Salzburg steht vor einem Bioboom

13. August 2006, 19:02
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Deutsche Bioketten drängen nun auch auf den österreichischen Markt - Die Direktvermarkter warten gelassen ab

Salzburg – Das Image von Bioprodukten hat sich gewandelt: Heute geht es um ökologisch verträglichen Genuss, um bessere Qualität und nicht mehr um die Körndln, die die Konsumenten der ersten Stunde der Gesundheit wegen gekauft haben. Damit verbunden ist der Trend zum Bioprodukt als Massenware.

Bestes Beispiel für diese Entwicklung: Die von einer kleinen bayerischen Brauerei erzeugte "Bionade" ist für jedes deutsche Szene-Beisl inzwischen absolut unverzichtbares Pflichtprogramm. Über 60 Millionen Flaschen der alkoholfreien und nur gering gesüßten Kult-Limo werden heuer über die Rampe im bayerischen Ostheim gehen. Tendenz steigend. In Österreich ist die Bio-Limo – um 80 Cent für die 0,33er-Flasche – derzeit nur in wenigen Bio- und Hofläden erhältlich.

Das wird sich kommendes Jahr ändern: Deutsche Biosupermarktketten wie etwa der Groß- und Einzelhändler "dennree" drängen vehement auf den österreichischen Markt. "dennree" hat bereits im Oberösterreichischen Ansfelden ein Regionallager eingerichtet. Im ersten Quartal 2007 wird in Salzburg die erste Filiale eröffnet, bestätigt eine Firmensprecherin auf Anfrage des Standard.

Laut "dennree" ist auch Konkurrent "basic", der bereits in Wien ein Geschäft betreibt, auf Standortsuche in Salzburg. Weitere Biomärkte wie etwa "Mayreder’s Bio-Discount" sind ebenfalls im Gespräch.

Dass Salzburg wichtiger Brückenkopf der deutschen Bioinvasion wird, hat einen guten Grund: Salzburg gilt gleich zweifach als das Biomusterland schlechthin. Zum einen liegen die Konsumenten an der Salzach beim Bio-Konsum im österreichischen Spitzenfeld, zum anderen werden bereits 42 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen ökologisch bewirtschaftet. Die Biomärkte haben also auch genügend regionale Lieferanten an der Hand.

Vor allem Salzburgs Grüne sind von der Aussicht auf die Ansiedelung von Biosupermärkten begeistert. Für Konsumenten sei es nicht zumutbar und auch ökologisch nicht vertretbar, wenn mehrere Direktvermarkter „abgefahren“ werden müssten, meint Landtagsabgeordnete Heidi Reiter. Sie verweist zudem darauf, dass der Biolandbau Beiträge zur Abmilderung des Klimawandels leiste. So würden Biolandwirte 60 Prozent weniger Kohlendioxid emittieren als konventionell wirtschaftende Bauern, die ökologisch wirtschaftenden Betriebe kämen mit einem Drittel des Energieeinsatzes aus.

Markt wächst

Die meisten eingesessenen Bio-Greißler in Salzburg sehen die neue Konkurrenz übrigens recht gelassen. Angesichts der steigenden Nachfrage werde sowohl für die Supermärkte als auch für die kleinen Hofläden genügend Platz am Markt sein. Den groß angelegten Einstieg der Lebensmittelketten Billa/Merkur und Spar in den Biomarkt habe man ja ebenfalls gut verdaut, wird ins Treffen geführt. (Thomas Neuhold, DER STANDARD - Printausgabe, 9. August 2006)

  • "In" und "Bio": Bionade aus Bayern.
    foto: bionade

    "In" und "Bio": Bionade aus Bayern.

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