Grundstoffunternehmen machen Kohle

25. August 2006, 16:45
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Einsetzende Indust­rialisierung und hohes chinesisches Wirtschafts­wachstum treiben die Nachfrage nach Rohstoffen in die Höhe - Analyse von Christian Marchner

Der Grundstoffsektor, mit seinen Subbranchen Chemie, Metalle & Minen sowie Zellstoff/Papier, zählt in der Jahresperformance zu den großen Outperformern und kann seit Jahresbeginn einen Zuwachs von 12,8 % aufweisen. Bereits in den Jahren davor konnten die Grundstofftitel stark zulegen. Dabei profitierte die Subbranche der Metalle & Minen von einer hohen Nachfrage nach Rohstoffen. Die Preise für Kupfer, Nickel und Zink haben sich in den letzten Jahren vervielfacht und so eine Menge Geld in die Unternehmenskassen gespült. Der Hauptgrund für den Rohstoffboom ist schnell ausgemacht: China.

China

Die einsetzende Industrialisierung und das hohe chinesische Wirtschaftswachstum treiben die Nachfrage nach Rohstoffen in unbekannte Höhen. Bereits über ein Viertel der weltweiten Kupferproduktion geht nach China, das Wachstum der Stahlproduktion in China übertrifft mittlerweile die Gesamtproduktion von Deutschland.

Angebot - Nachfrage

Die Nachfrage nach Rohstoffen ist immens und kann von der Angebotsseite nicht mehr gedeckt werden. Dadurch werden diese Güter knapp und teuer. Für die Stahlerzeugung reichen die Kapazitäten der Erzminen nicht mehr aus, die Umschlagkapazitäten der Erzhäfen sind erschöpft und auch der Transport über Schiffe ist nur beschränkt verfügbar. Die Anpassung der Angebotsmenge benötigt aufgrund von Erschließung und Förderung neuer Kapazitäten eine gewisse Zeit.

Neben diesen Produktionsengpässen lassen auch Produktionsausfälle immer wieder die Preise steigen. Chile ist der größte Kupferlieferant der Welt und besitzt das weltgrößte Kupferbergwerk „Escondida“. Hier werden immerhin 8 % der Weltproduktion abgebaut. Durch die hohen Kupferpreise fordern die Gewerkschaften verstärkt nach höheren Löhnen für die Arbeiter und bedienen sich wiederholt dem Druckmittel eines Streiks. Bereits Gerüchte über eine Streikmaßnahme in „Escondida“ führen zu großen Unruhen auf dem Kupfermarkt.

Trend zur Konsolidierung

In der Subbranche Metalle und Minen zeigt sich ein immer stärkerer Trend zur Konsolidierung. Diese Entwicklung ist besonders in der Stahlbranche durch die Übernahme von Arcelor durch Mittal zu sehen. Der neue Stahlgigant weist nun eine jährliche Produktionsmenge von 120 Millionen Tonnen auf und produziert dadurch etwa 10 % der Gesamtproduktion. Der zweitgrößte Stahlproduzent, Nippon Steel, kommt auf gerade einmal 33 Millionen Tonnen pro Jahr. Die Übernahme macht durchaus Sinn. Die Marktlandschaft ist von vielen kleine Unternehmen gekennzeichnet, die größten 10 kamen auf gerade einmal 30 % Marktanteil. Durch eine vermehrte Konzentration steigt die Macht der Stahlindustrie gegenüber den Vertragspartnern, besonders den führenden Erzlieferanten, die nun von ihren hohen Gewinnmargen abweichen könnten.

Ein weiterer Vorteil der Konsolidierung stellt die Verringerung der zyklischen Eigenschaft des Sektors dar. Große Stahlunternehmen erreichen mit ihren Produktionsmengen rasch die geforderten Gewinnschwellen und können so ihre Produktion besser steuern. Überproduktionen und damit teure Lagerbestände sind nicht mehr zwingend notwendig. In der Folge könnte auch die Volatilität des Stahlpreises verringert werden. Dadurch sind die großen Unternehmen nicht mehr so stark der globalen Konjunktur ausgesetzt.

Weitere Einschätzung des Grundstoffsektors

Die Nachfrage nach Rohstoffen besonders aus China und zunehmend auch aus Indien und lateinamerikanischen Staaten bleibt zwar hoch, die Rohstoffpreise bewegen sich allerdings bereits auf einem sehr hohen Niveau. Eher wird es zu einer relativen Nachfrageabschwächung kommen, da die Angebotsseite viel Potential hat. Die hohen Gewinne und Cashflows der Rohstoffproduzenten werden in zusätzliche Kapazitäten investiert und so die Angebotsmenge erhöht. Das sollte weitere Preissteigerungen verhindern.

