Britische Medien spotten über Blair: "Welche Krise? Yachtkrise?"

21. August 2006, 19:49
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Premierminister setzt Barbados-Urlaub trotz Terroralarm fort - auch Vize-Premier John Prescott schwänzte Krisensitzungen

London - Barbados oder Downing Street? Nach der vereitelten Anschlagserie auf Passagierflugzeuge in Großbritannien ruft die urlaubsbedingte Abwesenheit von Premier Tony Blair in den für ihre Scharfzüngigkeit berühmten Londoner Tageszeitungen bissige Bemerkungen hervor. Während andere Reisende sich mit Chaos konfrontiert sähen, amüsiere sich Blair in der Karibik, bemerkte am Samstag das Boulevardblatt "Daily Mail".

Auf der ersten Seite druckte die Zeitung unter der Überschrift "Welche Krise? Yachtkrise?" ein Foto des Premiers im T-Shirt auf der Brücke einer Yacht mit dem Namen "Good Vibrations". Der "Daily Telegraph" veröffentlichte ein Foto, auf der Familie Blair zu sehen ist, wie sie gerade in einem Schlauchboot vor der Villa des Sängers Cliff Richard herumschippert. In dem luxuriösen Anwesen auf Barbados verbringen die Blairs derzeit ihren Urlaub.

Auch andere Zeitungen berichteten ausführlich über das Urlaubsvergnügen der Blair-Family, illustriert mit Bildern des Premiers und seiner Frau Cherie in Badekleidung. Ins Kreuzfeuer der Kritik geriet auch Interims-Regierungschef und Vize-Premier John Prescott, der sich nach der Aufdeckung des Komplotts am Donnerstag nicht einmal an den Krisensitzungen des Kabinetts teilgenommen hatte.

Erst am Freitag ließ Prescott demnach bei einem kurzen Auftritt verlauten, dass er präsent sei und in "ständigem Kontakt" mit Blair stehe. Der Premier scheint trotz der seit den Anschlägen geltenden höchsten Alarmstufe keine vorzeitige Rückkehr an die Downing Street zu planen. (APA)

  • Titelblatt des "Daily Telegraph"
    screenshot: derstandard.at/

    Titelblatt des "Daily Telegraph"

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