Es ist ein Yamaha

22. Jänner 2007, 21:42
91 Postings

Guido Gluschitsch hat den Crossover MT03 ausgefasst - Eine Neudefinition von Supermoto, die ernsthaft Spaß macht

Yamaha vertraut mir die MT03 an. Scharfes Eisen, so wie sie dasteht. Kurz und böse schaut sie aus. Zwei hübsche Spiegelbrocker zieren die Griffe. Eine Hommage an die Fingerschoner von MotoCross-Geräten. Nur sind die Spiegelbrocker der MT03 viel wuchtiger – und liegen, wie der Name schon sagt, genau auf der Höhe der Rückspiegel normaler Limousinen. Mit dem breiten Lenker schafft man da bei einer ordentlichen Stadtrunde sicher einen Schnitt von 2 SpM (Spiegeln pro Minute).

Das Heck ziert ein Akrapovic. Nein, er ist nicht ausgeräumt, er ist nicht sonderlich laut, er klingt angenehm. Weiß ist sie, die MT03, mit einem hübschen quer verbauten, roten Federbein. Ein hübsches Häubchen über dem scharfen Scheinwerfer. Ja, der Scheinwerfer allein gewinnt schon jeden Styling-Contest. Echt ein feines Eisen.

Nur die technischen Daten sind nicht sehr viel versprechend. 45 Pferdestärken aus einem 660 ccm Einzylinder versprechen keinen Schlag in die Magengrube, wenn man das Gas aufmacht. Aber Moment. Yamaha holt dafür ein Drehmoment von 56,2 Nm heraus. Ja, klar, es ist der Motor aus der XT 660. Nur halt mit weniger PS. Dafür ist das Eisen mit fast 175 Kilogramm ein wenig schwerer. Hm, wie sich das wohl fährt?

Stolz zeige ich das hübsche Crossover-Gefährt der Frau Lektorin, die schon im Leder auf mich wartet. Sie zieht gleich ein Schnoferl und meint: "Es ist ein Yamaha ..." Ich unterbreche sie und erkläre: "Werte Frau Lektorin, das sollten S’ jetzt aber schon wissen. Es ist EINE Yamaha. Und einen Grund für das lange Gesicht gibt es erst recht nicht." "Nein, es ist ein Yamaha ..." "Was ist denn mit dir los? Es ist eine Yamaha.

Ja, es heißt zwar das Motorrad, trotzdem tragen alle Motorräder einen weiblichen Artikel. DIE Yamaha MT03." "Es ist ein Yamaha, dass die keinen Soziusplatz hat. Lass mich halt ausreden." Ach ja. Stimmt. Dort wo es sich die Frau Lektorin gerne gemütlich gemacht hätte, ist eine auf Carbon getrimmte Abdeckung drauf. Wirklich ein Jammer, ha? Also fällt die Soziatestfahrt flach wie ein Hochgebirge im Burgenland.

Für die kleine Tour als Begleitung haben sich Pteppic und die Frau Floh angetragen. Also tuckern wir los. Zwar war ich mit dem leistungsschwächsten Motorrad unterwegs, aber ich war immer brav mit von der Partie. Hab mich nicht abhängen lassen. Wäre auch gar nicht gegangen. Weil so mager das Datenblatt der MT03 klingt, die Yamse ist ein Traum, was das Fahren betrifft.

Ich boller aus dem Drehzahlkeller, dass der Flohschen R6 fast ein bisserl bleich ums Schürzerl wird. Zwar hab ich schon die Dritte drinnen, bis die R6 grad einmal in die Zweite schaltet, aber dafür kann ich ständig das breite Drehmoment nutzen, während sich die Frau Floh erst in den Leistungsbereich orgeln muss. Auf der Rennstrecke hat sie sicher die Nase vorn – aber im Kurvengeschlängel unserer Ausfahrtstrecke? Na sicher nicht!

Durch den breiten Lenker und den schmalen 160er-Hinterreifen lässt sich die MT03 noch dazu ganz leicht ums Eck werfen. Da genügt ein bisserl mentales Training am Vorabend, während die Frau Floh sich als Ganze in die Lenkerstummel werfen muss. Ein harter Job für die Frau Lydia, deshalb wird sie mir auch sicher gleich das Eisenross abspenstig machen, bin ich mir kurz vor Ende der ersten Halbzeit sicher.

