Weg mit Leopard und Jaguar, her mit dem Panzernashorn!

11. August 2006, 17:38
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Platter übernimmt Patenschaft im Schönbrunner Zoo und baut Waffen ab: Die Panzer Leopard und Jaguar werden ausgemustert

Wien – Ehrenschutz ist wohlfeil. Dass Verteidigungsminister Günther Platter am Mittwoch die Ehrenpatenschaft für zwei Panzernashörner im Schönbrunner Zoo übernommen hat, wird das Bundesheer nicht mehr als einen gelegentlichen Besuch bei den wehrhaften Tieren kosten.

Und manch wehmütigen Seufzer: Während sich das Verteidigungsministerium Nashörner auf die Fahne schreibt (und eine Nashornpuppe auf den Tisch des Ministers setzt), werden bei der Truppe die wirklichen Panzer ausgemustert. Sie heißen Leopard und Jaguar, stellten bisher das Rückgrat der mechanisierten Kräfte des Bundesheeres dar und sind im Zuge der Bundesheerreform als weit gehend entbehrlich eingestuft worden.

Besonders die Raketenabwehrpanzer Jaguar sind ins Zwielicht geraten – der Rechnungshof (RH) hatte herausgefunden, dass diese Geräte teurer als die daraus zu verschießende Munition sind. Und das Verteidigungsministerium, in dem sich die "Bundesheer light"-Fraktion durchgesetzt hat, hat dieser Einschätzung nicht widersprochen.

Tatsächlich waren die aus Altbeständen gekauften Jaguar-Panzer nur als billige Plattformen für die Munition (nämlich die Hightech-Waffe HOT) gekauft worden. Jetzt gibt es die seinerzeit quasi zum Schrottpreis gekauften Panzer gemeinsam mit der teuren Munition als Bündel auf dem Markt – Frankreich dürfte interessiert daran sein, das ganze Paket zum Schrottpreis zu erwerben.

Die solcherart drastisch abgewerteten Panzerabwehrraketen HOT sollen künftig auf leichte französische Hubschrauber montiert werden, um deren Kampfkraft zu erhöhen. Für Österreich hätte es diese Möglichkeit auch gegeben – wenn Österreich sich entschließen könnte, seine veralterte Flotte an leichten Hubschraubern zu erneuern. Aber Nachfolger sind nicht in Sicht – und Pläne, diese Hubschrauber zeitgemäß zu bewaffnen, gibt es auch nicht. (Conrad Seidl/DER STANDARD, Printausgabe, 10.8.2006)

  • Karotten für die neuen Maskottchen des Bundesheers: Minister Günther Platter rüstet die Panzerwaffe ab, gleichzeitig füttert er Panzernashörner, deren Kampfkraft auf dem  modernen Gefechtsfeld aber als eher bescheiden angesehen wird.
    foto: standard/urban

    Karotten für die neuen Maskottchen des Bundesheers: Minister Günther Platter rüstet die Panzerwaffe ab, gleichzeitig füttert er Panzernashörner, deren Kampfkraft auf dem modernen Gefechtsfeld aber als eher bescheiden angesehen wird.

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