Starthilfe für Menschen mit Ideen

15. August 2006, 18:33
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Wer von Unis kommt und sich mit einer eigenen Firma selbstständig machen will, findet einige Förder- Möglichkeiten vor

Wer von Unis kommt und sich mit einer eigenen Firma selbstständig machen will, findet einige Fördermöglichkeiten vor. Ganz ohne Eigenkapital wird es aber nicht gehen.

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Man kann nicht gerade behaupten, dass Hochschulabgänger in Österreich besonders gründungsfreudig wären. 2527 Akademiker wagten laut Statistik der Wirtschaftskammer im Jahr 2004 den Sprung in die Wirtschaft. Das entspricht nur 10,6 Prozent aller Neugründungen. "Im deutschsprachigen Raum gibt es keine starke Tradition, technische Ideen und Erfindungen auch wirtschaftlich umzusetzen", erklärt Nikolaus Franke, Professor für Entrepeneurship und Innovation an der Wirtschaftsuniversität Wien.

Trotzdem lässt sich in den letzten Jahren eine Trendwende feststellen. "Als ich Anfang der Neunzigerjahre mein Mikrobiologiestudium begann, war es geradezu verpönt, sich Gedanken über eine Unternehmensgründung zu machen", sagt Jürgen Marchart von der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG).

Heute dagegen gebe es bereits Lehrveranstaltungen zum Patentrecht. Marchart leitet das vom Infrastrukturministerium initiierte AplusB-Programm. In neun Zentren in ganz Österreich sollen Akademiker zu einer Unternehmensgründung angeregt bzw. bei einer solchen unterstützt werden. Ziel ist es, durch eine Erhöhung der akademischen Spin-offs die wirtschaftliche Umsetzung von Forschungsergebnissen zu forcieren.

"Die Leute kommen in ganz unterschiedlichen Planungs- und Umsetzungsphasen zu uns", erzählt Gründerberaterin Irene Fialka vom Wiener AplusB- Zentrum INiTS. "Manche haben nur einen Zettel mit einer Idee, andere bringen schon einen Businessplan."

Wird ein Gründungsprojekt in das Inkubator-Programm aufgenommen, wird es 18 Monate lang intensiv begleitet. Im Schnitt wird ein INiTS-Projekt mit 30.000 Euro unterstützt, darüber hinaus hilft der Inkubator zusätzliche Mittel einzuwerben. Fast 6,5 Millionen Euro an Fördermitteln konnten bisher für die Projekte lukriert werden.

Seit dem Start von INiTS im Jahr 2002 wurden 44 Projekte betreut, der Frauenanteil ist mit 12,5 Prozent sehr gering. "Es bringt aber nichts, jemanden zu einer Gründung zu überreden", sagt Fialka. Die Motivation muss vom Gründer selbst kommen, schließlich müsse er enorm viel Arbeit und Energie in das Projekt investieren.

Christoph Bauer vom Jungunternehmen Treventus weiß, was es bedeutet, ein Gründer zu sein. Gemeinsam mit seinem Team arbeitet der Maschinenbaustudent sechzig Stunden und mehr pro Woche an der Entwicklung eines vollautomatischen Buchscanners. Läuft alles nach Plan, erfolgt 2007 die Markteinführung.

Die Idee zu diesem so genannten ScanRobot stammt von TU-Professor Wolfgang Zagler, der sich 2002 gemeinsam mit INiTS auf die Suche nach einem geeigneten Team machte. Inzwischen hat Treventus das Begleitprogramm von INiTS bereits verlassen, im April dieses Jahres erfolgte die Unternehmensgründung. "Die Begleitung von INiTS war sehr hilfreich. Schon nur den Förderdschungel zu durchblicken, ist allein kaum möglich", sagt Bauer.

Ganz ohne Eigenkapital geht es nicht

ScanRobot-Erfinder Wolfgang Zagler, der am Institut "Integriert studieren" an der TU Wien unterrichtet, nimmt v. a. die Funktion der Projektbegleitung und des Mentors ein. "Einen erfahrenen Wissenschafter im Team zu haben, ist sehr wichtig", betont Bauer. Als Student fehlen die notwendige Erfahrung und Kontakte für einen solchen Schritt. Die Fördermöglichkeiten in Österreich findet er gut. Ganz ohne Eigenkapital gehe es aber trotzdem nicht. "Die Banken müssen schließlich sehen, dass man an sein Projekt glaubt."

Eine wichtige Rolle der Starthilfe für Unternehmen im Bereich der Hochtechnologie kommt dabei der Austria Wirtschaftsservice (aws) zu. Neben der Möglichkeit einer Startfinanzierung und so genannter Seedfinanzierungsdarlehen, deren Rückzahlung erst dann beginnt, wenn das Unternehmen in die Gewinnzone kommt, gibt es kostenlose Beratung. Eine solche bietet auch die Wirtschaftskammer, die gerade dabei ist, ein Uni-Netzwerk aufzubauen.

Ein gewisses Risiko, dass ein Unternehmen trotz hoher Motivation, Beratung und Hilfestellung von außen scheitern kann, bleibt. Aber: "Lebenslange Garantien gibt es heute weder in der Wissenschaft noch in der Wirtschaft", sagt Innovationsexperte Nikolaus Franke. (Sabina Auckenthaler/DER STANDARD, Printausgabe, 9. August 2006)

  • Eine der heimischen Biotechfirmen, Affiris: Die Tradition, Ideen umzusetzen, gibt es dennoch anderswo.
    foto: der standard/fischer

    Eine der heimischen Biotechfirmen, Affiris: Die Tradition, Ideen umzusetzen, gibt es dennoch anderswo.

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