"Trennung mit Hindernissen": Auflösung in Raten

9. August 2006, 18:22
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Jennifer Aniston und Vince Vaughn in Peyton Reeds (Anti-)Romantic Comedy "Trennung mit Hindernissen"

Sie tut etwas, um das Gegenteil zu erreichen, er nie das, was man von ihm will: Jennifer Aniston und Vince Vaughn geben in Peyton Reeds (Anti-)Romantic Comedy "Trennung mit Hindernissen" ein Paar im quälenden Ehekleinkrieg.


Wien - Verliebt, verlobt, verheiratet - wie schnell das doch gehen kann. Einen Vorspann lang trautes Glück in Schnappschussform und dann rund 100 Minuten lang dessen langsames, quälendes Ende. Das ist Trennung mit Hindernissen / The Break-Up in der Regie von Peyton Reed, ein Beziehungsstück, das trotz der in Auflösung begriffenen Zweisamkeit im Genre Romantic Comedy angesiedelt ist.

Sie (Jennifer Aniston) ist distinguierte Angestellte einer Galeristin, und er (Vince Vaughn) verdient sein Geld als polternder Fremdenführer - damit gleich einmal klar ist: Das kann doch nicht gut gehen. Sie erwartet als seinen Beitrag zum Familiendinner nämlich wenigstens ein Dutzend Südfrüchte zur Tischdekoration. Er hätte aber lieber einen Billardtisch im Wohnzimmer stehen. Sein Bruder ist die in zu enge Sakkos gezwängte Verklemmung, während ihrer befreit in einer Männer-a-cappella-Combo singt.

Abrupte Entzweiung

Aufbruch der Gäste, Streit, Türenknallen - ganz schnell wird aus der Beiläufigkeit eines etwas entgleisenden Abendessens das große entzweiende Ding, hinter das es so schnell keinen Schritt mehr zurück gibt. Es folgt: schematische Beziehungsauflösungsdramaturgie. Sie tut etwas, um etwas Gegenteiliges zu erreichen, zum Beispiel andere Männer treffen, damit der eine, der eigene zu Hause auf dem Sofa endlich erkennt, dass da noch Verhandlungsspielraum existiert, er aber zunächst einmal seine Prioritäten überdenken muss.

Interessant ist immerhin, dass die vom Kino abgeschauten Verhaltens- und Erwartungsmuster hier, im Kino, plötzlich nicht mehr greifen. Sie tut etwas, um etwas Gegenteiliges zu erreichen. Aber der eine, eigene Mann auf dem Sofa ist gegen diese Taktik resistent und tut immer nie das, was man von ihm will. Sie verkauft Kunst, er verkauft das Flair von Chicago - beide sind sie damit erfolgreiche Experten in der Vermittlung von symbolischem Mehrwert (und dessen Tausch gegen Bares). Die ökonomische Beziehungsarithmetik - gibst du mir dies, geb ich dir jenes - erweist sich allerdings als Flop.

Sture Mechanik

Der Film ist also ein bisschen klüger als man denkt; das Happyend keine zwingende Lösung. Bis sich diese Erkenntnis einstellt, ist dann aber doch schon zu viel Porzellan zerschlagen. Außerdem ergibt sich aus der Rollenverteilung und der sturen Mechanik von kalkulierter Aktion und nicht ganz so kalkulierbarer Reaktion, dass sie relativ ferngesteuert wirkt, während ihm mehr Spielraum zugestanden wird.

Das erklärt wahrscheinlich einiges über die beschränkte Fantasie von Drehbuchautoren, wenn es um die Ausgestaltung (komischer) Frauenrollen geht (außerdem war Vaughn an der Entwicklung der Story beteiligt). Und es sorgt mit dafür, dass die Empathie für die Figuren rasch auf der Strecke bleibt - eigentlich will man so einen lächerlichen Kleinkrieg nämlich nicht einmal auf der Leinwand miterleben. (Isabella Reicher / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.8.2006)

  • Streit als Dauereinrichtung: 
Vince Vaughn und Jennifer Aniston bekriegen sich in "Trennung mit Hindernissen".
    foto: uip

    Streit als Dauereinrichtung: Vince Vaughn und Jennifer Aniston bekriegen sich in "Trennung mit Hindernissen".

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