Ein Boden für strategische Gedanken

22. August 2006, 21:02
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Karin Schachinger ist Marketingleiterin der Oberösterreichischen Technologie- und Marketinggesellschaft - Im STANDARD-Interview spricht sie über den Standort Oberösterreich und Zukunftsperspektiven

Karin Schachinger hat als Marketingleiterin der Oberösterreichischen Technologie- und Marketinggesellschaft täglich mit dem Thema regionale Innovation zu tun. Gunther Müller sprach mit ihr über den Standort Oberösterreich und Zukunftsperspektiven.

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STANDARD: Frau Schachinger, warum sollte sich ein Unternehmen ausgerechnet in Oberösterreich ansiedeln? Es gäbe doch in anderen Bundesländern auch geeignete Standorte.

Schachinger: Ein junges Unternehmen sollte sich hier ansiedeln, weil Oberösterreich ein guter Boden für Unternehmen ist. Nicht umsonst sind wir das führende Industrie- und Exportbundesland und hatten in den vergangenen Jahren nicht nur die niedrigste Arbeitslosenquote, sondern auch den stärksten Beschäftigungswachstum.

Wir haben Cluster in den Stärkefeldern gebildet, dem automotiven Bereich, in Mechatronik und Maschinenbau, Kunststoff, Möbel-/Holzbau und Lebensmittel, Ökoenergie und dem Hoffnungsbereich Gesundheitstechnik. In diesem Umfeld kann man als Unternehmen - meine ich - sicher sein, dass die eigene Wettbewerbsfähigkeit doch deutlich gestärkt wird...

STANDARD: Das klingt ja alles sehr schön und gut. Wo aber liegt dann Ihrer Ansicht nach noch Aufholbedarf?

Schachinger: Bezüglich der Produktivität und der Pro-Kopf-Einkommen liegt Oberösterreich ca. an der 50. Stelle der rund 300 so genannten NUTS-2-Regionen der EU. Hier besteht gegenüber den Spitzenregionen sicher noch einiger Aufholbedarf. Auf Basis des Strategischen Programms "Innovatives OÖ 2010", immerhin mit einem Programmvolumen von insgesamt 600 Mio. Euro, das zwischen 2005 und 2010 ausgeschüttet wird, soll das Bundesland aber zu einer der innovativsten Regionen Europas entwickelt werden.

Der Schlüssel dazu ist sicher eine aktive Standortpolitik, vor allem in den Bereichen berufliche Bildung, es muss zu einem Ausbau der Infrastruktur und von Forschung & Entwicklung kommen.

STANDARD: Welche Auswirkungen hat denn das Problem der Lohnkonkurrenz aus Asien und Osteuropa auf die Standortfrage? Wie behauptet sich das Bundesland Oberösterreich dagegen?

Schachinger: Die wirtschaftliche Integration mit Osteuropa und die EU-Mitgliedschaft dieser Länder ist sicher eine Herausforderung für die österreichische Wirtschaftspolitik. Man darf aber nicht übersehen, dass vor allem "Low-tech-Branchen" Arbeitsplätze verloren haben. Im Hightech- Bereich liegen die Chancen für die Region.

Wenn es um Qualität geht, wenn es um Forschung und Technologieentwicklung geht, wenn es um Vertrauen zu Mitarbeitern geht, dann sind die Unternehmen hier besser angesiedelt. Da sind wir zuversichtlich, dass das Unternehmen bei uns bleibt. Wir dürfen aber nicht aufhören, eben diesen Bereich zu unterstützen.

STANDARD: In Europa arbeiten universitäre Forschung und Unternehmen oft nicht so gut zusammen wie in den USA. Was kann dagegen getan werden? Gibt es Beispiele für erfolgreiche Kooperationen?

Schachinger: Da tut sich bei uns schon einiges. Ich nenne Ihnen ein Beispiel. Die Firma Borealis hat unlängst beschlossen, ihr internationales Forschungszentrum in Oberösterreich anzusiedeln und Forschung & Entwicklung am Standort Linz kräftig auszubauen. Die Zusammenarbeit von Borealis und den Universitäten hat das möglich gemacht. In diese Richtung soll es weitergehen.

STANDARD: Wie sehen Sie die Rolle der Technologiezentren im Innovationsnetzwerk?

Schachinger: Die Technologiezentren sollen stärker als bisher als Impulsgeber und Innovatoren auf regionaler Ebene tätig sein. Es geht dabei um die professionelle Beratung und Unterstützung von innovativen, technologieorientierten Unternehmen in und außerhalb der Technologiezentren, die Förderung des Wissenstransfers und der Kooperation auf regionaler Ebene. Diese Aufgaben können von den Managern nur dann effizient erfüllt werden, wenn sie mit den Einrichtungen auf Landes- und Bundesebene arbeiten. (DER STANDARD, Printausgabe, 16. August 2006)

Zur Person
Karin Schachinger (31) ist Leiterin der Marketingabteilung der TMG (Oberösterreichische Technologie- und Marketinggesellschaft). Seit 2002 ist sie außerdem Koordinatorin der insgesamt 21 Impuls- und Technologiezentren im Bundesland Oberösterreich.

Schachinger hat in Linz Handelswissenschaften studiert und arbeitet seit 1998 bei der TMG. Für ihren Beruf, sagt Schachinger, muss sie nicht gerade wenige Abende opfern.

Von Freizeit oder Freizeitgestaltung redet sie daher momentan kaum. Schachinger: "Wenn ich frei habe, ist mir der Kontakt mit Freunden am wichtigsten." (gm)

  • Karin Schachinger lobt den Technologiestandort Oberösterreich, fordert aber weitere Unterstützung für den Hightech-Bereich
    foto: der standard

    Karin Schachinger lobt den Technologiestandort Oberösterreich, fordert aber weitere Unterstützung für den Hightech-Bereich

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