Architekt Ernst Hiesmayr 86-jährig gestorben

13. August 2006, 20:48
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Entwarf das "Juridicum" der Uni Wien - Ehemaliger Rektor der TU Wien starb am Sonntag in Bregenz

Wien - Der Tiroler Architekt Ernst Hiesmayr, der vor allem für das von ihm entworfene "Juridicum" der Uni Wien bekannt ist, ist am Sonntag 86-jährig in Bregenz verstorben. Einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung "Die Presse" bestätigte sein Sohn. "So wie das Wesen dieses Mannes: großzügig, einfach, ohne Mätzchen und grundgescheit", hat der Architekt Wilhelm Holzbauer einmal die Bauten seines Kollegen Ernst Hiesmayr charakterisiert. Der gebürtige Tiroler hat sich in seiner Arbeit stets an der Natur in ihrer Evolution orientiert.

Hiesmayr wurde am 11. Juli 1920 in Innsbruck geboren. Schon während seiner Mittelschulzeit arbeitete er auf Baustellen mit. Von 1945 bis 1948 studierte er Architektur an der Technischen Hochschule Graz, wo sein Lehrer Friedrich Zotter ihn für den Beruf "als Magier verzaubert" und "ethisch berührt" hat, wie Hiesmayr in seiner Publikation "Analytische Bausteine" beschrieb. Dergestalt präpariert, arbeitete er anschließend als freier Architekt in Tirol, Vorarlberg und Wien. Schon früh erregte er mit seiner Arbeit Aufmerksamkeit: 1948 nahm er mit Otto Gruber an mehreren Wettbewerben teil, bereits beim ersten - für das Kurhaus Gmunden - gelang ein Ankauf. 1967 promovierte Hiesmayr an der Technischen Hochschule in Wien.

Professor an der TU Wien

Bereits ein Jahr später wurde er zum ordentlichen Professor für Entwerfen und Vorstand des Instituts für Hochbau an der Technischen Hochschule Wien berufen, 1973 zum Dekan der Fakultät für Bauingenieurswesen und Architektur. Von 1975 bis 1977 war er Rektor der Technischen Universität (TU) Wien und setzte sich in dieser Funktion für eine zweckmäßige und praxisbezogene Architekten-Ausbildung ein. "Die jungen Leute sollen ein einfaches Raumgefüge kennen und schätzen lernen", lautete sein pädagogisches Credo.

Und für sein eigenes Schaffen: "Ähnlich wie die Natur Arten und Wesen generiert, entwickle ich architektonische Typen zu individueller, standortbezogener Ausformung". Neben öffentlichen Bauten wie der Heilig-Kreuz-Kirche im oberösterreichischen Langholzfeld beschäftigte Hiesmayr sich auch mit Stadtplanung und Wohnbau. Weiters zählen einige Einfamilienhäuser, die Niklaszeche in Purbach sowie das Ateliergebäude an der Eroicagasse in Wien zu seinem Schaffen.

"Das Karge als Inspiration"

In den vergangenen Jahren hat Hiesmayr eine Reihe von Büchern veröffentlicht, darunter "Einfache Häuser" (1991), "Das Karge als Inspiration" (1991) und 1999 "Analytische Bausteine", in dem sein Lebenslauf und Lebenswerk dokumentiert ist.

Ausgezeichnet wurde Hiesmayr, der 1990 emeritierte, 1976 mit dem Preis der Stadt Wien für Architektur, 1978 mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, 1980 mit dem Europäischen Stahlpreis und 1999 mit der Goldmedaille der Universität für Musik und darstellende Kunst. 1988 wurde dem Architekten die Würde eines Ehrensenators der Uni Wien verliehen, seit 1994 war er Mitglied der Akademie der Künste Berlin, seit 1999 Ehrenmitglied des Bundes Deutscher Architekten. (APA)

  • Das Juridicum, entworfen vom Tiroler Architekten Hiesmayr.
    foto: derstandard.at/lichtl

    Das Juridicum, entworfen vom Tiroler Architekten Hiesmayr.

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