Sprechgesang der Tasten

20. Juli 2007, 16:44
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Pianist András Schiff bei den Festspielen

Salzburg - Unlängst hörte man András Schiff in Lockenhaus mit Beethovens "Waldsteinsonate" - sinngebend selbst in den mechanischen Passagen, temperamentvoll in den Wechselfällen heller und dunkler Dramatik, sprechend im Kantablen und sanglich im Rezitativischem.

Nun, im Großen Haus der Festspielstadt zeigte sich Schiff imstande, auch Musik von Amadeus auf ihre Kontraste, auf ihre Schärfen, aber auch ihre Lieblichkeiten hin zu untersuchen, sie nicht nur als Spielzeug auf Betriebstemperatur zu halten, sondern sie gleichsam zu drehen und zu wenden, als könnte man sich in diesen Architekturen hörend umherbewegen.

Natürlich ist dieser Saal riesig - und etliche der Rondos, Fantasien und Variationen verdienten es, aus größter Nähe erlebt zu werden. Schiff indes fehlt es nicht an Strahlkraft in den niederen bis mittleren Dynamikbezirken. Er ist in der Lage, ein zartes, auch depressives Adagio-Gebilde (KV 540) weit in den Saal zu senden, eine Phrase und ihre logische Fortführung auch über größere Entfernungen am Ohr vibrieren zu lassen. Im fordernden, mehr Muskelkraft und Rückgrat erheischenden Forte scheint dieser kammermusikalisch, nämlich dialogisch denkende Musiker gelegentlich seinen Klang abzublocken, scheint sich zu scheuen, gewalttätig zu werden. An sich rühmenswert, aber auch mitunter Chancen vergebend. Es ist aber so:

Schiff hat sich von Jugend an mit den Konzerten, mit der Kammermusik, mit den Liedern und Solowerken von Mozart beschäftigt. Eine stete Auseinandersetzung, die ihn zu eigenen, dabei niemals verfestigt wirkenden Schlussfolgerungen kommen lässt. Schiff bewegt sich auf der instrumentalen Bühne etwa der Sonaten KV 3310 und 331 mit klugem Instinkt eines "Regisseurs", der seinem Bösendorfer die Stimmen und Wechselreden, das Pointierte eines Opernpersonals entlockt, als habe Mozart wirklich in der Mehrheit seiner nonverbalen Entwürfe an zwischenmenschliche Kommunikation gedacht.

So darf man Schiff danken, bekannteste Musik nicht nur nach traditionellen, begründeten Mustern gedeutet, sondern sie als Musiksprache auch auf der Ebene des Zweideutigen plastisch vermittelt zu haben. Ein wesentlicher Beitrag zum Gelingen dieser Mozart-Tage! (Peter Cosse / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.8.2006)

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