Made in Asia mit italienischem Design

11. August 2006, 08:59
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Wer einen Schuh in Österreich kauft, der trägt ein internationales Produkt. Für die heimische Schuhindustrie ist der internationale Aspekt nichts Neues

Graz/Wien – Wer einen Schuh in Österreich kauft, der trägt ein internationales Produkt: Das Leder dafür stammt mit ziemlicher Sicherheit aus Italien oder Brasilien, das Design kommt aus Italien und wurde in Österreich noch verfeinert, hergestellt wurde der Schuh in Vietnam oder China und war vier bis sechs Wochen unterwegs.

Für die Schuhindustrie ist der internationale Aspekt nichts Neues. "Modetrends sind sehr, sehr global", sagt Heinzpeter Mandl, Vorstand von Leder & Schuh, Österreichs Marktführer im Schuhfachhandel. "Wir waren schon vor dem Ersten Weltkrieg globalisiert." Die Firma wurde 1872 in Graz gegründet und entwickelte sich mit einer wöchentlichen Schuhproduktion von 20.000 Paaren zum größten Schuhproduzenten Mitteleuropas. Es gab unter anderem Filialen in Budapest, Prag, Triest und Temesvar. Die Schuhexporte erstreckten sich bis nach Afrika, Amerika, Australien und Indien. Der Firmenname wird um "Goodyear Welt-Schuhfabrik" erweitert.

Im Ausland präsent

Inzwischen werden Schuhe hier zu Lande nicht mehr produziert, sondern nur noch verkauft. 45 Prozent der Standorte sind überdies im Ausland. Zum Unternehmen gehören die Vertriebslinien Humanic, Corti, Dominici, Jello, Shoe 4 You und Top Schuh. Es gibt Filialen in Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Slowenien und Deutschland.

50 Prozent der verkauften Schuhe werden in Asien hergestellt, der Rest kommt aus dem europäischen Ausland: Italien, Spanien, Großbritannien, Deutschland, Rumänien oder Ukraine. "Asien wird sehr häufig mit Billigware in einen Topf geworfen, zu Unrecht", meint Mandl. "Es sitzen mehr italienische Designer in Asien als in Italien. Die bestimmen die Modelle mit. Schuhe für den europäischen Markt tragen auch eine europäische Handschrift vom Design her", sagt Mandl. "Selbst für einen Profi ist fast nicht feststellbar, woher ein Produkt kommt. Für Schuhe ist das Ursprungsland egal." Bei der Produktion in Asien werde auch Rücksicht darauf genommen, dass die Europäer auf immer größerem Fuße lebten – Größe 42 und darüber.

Die Schuhproduktion in Österreich spielt fast keine Rolle mehr. "Ihr Anteil ist sehr gering, unter zehn Prozent. Österreich ist kein Schuhproduzentenland", meint Mandl. Einige haben sich noch gehalten, aber in Nischen, wie das Familienunternehmen Vital in Fieberbrunn, das gesunde Schuhe herstellt. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.8.2006)

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  • 50 Prozent der Schuhe in dieser Humanic-Filiale in der Wiener Mariahilfer Straße, dem laut Werbung größten Schuhshop der Welt, kommen aus Asien.
    foto: standard/corn

    50 Prozent der Schuhe in dieser Humanic-Filiale in der Wiener Mariahilfer Straße, dem laut Werbung größten Schuhshop der Welt, kommen aus Asien.

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