Wachstum hat deutsche Wirtschaft erfasst

30. August 2006, 12:59
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Wachstum im zweiten Quartal mit 0,9 Prozent gegenüber Vorquartal so stark wie seit fünf Jahren nicht mehr

Wiesbaden - Der Aufschwung hat die deutsche Wirtschaft voll erfasst. Sie wuchs im zweiten Quartal so stark wie seit fünf Jahren nicht mehr. Die Impulse kommen derzeit vor allem aus dem Inland; vom Bau und den Investitionen.

Im zweiten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal saison- und kalenderbereinigt um real 0,9 Prozent - nach 0,7 Prozent im ersten Vierteljahr, wie das deutsche Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte. Einen ähnlichen Aufwärtstrend hatte es zuletzt Anfang 2001 gegeben.

"Es sieht besser aus als gedacht", sagte Holger Schmieding, Ökonom der Bank of America. "Die Zahlen sind eine echte gute Überraschung." Vor allem das erste Quartal, dessen Wachstum von 0,4 auf 0,7 Prozent nach oben angehoben wurde, überraschte die Ökonomen.

Erstmals seit Jahren hätten nicht nur die Exporte, sondern auch die Investitionen und der Konsum die Konjunktur angeschoben. Das Wirtschaftswachstum werde robuster und stehe auf zwei Beinen.

Im zweiten Quartal seien Sondereffekte dazu gekommen wie die Fußball-WM und das Nachholbedürfnis am Bau, der nach dem langen kalten Winter Aufträge abarbeiten musste. Die Unternehmen investierten wieder.

Die Dynamik des Außenhandels hat sich laut Statistikern dagegen etwas abgeschwächt. Als Grund dafür gelten die stark wachsenden Importe, deren Wert sich durch die Rekordölpreise verteuert und die wegen der besseren Inlandsnachfrage zunehmen. Die Importe begrenzen den Wachstumsbeitrag des Außenhandels zum BIP.

Schwungvolles erstes Halbjahr

Wegen des schwungvollen ersten Halbjahres setzten einige Ökonomen bereits ihre Prognosen nach oben. 2006 könnte die Wirtschaft um mehr als zwei Prozent zulegen - das wäre ein neuer Rekord nach dem Boomjahr 2000.

Bisher rechnete die deutsche Bundesregierung für 2006 nur mit 1,6 Prozent Wachstum. Die meisten Ökonomen hatten bisher ein Wachstum von knapp unter zwei Prozent vorhergesagt und erwarten nun, dass die Zwei-Prozent-Marke überschritten wird.

Die neugewonnene Stärke der Konjunktur belegt der Vergleich zum Vorjahr. Gegenüber dem zweiten Quartal 2005 nahm die Wirtschaftsleistung kalenderbereinigt um 2,4 Prozent zu nach 1,8 Prozent im ersten Quartal 2006.

Die Wirtschaftsleistung wurde nach Angaben der Statistiker von 38,9 Millionen Erwerbstätigen erbracht, das waren um 185.000 Personen mehr als ein Jahr zuvor. (APA/dpa/Reuters)

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    "Es sieht besser aus als gedacht", sagte ein Ökonom der Bank of America.

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