Der Skandal wird jetzt auch politisch

19. Juni 2000, 18:39

VP will Untersuchungsausschuss


Georg Gesellmann, Wolfgang Weisgram

Eisenstadt - Gerhard Jellasitz hat nur eine Sekunde lang überlegen müssen, dann war es klar: "Die Drohung vom Herrn Darabos beeindruckt mich nicht einmal zwei Sekunden." Norbert Darabos, der Geschäftsführer der burgenländischen SPÖ, hatte erklärt - DER STANDARD berichtete -, dass die Landeshauptmann-Partei eine Zustimmung der ÖVP zu einem Untersuchungsausschuss im Zusammenhang mit dem Kreditskandal bei der Bank Burgenland als "Bruch des Arbeitsübereinkommens" betrachten würde.

Montag Vormittag hat die burgenländische VP-Spitze beschlossen, einem solchen Untersuchungsausschuss zuzustimmen, Norbert Darabos hat daraufhin relativiert: "Ich bin falsch verstanden worden." Gemeint habe er vielmehr, ein Bruch des Arbeitsübereinkommens wäre, wenn die ÖVP in dieser Frage keine Kooperation suche.

Die sucht sie aber vorderhand. Heute um 15 Uhr tagt die Landesregierung zu diesem Thema. Und aus der SPÖ kommen Signale, dass auch sie dem Gedanken an einen Untersuchungsausschuss durchaus nahe treten könnte. Heute wird die burgenländische SPÖ darüber entscheiden. Ein SPÖ-Mann: "Die Krot müss' ma fressen."

Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss scheint jedenfalls fix zu sein. Gerhard Jellasitz: "Die Burgenländer haben das Recht, dass eventuelle politische Verquickungen aufgeklärt werden."

Im Büro des Landeshauptmanns wird darauf hingewiesen, dass Karl Stix "der einzige aktive Politker" sei, der Erfahrung habe mit Untersuchungsausschüssen. Er habe nämlich Mitte der Achtzigerjahre jenen geleitet, der sich mit dem WBO-Skandal befasste, über den der damalige VP-Chef Franz Sauerzopf gestolpert ist. Und deshalb wisse der Landeshauptmann "nur zu gut um die Spektakeldimension".

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