Gusenbauer: Napalm-Aussage war "Blödsinn"

21. August 2006, 12:41
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SPÖ-Chef weist Leiter der Werbekampagne zurecht - Reaktion auf Kritik von Lopatka an Schobers Vergleich: VP-Generalsekretär wirft SPÖ "Wahlkampf der verbrannten Erde" vor

Wien - SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer weist den Leiter seiner Werbekampagne, Luigi Schober, nach dessen umstrittener "Napalm"-Aussage zurecht. Dies sei ein "Blödsinn" gewesen, da die SPÖ einen fairen und auf Fakten beruhenden Wahlkampf mache, erklärt der Spitzenkandidat im "Kurier" (Dienstag-Ausgabe). Grundsätzlich hielt Gusenbauer freilich fest, dass er Schober "nicht für Interviews, sondern für die Werbung, die er macht", bezahle. Schober hatte in einem Magazin-Interview erklärt, die SPÖ-Kampagne werde "purer Napalm" sein, was vor allem die ÖVP heftig empört hatte.

Plädoyer für seine Wanderhose

Eisern steht Gusenbauer zu seiner Wanderhose, die während seiner Bergtour durch die Bundesländer für so manchen Spott gesorgt hatte: "Es war ein guter und günstiger Kauf: Diese Jogginghose ist leicht und eignet sich besonders gut für hohe Temperaturen. Die kann ich jedem nur empfehlen."

Bezüglich der von der SPÖ versprochenen Steuerreform kündigte der Parteichef an, dass diese vor allem den Mittelstand unterstützen sollte. Dessen Angehörige sollten jährlich um rund 500 Euro entlastet werden.

Lopatka: "Alle gegen Schüssel"

Von Gegnern umzingelt fühlt sich die ÖVP. Generalsekretär Reinhold Lopatka ist in den letzten Tagen klar geworden, dass im Wahlkampf "alle gegen Bundeskanzler Schüssel" antreten würden. Lopatkas Attacken konzentrierten sich bei einer Pressekonferenz am Montag jedoch auf die SPÖ. Die Roten würden einen "Wahlkampf der verbrannten Erde führen" und hätten darüber hinaus keine geeigneten Zukunftskonzepte für das Land.

"Darabos und Bures vergiften Klima"

Lopatka "warnte" die SPÖ "eindringlich" davor, an der "Spirale der Gewalt in der Sprache zu drehen" und warf den Sozialdemokraten vor, sich "im Ton zu vergreifen", wenn sie sagen, ihre Kampagne sei "pures Napalm". "Wahlkampf ja, aber wir haben keinen Krieg und schon gar keinen Napalm-Krieg", so Lopatka, der die SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos und Doris Bures beschuldigte, das Klima zu "vergiften".

Der VP-General sieht in diesen Aussagen der SPÖ auch den Grund dafür, warum es bisher zu keinem Fairness-Abkommen zwischen den wahlkämpfenden Parteien gekommen sei. Die Napalm-Ansage wäre seiner Meinung schon die "erste Verurteilung" durch das von ihm geforderte Fairness-Schiedsgericht gewesen, empörte sich Lopatke, der den Napalm-Sager auch angesichts des Libanon-Kriegs unangemessen findet.

Im Wahlkampf gehe es in erster Linie darum, wer die "besseren Ideen hat" und diese vermisse er bei der SPÖ, meinte Lopatka, der um "Abgrenzung zur SPÖ" bemüht war. "Wenn von der SPÖ was kommt, dann sind das alte Forderungen verbunden mit neuen Belastungen und neuen Unsicherheiten", sagte der VP-Wahlkampfleiter. Die ÖVP stünde hingegen für "Entlastung und Sicherheit".

Steuerreform-Ankündigung "hat mit Wahlkampf nichts zu tun"

Den Vorwurf, dass Schüssel just vor der Wahl eine große Steuerreform ankündigt hat, wies Lopatka zurück. Das habe "mit dem Wahlkampf nichts zu tun" und sei auch nicht "überraschend gekommen" und man orientiere sich "überhaupt nicht an Wahltagen". Entlastungen seien schon länger geplant gewesen. Lopatka bestritt außerdem Zahlen, wonach in Österreich die Armut und die Arbeitslosigkeit gestiegen sind. Internationale Vergleichsstatistiken würden genau das Gegenteil zeigen, nämlich dass sowohl Armut als auch Arbeitslosigkeit gesunken seien, meinte Lopatka.

Darabos zeiht ÖVP der Lüge

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos hat auf die Attacken von ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka mit einem heftigen Gegenangriff geantwortet. "Ob Einkommensgerechtigkeit, Arbeitslosigkeit, oder Kluft zwischen Arm und Reich: Die ÖVP bleibt bei Unwahrheiten, Schönreden und gebrochenen Versprechen", so Darabos, der es "nur fair" findet, "diese Lügen aufzuzeigen". "Am 1. Oktober wird die ÖVP erkennen, wie kurze Beine ihre Lügen haben", prophezeite Darabos. (APA)

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    Für VP-Generalsekretär Lopatka kämpfen bei der Nationalratswahl "alle gegen Bundeskanzler Schüssel"

  • Alfred Gusenbauer bei seiner letzten Wanderung (mit der kritisierten Wanderhose) am Donnerstag, 3. Aug. 2006, auf der 2965 Meter hohen Schesaplana in Vorarlberg.
    foto: spö/zinner

    Alfred Gusenbauer bei seiner letzten Wanderung (mit der kritisierten Wanderhose) am Donnerstag, 3. Aug. 2006, auf der 2965 Meter hohen Schesaplana in Vorarlberg.

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