Es lebe die Malerei: Internationale Sommerakademie mit Zwischenbilanz

6. März 2007, 13:49
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402 Studenten aus 54 Ländern in Salzburgs traditionsreicher "Schule des Sehens"

Salzburg - 1953 hat Oskar Kokoschka die Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst gegründet, und seither hat sich diese Institution einen festen Platz im sommerlichen Kulturangebot in Salzburg erobert. 402 Studenten aus 54 Nationen sind heuer gekommen und arbeiten in einer der 23 Meisterklassen auf der Festung Hohensalzburg, im Salinengebäude auf der Halleiner Pernerinsel oder im Marmor-Steinbruch am Untersberg.

Fotografie beliebt

"Fotografie boomt, auch die Klassen für Neue Medien sind voll", sagte Barbara Wally, die die Sommerakademie seit 1981 leitet." Auch die klassische Malerei mit dem Pinsel ist eine legitime Kunstform, wenn die Künstler begründen können, warum sie malen, wenn sie eine Verbindung herstellen zum Leben und zur Gesellschaft. Ein Maler darf sich nicht zurückziehen, er muss eine Position vertreten", so Wally, die nach 25 Jahren Sommerakademie ans Aufhören denkt. "Aber nur dann, wenn der Posten international ausgeschrieben und seriös nachbesetzt wird."

"Willkommener" Standort"

Auf der Pernerinsel, wo traditionellerweise die wilden und experimentierfreudigen Kunstsparten unterrichtet werden, fühlt sich die Sommerakademie willkommener als auf der Festung in der Stadt Salzburg, die der Sommerakademie laut Wally nicht die gebührende Wertschätzung entgegenbringt. Schlecht klingt die finanzielle Unterstützung indes nicht, Stadt und Land zahlen je 260.000 Euro, nur der Bund "verkrümelt" sich zunehmend und fördert nur noch einzelne Kunst-Publikationen.

Kunst vermitteln

Unterrichtet werden so gut wie alle Sparten der bildenden Kunst, von der Fotografie über Grafik, Malerei, Zeichnung, Skulptur, Schmuck-Design und Installation bis zu "Intervention im Stadtraum". Auch für Architektur gibt es eine Klasse - Takaharu Tezuka ist deren Leiter. Er konfrontiert seine Studenten vor allem mit dem architektonischen Denken in Asien. Shirin Neshat, Tone Fink, Valie Export oder Geoffrey Hendricks sind die klingendsten der 23 Professoren-Namen - sie alle kümmern sich zwischen zwei und fünf Wochen lang um die Vermittlung von Kunst.

Schlussausstellung

Hervorragend laufen die Kooperationen mit den Salzburger Galerien, die sich in den Sommerwochen speziell um die Arbeiten von Akademie-Dozenten kümmern. "Es ist fantastisch, die Studenten stürmen diese Veranstaltungen und beleben die Stadt", so Wally. Am 18. August gibt es auf der Festung und am 25. August auf der Pernerinsel die eintägige Schlussausstellung, bei der die Studenten ihre in Salzburg entstandenen Werke nicht nur zeigen, sondern auch verkaufen können. "Wer das richtige Näschen hat, kann hier Schnäppchen finden. Aber das Verkaufen ist ausschließlich Sache der Studenten. Ich nehme die Sommerakademie bewusst aus dem Kommerz heraus, die Kunst wird ohnehin von der Wirtschaft immer abhängiger. Mein Ziel ist viel mehr, Freiräume zu schaffen, und das ist bisher bei der Sommerakademie ganz gut gelungen." (APA)

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