Laternen im Dschungel der Stadt

17. August 2006, 14:40
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Chris Burden hat 150 Art-decó-Laternen gesammelt, die er gerne als "Urban Light"-Installation rund ums MAK aufstellen würde...

MAK-Direktor Peter Noever kämpft um die Realisierung der Installation.


Wien - Peter Noever, vor 20 Jahren zum Direktor des MAK bestellt, ließ nicht nur die Schauräume von Künstlern wie Donald Judd, Jenny Holzer, Franz Graf und Günther Förg gestalten: Das Gebäude selbst und das Umfeld wurden zu einem Ort künstlerischer Interventionen. James Wines z. B. brach ein Stück Fassade heraus, Walter Pichler gestaltete das skulpturale Tor zum Garten, Franz West montierte Lemurenköpfe auf der Stubenbrücke, und zuletzt tauchte James Turrell die Fensterlaibungen in buntes Licht.

Das jüngste Projekt geht noch einen Schritt weiter: Chris Burden, 1946 in Boston geboren, möchte 150 gusseiserne Straßenlaternen aus der Art-decó-Zeit vor dem MAK in Kolonnaden aufstellen - als verbindendes Element zwischen der Stadt und Wien Mitte. Er hat diese ziselierten Kandelaber über Jahre im Großraum Los Angeles gesammelt: Sie standen unter anderem in Hollywood und Anaheim.

Burden, in den 70er-Jahren ein radikaler Aktionskünstler (der sich z. B. aus Protest gegen den Vietnamkrieg in den Oberarm schießen ließ), ist dem MAK eng verbunden: Im Rahmen einer Retrospektive 1996 durfte er eine gewaltige Dampfwalze durch die Ausstellungshalle kreisen lassen.

Noever ist von "Urban Light" schwer begeistert: "Ich halte die Intervention für eine ganz, ganz spannende Geschichte. Normalerweise werden Antiquitäten von Europa nach Amerika exportiert, hier wäre es umgekehrt." Zudem scheint der Zeitpunkt für die Realisierung ideal - im Zusammenhang mit der Neugestaltung von Wien Mitte und der Sanierung des Wienfluss-Kanals. Noever führte bereits etliche, viel versprechende Gespräche mit Stadtpolitikern. Die Kosten für das Projekt schätzt er auf drei Millionen Euro. (Thomas Trenkler/DER STANDARD, Printausgabe, 9.8.2006)

  • Die Licht-skulptur "Urban Light" von Chris Burden mit Kolonnaden aus rund 150 gusseisernen Art-decó-Straßenlaternen: verbindendes Element zwischen dem Stadtzentrum und Wien Mitte samt Stadtpark.
    rendering: chris burden

    Die Licht-skulptur "Urban Light" von Chris Burden mit Kolonnaden aus rund 150 gusseisernen Art-decó-Straßenlaternen: verbindendes Element zwischen dem Stadtzentrum und Wien Mitte samt Stadtpark.

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