Vom Tier zum Menschen

28. März 2007, 12:12
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Haustiere können Reservoir für Krankheitserreger sein - Einige dieser als Zoonosen bezeichneten Krankheiten können sogar gefährlich werden

Süße Katzen und treue Hunde können ein für Menschen höchst unerfreuliches Innenleben führen. Zum Beispiel dann, wenn in Katzen Toxo-plasma gondii wohnt. Der Einzeller vermehrt sich im Tier, der Mensch steckt sich über kontaminierten Katzenkot, rohes Schweine- und Schaffleisch oder verunreinigte Erde an. Wobei der Erreger in der Regel oral in den Organismus gelangt und auch für die Tiere bisweilen unangenehme Folgen hat: "Katzen reagieren auf den Parasiten mit Durchfall", sagt Andreas Hassl, Parasitologe am Wiener Hygiene-Institut.

Verlauf beim Menschen

Die Infektion beim Menschen verläuft im Allgemeinen unauffällig, kann einem ungeborenen Kind und immungeschwächte Menschen - zum Beispiel nach Organtransplantation oder mit einer HIV-Infektion - aber gefährlich werden. "Vorteilhaft wäre, dass sich Frauen mit Hauskatzen und Kinderwunsch schon vor der Schwangerschaft auf Toxo-plasma-Antikörper testen lassen", erklärt Hassl.

Ist das Ergebnis positiv, besteht keine Gefahr für das zukünftige ungeborene Kind. "Hat sich die Katzenbesitzerin nicht angesteckt, sollte sie während der Schwangerschaft kein rohes Fleisch essen, direkten Kontakt mit dem Katzenklo und Gartenarbeiten vermeiden, beziehungsweise Handschuhe tragen und danach die Hände gründlich waschen."

Wandernde Würmer

Moderne Spot-on-Produkte, die einfach mit wenigen Tropfen auf die Haut von Katze oder Hund aufgetragen werden, bekämpfen nicht nur Flöhe oder Zecken, sondern auch eine weitere, weit verbreitete Zoonose: Toxokarose - die Infektion mit Spulwürmern. Die Eier werden von den Vierbeinern mit dem Kot ausgeschieden und finden sich häufig auf Wiesen, Kinderspielplätzen und dort vor allem in öffentlichen Sandkisten. Kleinkinder, die beim Spielen die Finger in den Mund stecken, haben naturgemäß ein hohes Ansteckungsrisiko.

Verlauf ohne Symptome

Zumeist verläuft ein Befall symptomlos, nur ganz selten durchbrechen die Larven die Darmwand und wandern in die Leber und andere Organe. Als Betroffener merkt man davon oft nichts, denn normalerweise wird das Immunsystem ganz allein mit diesem Probelm fertig. "Sehr selten, zum Beispiel wenn das Gehirn oder die Augen betroffen sind, kommt es zu körperlichen Ausfallserscheinungen. Dann muss therapiert werden", sagt Hassl. Regelmäßige Wurmkuren beim Haustier reduzieren diese Gefahr.

Vorsichtig bei Bissen

Um etliches gefährlicher sind hingegen Bisswunden. In der Mundhöhle von Hunden und auch Katzen tummeln sich zahlreiche, mitunter sehr gefährliche Bakterienarten, die bei einer Bissverletzung in das Blutsystem des Menschen gelangen können.

So werden bei Hundebissverletzungen bis zu 30 verschiedene Keime in der Wunde nachgewiesen. Nach einer ersten Reinigung mit Leitungswasser sollte die Wunde daher unbedingt chirurgisch versorgt werden. Zwar tritt laut einer Studie nur bei 16 Prozent eine Infektion auf, im schlimmsten Fall kann die Verletzung aber mit einer tödlichen Blutvergiftung enden. So geschehen in Deutschland, wie in einem epidemiologischen Bulletin des Robert-Koch-Institutes in Berlin veröffentlicht wurde.

Tödlicher Schock als Folge

Folgender Sachverhalt: Ein 69-Jähriger mit einer kleinen Bissverletzung an der Hand klagte über Atemnot. Der Hundebiss war vom Hausarzt versorgt worden, im Spital waren niedrige Blutgerinnungswerte und ein erhöhter Protein-Entzündungsparameter festgestellt worden. Was dann geschah: Der Zustand des Patienten verschlechterte sich trotz Intensivtherapie und endete letztendlich mit einem tödlichen, septischen Schock. Der Grund: eine massive Infektion mit Capnocytophaga canimorsus, einem Bakterium, das Bestandteil der Maulhöhlenflora des Hundes ist.

Spätestens nach acht bis 12 Stunden behandeln

Infektionen mit diesen Keimen können im Blutsystem des Menschen gravierende Symptome hervorrufen, vor allem dann, wenn das Immunsystem geschwächt ist. "Typisch für diese Infektion sind eine schwere Sepsis mit Schock sowie eine Störung des Blutgerinnungssystems", so die Beschreibung von Ines Steffens vom Robert-Koch-Institut. Vor allem Bissverletzungen an Armen und Beinen sind besonders infektionsgefährdet. Steffens warnt deshalb eindringlich: "Verletzungen durch Hunde und Katzen müssen spätestens acht bis zwölf Stunden nach einem Biss mit Antibiotika behandelt werden." (DER STANDARD, Printausgabe, Andrea Fallent, 14.08.2006)

  • Hundemaul als Bakterienpool. Bis zu dreißig unterschiedliche Keime sind dort nachweisbar
    foto: standard/renée cuhaj

    Hundemaul als Bakterienpool. Bis zu dreißig unterschiedliche Keime sind dort nachweisbar

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