammen - ein Land, das seine Füller als Kunstwerke verehrt und in vielen Ausstellungen präsentierte.

Die Schneiderin des japanischen Kaiserpaars besitzt einen Fink und ein paar Länder weiter, in Thailand, schreibt die Königin damit - nachdem sie ihn ihrer Tochter abgeschwatzt hat. Auch in Deutschland beginnt man seine Arbeit zu schätzen. Drei Auszeichnungen konnte Fink mittlerweile entgegennehmen, und als nächstes, so hört man aus informierten Kreisen, werden seine Füller in eine bedeutende deutsche Museumssammlung aufgenommen. Was nicht bedeutet, dass die Modelle Albatros, Nachtigall und Star mehr Skulpturen als Schreibgeräte sein sollen. So massiv ein Finkfüller in der Hand liegt, so leicht gleitet die Schreibfeder aus der Heidelberger Manufaktur Bock übers Papier.

Wer sieht, wie viel Leidenschaft Fink in seine Stifte steckt und wie er davon schwärmt, wenn Kinder die Schönheit seiner Produkte instinktiv wahrnehmen, ist bereit zu glauben, dass diese Leidenschaft auch in die Füller selbst übergeht.
(Mareike Müller/Der Standard/rondo/18/08/2006)

  • Zum Teil mehr als drei Jahre trocknet das exotische Holz, das Stefan Fink für seine Edelfedern verwendet.
    foto: hersteller

    Zum Teil mehr als drei Jahre trocknet das exotische Holz, das Stefan Fink für seine Edelfedern verwendet.

  • Stefan Fink
    foto: hersteller

    Stefan Fink

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