Ein großes Risiko des Sektors stellt auch die Abhängigkeit zur Konjunktur dar. Durch steigende Leitzinsen und daher eine Verringerung der globalen Liquidität nehmen auch Unternehmensinvestitionen ab. Das trifft natürlich die Rohstofflieferanten und Produzenten. Nachdem sich die Wirtschaft in der größten Volkswirtschaft der Welt, den USA, bereits abkühlt, befürchten viele Marktbeobachter eine Nachfrageabschwächung bei Rohstoffen in den etablierten Märkten Nordamerika und Europa.

Wir erwarten eine abnehmende Dynamik in der weiteren Entwicklung des Grundstoffsektors. Gut positionierten Unternehmen mit klaren Strategien wird es dennoch möglich sein, eine gute Performance an den Tag zulegen. Unsere Empfehlungen für den Sektor sind die deutschen Unternehmen Thyssen Krupp und BASF.

THYSSEN KRUPP

Der deutsche Stahlproduzent Thyssen Krupp steht durch eine hervorragende Geschäftsentwicklung und guten Zukunftsaussichten auf unserer Empfehlungsliste. Die Unternehmensprognosen für das Geschäftsjahr 2006 sind schon mehrmals nach oben korrigiert worden und so liegt der erwartete Umsatz bei 46 Mrd. Euro nachdem man zuvor von 44 Mrd. ausgegangen ist. Der Konzern schützt sich durch ein Aktienrückkaufprogramm vor einer feindlichen Übernahme und zeigt dadurch auch finanzielle Stärke nach außen. Zudem gibt so ein Programm dem Aktienkurs immer einen Schub. Wachstumschancen bietet der Markt in Nordamerika. Die Übernahme vom kanadischen Stahlhersteller „Dofasco“ ist zwar nun endgültig gescheitert, durch den Bau eines eigenen Walzwerkes kann der Zugang zu Nordamerika aber trotzdem geschafft werden. Der Bau könnte in der Nähe der Werke von europäischen und japanischen Automobilherstellern (BMW, Honda) im mittleren Osten der USA liegen. Diese Kunden hätten dann mit Stahl von Thyssen Krupp Zugriff auf die von ihnen geforderten Qualitäten, die die meisten US-Stahlhersteller bislang nicht liefern.

BASF

Unter unseren Empfehlungen findet sich auch der weltgrößte Chemiekonzern BASF wieder. Der deutsche Konzern kann mit seinen Ergebnissen die Markterwartungen übertreffen und stellt auch seine Konkurrenten in den Schatten. Chemiekonzerne leiden momentan unter hohen Energie- und Rohstoffkosten, die für ihre Produktherstellungen unverzichtbar sind. BASF kann diese Belastungen allerdings durch eine eigene Öl & Gas Sparte kompensieren. Ertragsrückgänge bei Chemikalien oder Veredelungsprodukten werden durch das florierende Öl- und Gasgeschäft mehr als aufgeholt. Weiter wachsen will das Unternehmen über Zukäufe. Einige Akquisitionen sind bereits abgeschlossen, darunter die 4,8 Mrd. US-Dollar schwere Übernahme des amerikanischen Spezialchemie- und Katalysatorenherstellers „Engelhard“. Weitere Zukäufe sollen noch folgen, BASF sondiert dabei Möglichkeiten in allen Segmenten. Trotz der finanziellen Belastung durch diese Unternehmenskäufe, bestätigen die Ratingagenturen die ausgezeichnete Bonität des deutschen Chemiekonzerns.

Der Autor ist Analyst bei BA-CA Asset Management

Alle Angaben trotz größter Sorgfalt ohne Gewähr. Die Informationen beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig erachten. Eine Garantie für deren Richtigkeit oder Vollständigkeit kann ebenso wenig übernommen werden wie für das Eintreten der Prognosen. Alle Meinungsaussagen geben lediglich die aktuelle Einschätzung der Autoren wieder, die sich ohne vorherige Ankündigung wieder ändern kann.
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    Der Grundstoffsektor, mit seinen Subbranchen Chemie, Metalle & Minen sowie Zellstoff/Papier, zählt in der Jahresperformance zu den großen Outperformern.

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