Im Kopf des Mörders

9. Oktober 2006, 15:08
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Während in den "CSI"-Krimis eifrig DNA-Analysen erstellt und Gelsen obduziert werden, interessiert sich "Criminal Minds" ab sofort für die Psyche der Täter

Was zeichnet den Serienkiller von heute aus? "Sie gehen fünfmal die Woche zum Krafttraining, fahren ein schickes Auto, stinken nach Aftershave und kriegen keinen mehr hoch. Nicht mal Viagra wirkt mehr bei Ihnen." Erkenntnisse dieser Art liefert ab Donnerstag FBI-Profiler Jason Gideon in der US-Serie "Criminal Minds" (21.15, ATV) am laufenden Band.

Während in den "CSI"-Krimis eifrig DNA-Analysen erstellt und Gelsen obduziert werden, interessiert sich eine spezielle Truppe ab sofort für die Psyche der Täter. Abgesehen davon, dass einem diese Rechthaberei ganz schön auf die Nerven gehen kann, ist ja der Unterschied zu den Hightech-Krimis rund um "C.S.I." überhaupt nicht vorhanden. Egal ob Gen oder Psyche: Die Opfer bleiben unsichtbar, die Täter - stets wilde Bestien - lernen wir nur über Symptome kennen. Die schnittigen Ermittler erlauben sich nicht den geringsten Fehler. Und bei der Überwältigung des Mörders hilft dann doch der gute alte Polizeigriff.

Schließlich geht es um den Traum, das Böse in der Welt auszumerzen, was man gerne den Spezialisten überlässt. Und erst mit dieser Gewissheit wird Verbrechen zum Genuss, wird Rettung Selbstzweck.

Damit ließe es sich grundsätzlich leben, wäre da nicht der Philosophenzitate einstreuende Mister Besserwisser Gideon. Nietzsche, zum Beispiel: "Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein." Könnte vielleicht jemand schnell eine Stechmücke obduzieren? (prie/DER STANDARD; Printausgabe, 10.8.2006)

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