Open Source-Treiber von ATI: Ja, Nein, Weiß nicht?

2. November 2006, 11:43
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AMD-Manager bestätigt Überlegungen während ATI strikt ablehnt - "Proprietäre und patentierte Optimierungen" seien wichtig

Der Auseinandersetzung rund um nicht-freie Grafiktreiber wird derzeit eine recht lebhafte neue neue Episode hinzugefügt. Auslöser dafür ist die Übernahme des kanadischen Grafikkartenherstellers ATI durch den Chipproduzenten AMD.

Spekulativ

Da AMD im Gegensatz zu ATI ein recht gutes Verhältnis zur Linux-Community hat, tauchten schnell Gerüchte auf, dass die Übernahme den Weg für freie Grafiktreiber bereiten könnte. Angefeuert wurden die entsprechenden Hoffnungen noch durch einen Artikel auf Infoworld, in dem der Autor in Berufung auf ein Telefoninterview mit AMD-Manager Hal Speed berichtete, dass das Unternehmen tatsächlich zumindest einen Teil der Treiber freigeben will.

Statement

Dem entgegen steht allerdings nun ein Statement von ATI gegenüber heise online: In diesem heißt es, dass es keinerlei Pläne gäbe die Treiber für den Consumer-Bereich freizugeben. In diesem Bereich seien Performance und Feature-Unterschiede entscheidend, insofern setze man weiterhin auf proprietäre und patentierte Optimierungen. Auch gebe es gewisse Bereiche, die man schon von der Natur der Sache her nicht freigeben könne, etwa wenn es um den Schutz von digitalen Inhalten ("content protection") gehe.

Wagnisse

Trotzdem sieht man sich als Open Source-Unterstützer, man habe sich immer an der Entwicklung von freien Treibern beteiligt. Eine Aussage, die angesichts der derzeitigen Situation bestenfalls als "gewagt" zu bezeichnen ist. Zwar hat ATI in der Vergangenheit immer wieder einmal Teile der notwendigen Spezifikationen für seine Hardware freigegeben und sich auch an der Entwicklung beteiligt, gerade in letzter Zeit ist das diesbezügliche Engagement aber deutlich zurückgegangen.

Fragwürdig

Die ablehnende Haltung von ATI zerstört einmal mehr die Hoffnungen auf eine Besserung der Grafik-Treibersituation unter Linux. Derzeit liefern kaum mehr große Distributoren ihre Linux-Varianten von Haus aus mit den proprietären Treibern von NVidia oder ATI aus, da dies möglicherweise gegen die GPL verstößt. Auch weisen Kernel-Entwickler immer wieder darauf hin, dass propietäre Treiber im Zusammenspiel mit dem Linux-Kernel an sich illegal seien.

Ideen

Im Gegensatz zur starren Haltung von ATI und NVidia scheint der dritte große Grafikchip-Hersteller keine große Angst vor dem beschworenen Ideenklau zu haben: Intel hat erst vor kurzem sein Engagement im Bereich Open Source-Treiber ein weiteres mal verstärkt. (red)

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    Free Software-Foundation-Chef Richard Stallman bei einer Protestaktion gegen ATI

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