Vom Komponisten zum Konzern-Chef

19. Juni 2000, 19:41

Das turbulente Leben des Musik- und Filmliebhabers Edgar Bronfman junior


STANDARD-Korrespondentin Bernadette Calonego aus Kanada

Edgar Bronfman junior trat 1994 an die Spitze des kanadischen Getränke- und Mischkonzerns Seagram Company, der heute vor dem Verkauf an die französische Vivendi-Gruppe steht. Damals träumte der Spross einer der reichsten Dynastien Nordamerikas von einer ganz anderen Zukunft für das weltweit tätige Unternehmen, für das sein legendärer Großvater, Samuel Bronfman, 1924 den Grundstein in der kanadischen Stadt Montreal gelegt hatte.

Der heute 45-jährige Edgar wollte den Wein- und Spirituosenhersteller in einen globalen Unterhaltungskonzern verwandeln. Film und Musik waren schon immer Bronfman juniors Leidenschaften gewesen. Die Bronfman-Familie, mit 24 Prozent Hauptaktionärin der Seagram-Gruppe, sah die Pläne des jungen Firmenchefs mit gemischten Gefühlen. Doch Edgar Bronfman jr., der zweitälteste Sohn von Edgar Bronfman, dem Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses, wollte dem Konzern seinen Stempel aufdrücken.

Aus Seagram wurde über die Jahrzehnte die weltgrößte Destillerie, zu der Marken wie Chivas Regal Whiskey oder Martell Cognac gehören. Der Hauptsitz befindet sich immer noch in Montreal. Ihr riesiges Vermögen hatte die Bronfman-Familie vor allem während der Prohibition in den USA verdient. Edgar Bronfman junior hatte als Teenager überhaupt kein Interesse in das Familienunternehmen einzusteigen.

Lieber arbeitete er als Assistent unter dem britischen Filmproduzenten David Puttnam. Später zog es ihn nach Hollywood, wo er für die Sängerin Dionne Warwick ein Lied schrieb. Darin betätigt sich der fast zwei Meter große, gut aussehende Bronfman bis heute. 1979 heiratete er die farbige Schauspielerin Sherry Brewer, wurde Vater von drei Kindern und produzierte seinen ersten großen (und wenig erfolgreichen) Film mit Jack Nicholson in der Hauptrolle. 1982 ließ sich Edgar dann doch überreden, bei Seagram einzusteigen.
Sieben Jahre später übernahm er die Leitung des Unternehmens als Präsident und Geschäftsführer, 1994 auch die Kontrolle des Konzerns vom Vater. Er ließ sich von seiner ersten Frau scheiden und heiratete erneut. Dem Ziel eines Unterhaltungsriesen ist Bronfman, der als amerikanischer Bürger in New York lebt und arbeitet, nahe gekommen: Heute machen die Getränke weniger als 30 Prozent des Seagram-Umsatzes aus. Die Diversifikation ins Filmgeschäft - 1995 erwarb Seagram die Universal Studios - war zwar während mehrerer Jahre nicht von Erfolg gekrönt. Einige der Filme wurden zu kostspieligen Flops.

Mit der 1998 erworbenen PolyGram wurde Seagram aber zum weltgrößten Musikunternehmen, das große Erträge abwirft. Heute machen auch Universal Studios dank Filmen wie "Erin Brockovich" und "The Hurricane" Gewinne.

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