Reizthema Tempo 100: Tirol lebt's vor

5. Oktober 2006, 12:29
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Tempo 100 auf der Autobahn bleibt ein Reizthema - Tirol hat dabei eine Vorreiterrolle eingenommen: Die Ergebnisse sprechen für sich, meint man in Innsbruck

Innsbruck - In Oberösterreich sorgt eine 16 Kilometer lange Tempo-100-Strecke auf der Westautobahn für heftige Kontroversen, der Bürgermeister von Ansfelden verlangt gar Tempo 80, in der Steiermark ist der 100er fast flächendeckend geplant - in Tirol ist man schon weiter. Dort wird ab dem 1. November auf dem 93 Kilometer langen Abschnitt der Inntalautobahn (A12) zwischen Kufstein und Zirl (westlich von Innsbruck) die Höchstgeschwindigkeit auf 100 Stundenkilometer gedrosselt.

Verkehrslandesrat Hans Lindenberger lässt keinen Zweifel daran, dass diese Maßnahme Teil des Pakets sein wird, mit dem versucht wird die gravierenden Grenzwertüberschreitungen bei Stickoxiden und Feinstaub im Sinne des IG-Luft (siehe Wissen) in den Griff zu bekommen. "Jeder muss seinen Beitrag zur Luftverbesserung leisten", sagt Lindenberger, der eine Diskussion wie in Oberösterreich erst gar nicht aufkommen lassen will.

Unter anderem sollen gleichzeitig die besonders abgasträchtigen Lkw-Klassen Euro 0 und 1 von der Autobahn verbannt und das bestehende Lkw-Nachtfahrverbot ergänzt werden. Aber auch für das "richtige Heizen" plant der Politiker eine Infokampagne.

Im November will Lindenberger auch eine neues sektorales Fahrverbot erlassen, das Lkw mit Müll, Schrott oder Holz die Benutzung der Autobahn untersagt. Rund 200.000 Lkw-Fahrten (etwa zehn Prozent des Transitaufkommens) sollen so wegfallen. Zum Ärger der Grünen soll dieses Verbot erst im November 2007 in Kraft treten. Lindenberger verteidigt sich, im Vorjahr hatte ein EuGH-Urteil den ersten Anlauf zu Fall gebracht, weil der Wirtschaft zu wenig Zeitfür die Umstellung eingeräumt worden war.

Tempo 100 wirkt

Die Wirksamkeit von Tempo 100 für Pkw belegt ein Pilotversuch im Tiroler Oberland. Nach einer Evaluation der TU Graz hat vergangenen Winter die Tempobremse auf den 20 Kilometern zwischen Imst und Landeck die vom Pkw verursachten Feinstaub- und Stickoxidemissionen um 24 beziehungsweise 19 Prozent reduziert. Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist von 114 auf 102 km/h gesunken, die Akzeptanz der Beschränkung war bei Einheimischen hoch.

An der Notwendigkeit, auch im Unterland auf die Tempobremse zu steigen, gibt es für Andreas Weber, Fachbereichsleiter der Abteilung Waldschutz - Luftgüte, keinen Zweifel. So liegt der besonders aussagekräftige Jahresmittelwert für NO2 bei 40 µg/m³ Luft. In Vomp wurden im Vorjahr 72 µg/m³ ermittelt, an anderen Messstellen gab es ebenfalls deutliche Überschreitungen.

Im kommenden Winter soll zunächst im Probebetrieb das Tempolimit zwischen Kufstein und Innsbruck über die bereits installierten Verkehrsbeeinflussungsanlagen (VBA) geregelt werden. Dazu werden erstmals die Daten der laufenden Schadstoffmessungen mit jenen der Meteorologen und des Verkehrsaufkommens verknüpft. (Hannes Schlosser/DER STANDARD-Printausgabe, 12./13.08.2006)

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    Die feine Bergluft mag man sich wünschen, entlang der Autobahn im Inntal sind aber Maßnahmen gefragt, ist man in Innsbruck überzeugt und verordnet Tempo 100.

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