Sonne statt Knast

9. Oktober 2006, 15:09
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Durchschnittlich gestrickte Dokumentation "Mallorca - Paradies der Gesetzlosen" auf 3sat

"Gott schütze uns vor Wind und Sturm - und vor Deutschen im Ausland!" Diesen Spruch strapazierte in der etwas reißerisch "Mallorca - Paradies der Gesetzlosen" betitelten 3sat-Dokumentation am Mittwochabend einer, der es wissen muss. Nämlich ein Anwalt auf der Insel, die man bei unseren deutschen Nachbarn kolonialistisch das "17. Bundesland" nennt. Was mindestens wildes Piratentum verhieß, stellte sich bald als eher durchschnittlich gestrickte Doku heraus, die sich auf die Suche nach ein paar windige Existenzen auf Mallorca machte.

Wirtschaftsflüchtlinge auf der balearischen Insel

Nachdem es auf der balearischen Insel keine Meldepflicht, dafür aber eine nicht zu kleine deutsche Gemeinde gibt, tauchen dort verstärkt deutsche Wirtschaftsflüchtlinge auf beziehungsweise unter.

Filmteam begleitete Privatdetektiv

Das Filmteam begleitete einen auf derlei Fälle spezialisierten Privatdetektiv, und interviewte einen Mann, der auf Flucht vor mehreren Gläubigern der Sonne den schwedischen Gardinen den Vorzug gab. Aha, dachte man sich, moralisch zwar verwerflich, aber verständlich. Zumal sich bei kleineren Beträgen der Aufwand jemanden im Ausland zu suchen kaum lohnt: Das ist viel zu teuer.

Man erfuhr aber auch von Schicksalen, in denen solide Pensionisten Opfer krimineller Zocker und um ihr gesamtes Hab und Gut betrogen wurden. Leider - und das muss man dazu sagen - oft aus selbst verschuldeter Blödheit.

Was lernt man daraus? Nicht viel: Außer, dass man im Urlaub oder in der Pension nicht gleich das Hirn ausschalten sollte. Das trübt das Vergnügen. (flu/DER STANDARD, Printausgabe, 11.8.2006)

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    Mallorca, das "17. Bundesland".

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