Der herrliche Duft von Silber und Krokotaschen: Tiffany's kommt nach Wien

24. August 2006, 16:08
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Der Name impliziert luxuriöse Träume. Im Vorfeld der Eröffnung der Wien-Niederlassung ein Blick auf die Geschichte des Labels, den Markt und eine aktuelle Ausstellung in London

Wien – Jeder hat so seine Tricks, um depressiven Stimmungen zu entkommen. Auch Holly Golightly hat einen wirksamen: rein ins Taxi und ab zu Tiffany. Das ist jetzt die Kurzfassung, jedenfalls aber eine Quintessenz.

Denn in der 1958 veröffentlichten Erzählung Truman Capotes symbolisiert Tiffany all das, wonach Holly sucht: "Hier kann mir nichts wirklich Schlimmes passieren", akklamiert sie, im "herrlichen Duft von Silber und Krokotaschen". Capote hatte ursprünglich Marilyn Monroe für die Hauptrolle der Verfilmung vorgesehen. Paramount bevorzugte Audrey Hepburn, verpasste der Novelle ein Happy End und schuf einen unverwüstlichen Kinoklassiker.

Frühstück bei Tiffany ist rückblickend mehr als ein Film: Er hat etwas Atmosphärisches, vermittelt eine gewisse Art von Lebensgefühl und wurde zum weltweit besten Werbeträger für das Unternehmen Tiffany. Audrey Hepburn in der Hauptrolle, Juwelen und die Welt des Luxus, das ist die übliche gedankliche Reihung, sobald der Name fällt. Eine Erfahrung, die auch Monika Wiltschnigg gemacht hat. Die studierte Kunsthistorikerin und jahrelange Mitarbeiterin der österreichischen Repräsentanz von Sotheby's ist die designierte Direktorin der neuen Filiale in Wien.

"Die Pläne für eine Niederlassung gibt es bereits seit drei Jahren", so Wiltschnigg, vor allem, weil "sich Wien auf dem Luxusmarkt ganz hervorragend entwickelt hat". Insgesamt beschäftigt die amerikanische Luxusmarke an die 8000 Mitarbeiter und verfügt weltweit über rund 155 Filialen. In Europa fasste das 1837 gegründete Unternehmen relativ spät Fuß, 1986 eröffnete man in London die erste Außenstelle, gegenwärtig sind es insgesamt 14. Kohlmarkt Nr. 8 lautet die Adresse, Betrieb gibt es baustellenbedingt längst, die Geschäfte beginnen dann am vierten September. Die offizielle Eröffnung – amerikanisches Flair garantiert und nur für geladenes Publikum – findet Anfang Oktober statt. Bis 26. November bietet die unter dem Titel Bejewelled by Tiffany, 1837–1987 laufende Ausstellung in der Londoner Gilbert Collection einen Überblick über den kompletten historischen Background des Luxuslabels.

Von den Anfängen des Marketinggenies Charles Louis Tiffany – 1858 ließ er aus Resten der ersten transatlantischen Telefonkabel Souvenirs produzieren; sie wurden ein Verkaufsschlager – über die ersten prestigeträchtigen Auftragsarbeiten wie das anlässlich der Inauguration Abraham Lincolns von seiner Ehefrau getragene Perlcollier bis zu jenen exquisiten Wunderwerken, die im Laufe der Jahrzehnte zum Synonym für das Label avancierten. Im Detail stößt man auf Bezüge zu Wien: Der Wiener Spezialist L. Holuska hatte 1885 ein Uhrwerk zum Einbau in Griffe, Spazierstöcke und Regenschirme erfunden.

Das hier aktuell vertretene Exemplar ist ein 1889 ausgeführter Schirm, mit einem goldenen Knauf inklusive Uhr. Das liebste Stück der sonst im Victor & Albert Museum tätigen Kuratorin? Die Wahl fällt schwer, schließlich nennt Clare Phillips eine Serie von 24 Orchideen-Broschen.

Der Entwerfer dieser von der Kritik begeistert aufgenommenen Kollektion ist unbekannt, erst später begann Tiffany namhafte Designer zu beschäftigen. Zu jenen jüngeren Datums gehört etwa Donald Claflin, von dem in der Ausstellung ein 1967 entworfener Drache, ebenfalls eine Brosche, zu sehen ist. Veranschlagt war die 18-Karat-Ausführung in Platin mit beweglichen Rubin-Augen um 9000 Dollar. Auf Auktionen können solche Exemplare deutlich mehr bringen, weiß auch Monika Wiltschnigg. Ihr erstes maßgebliches Erlebnis hatte sie bei einem Vortrag von Daniela Mascetti, Leiterin des Londoner Jewelry-Departments bei Sotheby's. Das ideale Outfit für den Eröffnungsabend kommt leider erst am 5. Dezember auf den Markt, wenn Christie's Hepburns legendäres kleines Schwarzes aus dem Hause Givenchy versteigert – der Schätzwert: Umgerechnet 74.000 bis 104.000 Euro soll dieses Stück Lebensgefühl kosten. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.8.2006)

  • Dragon Brooche
    foto: tiffany

    Dragon Brooche

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