Migranten schau'n

9. Oktober 2006, 15:09
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Die Vox-Dokusoap "Goodbye Deutschland! Die Auswanderer" schlachtet den abenteuerlichen Moment der Unsicherheit genauso...

Die ehemalige Schichtarbeiterin Liana zerdrückt ein paar Tränen, als sie das Meer sieht. Sie und ihr Mann haben die Hoffnung, dass er, obwohl des Spanischen unkundig, als Alleinunterhalter mit deutschen Rambazamba-Schlagern eine fünfköpfige Familie an der Costa del Sol ernähren kann. - Auswandern, weil's zu Hause in Deutschland nicht mehr passt: Unsicherheit lässt Risiken eingehen, noch höhere Unsicherheit in Kauf nehmen, um mehr oder weniger realitätsnahen Träumen Chancen zu geben.

Die Vox-Dokusoap Goodbye Deutschland! Die Auswanderer schlachtet den abenteuerlichen Moment der Unsicherheit genauso wie die mittlerweile klischeehafte unsichere deutsche Wirtschaftslage aus. Endzeitstimmung, die zum Gehen drängt, wird suggeriert. Keine dynamischen, überdurchschnittlich gebildeten Aufbrecher werden begleitet, die Fallbeispiele wurden ausgewählt, damit sich der heimatmüde Normal(spieß)bürger identifizieren kann. Da lässt Familie Keimann der American Dream nicht mehr los, sie haut voller Zuversicht mit gewonnener Greencard, Kind, Kegel und Cowboyhut, aber ohne gute Englischkenntnisse oder konkrete Pläne nach Texas ab.

Wieder und wieder betont der Off-Kommentar die Zweifel der Menschen. Die Beobachtungsweise des Boulevardformats sucht nach Mühsal und Enttäuschung, verliert sich aber bei Autopannen, Hotelsuche, Problemen beim Einpacken und schafft kaum einmal den Anspruch billiger Affekte. (pum/DER STANDARD; Printausgabe, 14.8.2006)

Erste Folge am Dienstag, 21.10 Uhr, Vox
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