>>>Pteppic im Duck-Mode

Aber vorher mag der Pteppic probieren. "Na, das wird ein Spaß," sag ich zur Frau Floh, "der Pteppic ist ja nur seinen Reihenvierer gewohnt, mit einem Hubraum, größer als mein Schlafzimmer." Die Frau Floh kichert leise. "Ja, das ist schon was um, gell?" "Na was glaubst. Pass auf, zuerst einmal stirbt sie ihm ab ..." Pteppic startet an, klappt den Ständer weg, lässt die Kupplung kommen und aus. "Ja, weißt, ich hab die Kupplung recht kurz eingestellt. Ist super beim schnellen Schalten." Pteppic beutelt den Kopf, startet wieder, lässt die Kupplung bedacht langsam kommen und fährt los. "Uh, das hab ich ihm vergessen zu sagen. Jetzt dreht er gleich in den Begrenzer ..."

Und Pteppic treibt die MT03 in den Begrenzer. Während Pteppics Dicke XJR bei 12.000 Umdrehungen langsam des Vortriebs müde wird, schiebt die MT03 so lange an, bis die Steuerung abregelt. Da muss man ein wenig aufpassen, wenn man Reihen-Vierer und deren Gejaule gewohnt ist.

Zurück kam Pteppic im Duck-Mode. Das heißt, er stellte die Fußspitzen auf den Rasten nach außen, um mit den Stiefeln in den Kurven aufzusetzen, bevor die Rasten den Asphalt küssen. Quasi ein Schräglagensensor. Schaut halt nur komisch aus – eben wie wenn Donald Duck auf der MT03 säße. Pteppic drischt also Motorräder nicht um die Kurve, er watschelt sie quasi durch. Ich muss einmal den "sexiest duck alive", den Herrn Erpelito, wie er auch genannt wird oder Öarp, wie seine Göttliche ihn ruft, fragen wie er zu seinem Namen kam. Vielleicht watschelt der auch, auf seiner Speed Triple.

Ein Stück durfte ich dann wieder fahren, bevor die Frau Floh zuschlug und mir den Schlüssel abbettelte. Ich kann gar nicht aufhören zu schwärmen. Ja, auch von der Frau Floh, aber vor allem von der MT03. Das Fahrwerk ist wirklich gelungen. Man fährt wie auf Schienen. Selbst wenn man an die Hochgeschwindigkeitsgrenze der Test-Yamaha kommt, die, dürfte man sie fahren dürfte, laut Tacho bei 174 km/h liegen würde. Waren das genug Konjunktive? (Na allerdings. *seufz* Anm. d. Frau Lektorin)

Im Kurvengefecht hat man mit der MT03 die besten Karten. Und mir ist auch klar, warum man mir bei Yamaha sagte, ich solle sie heil zurück bringen, weil die MT03 das Lieblingsmotorrad eines Mitarbeiters sei. Dem Mann will ich auf freier Strecke lieber nicht begegnen. Weil wenn man sich, was sicher flott geht, an die MT03 einmal gewöhnt hat, dann gehört jedes Kurvenstück ihr.

Die Bremserei ist, wie man es von Yamaha gewohnt ist, sehr ordentlich: Vorne zwei Scheiben, 298 mm mit Zweikolbensätteln, hinten natürlich auch Scheibe, 245 mm Durchmesser. Passt genau. Was dabei also erschwerend dazu kommt: sie macht wahnsinnig viel Spaß. Mein Dauergrinsen war aber hinter dem Spiegelvisier eh gut aufgehoben.

Wie es der Frau Floh am Heimweg mit der MT03 ging? Nein, frag nicht. Ein Gemetzel war das. Ich auf ihrer R6, sie dauernd im Rückspiegel. Keine Chance, dass ich sie los wurde. Gespielt hat sie sich mit der MT03 und mit mir. Ohne Watschelmodus hat sie ganz normal schwer umgelegt und angedrückt. Jeden Versuch, den ich startete, die Eisen wieder zu tauschen, würgte sie im Ansatz ab. Entweder weil sie mich lauthals auslachte, mir den Vogel zeigte oder einfach weiterfuhr, wenn ich anhielt, um sie von ihrer R6 zu überzeugen. (Guido Gluschitsch, derStandard.at, 9.8.2006)

Yamaha MT-03

Preis: EUR 7.990,-

Motor: Ein-Zylinder-Viertakt. Hubraum: 660 ccm. Leistung: 45 PS bei 6000 U/min. Max. Drehmoment: 56,2 Nm bei 5.250 U/min. Antrieb: Kette, 6-Gang-Getriebe. Bremsen: Zwei Scheiben vorne, eine hinten. Sitzhöhe: 805 mm. Trockengewicht: 174,5 kg. Tank: 17 l.

Link
Yamaha

  • Nur halb zu sehen, dennoch voll im Bild: die Yamaha MT-03.
    foto: derstandard.at

    Nur halb zu sehen, dennoch voll im Bild: die Yamaha MT-03.

Share if you care.