Weniger Geld für neue Eigenheime

4. April 2007, 12:53
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Die Ausgaben der Länder für Wohnbauförderung gingen 2005 um fünf Prozent auf 2,46 Milliarden Euro zurück. Schuld sind unter anderem verschärfte Förderbedingungen

Wien - Die Wohnbauförderungsausgaben der Länder sind im Vorjahr gesunken, Rückgänge gab es beim Neubau, vor allem bei Einfamilienhäusern. Zuwächse gibt es bei den Sanierungen, geht aus einer Studie des Instituts für Immobilien, Bauen und Wohnen (IIBW) hervor. Einer der Gründe für die geringere Inanspruchnahme seien verschärfte Förderbedingungen, vor allem ökologische Standards.

Die Förderungsausgaben der Länder sind laut Studie 2005 gegenüber dem Jahr davor um fünf Prozent auf 2,46 Mrd. Euro gesunken. Die Einnahmen erhöhten sich um 4 Prozent auf 2,62 Mrd. Euro, davon stammten 1,78 Mrd. Euro aus Zweckzuschüssen des Bundes.

Eigenheime minus zwölf Prozent

Die sinkenden Ausgaben betrafen vor allem den Wohnungsneubau mit einem Minus von sechs Prozent und dabei überproportional die Eigenheime mit einem Minus von zwölf Prozent. Eine Förderungszusicherung erhielten 2005 nur mehr 31.600 Wohnungen, ein Minus von acht Prozent gegenüber 2004 bzw. um 17 Prozent weniger als im Schnitt des Zeitraums 1996 bis 2005. Bei den Eigenheimen gab es im Vorjahr ein historisches Tief von nur mehr 11.575 Förderzusagen; 2004 waren es mit 12.744 um 1.169 mehr. 1996 erhielten sogar noch 19.000 Eigenheime eine Förderzusage.

Eine Ökologisierung der Förderung verringere die Inanspruchnahme, es bestehe ein klarer Zusammenhang zwischen der Verschärfung der Bedingungen und der Entwicklung der Förderzahlen in den einzelnen Bundesländern. Die Länder mit besonders ambitionierten ökologischen Standards, insbesondere Niederösterreich, Salzburg und Vorarlberg, verzeichneten überproportionale Rückgänge der Förderleistung, so die Studie. Gerade beim Eigenheim verzichte mancher Bauherr angesichts schwierig zu erreichender thermischer und ökologischer Standards bei gleichzeitig günstigen Kapitalmarktzinsen auf eine Förderung.

Mehr Sanierungen

Die Sanierung konnte bei den Ausgaben mit einem Plus von vier Prozent leicht zulegen. Jedoch lag die nominelle Zunahme der Förderausgaben im Schnitt der vergangenen zehn Jahre mit einem Prozent pro Jahr deutlich unter der Inflationsrate. Real geben die Länder immer noch weniger für die Sanierung aus als vor zehn Jahren, so die Studie. Die Zahl der Fälle stieg bei der Sanierungsförderung mit einem Plus von 37 Prozent wesentlich stärker als die Ausgaben. Besonders stark zugelegt habe die Förderung umfassender Sanierungen von Eigenheimen.

Das Sinken der durchschnittlichen Sanierungskosten lasse aber darauf schließen, dass nach wie vor ein großer Teil der Sanierungen keine thermische Verbesserung einschließe. In den 90er-Jahren hätten rund 40 Prozent der umfassenden Sanierungen Wärmedämmmaßnahmen eingeschlossen. Eine Förderung in Richtung Sanierung wäre jedenfalls wünschenswert, so Studienautor Wolfgang Amann.

Verschiebung macht sich bemerkbar

Der Wohnbau insgesamt entwickle sich stabil. Die Zahl der Bewilligungen und Fertigstellungen wird in der Studie für 2003 bis 2005 auf 40.000 bis 42.000 pro Jahr geschätzt. Genau Daten lägen noch nicht vor. Im Jahr 2002 waren 42.281 Wohnungen bewilligt und 41.914 fertiggestellt worden.

Längerfristig betrachtet zeigt sich eine Verschiebung der Wohnbauförderung: Zwar liege der Anteil des Geschoßwohnbaus seit Jahren konstant bei knapp 50 Prozent, die Eigenheimförderung sank von rund 20 Prozent in den 90er-Jahren auf derzeit rund 14 Prozent. Eine relativ starke Zunahme verzeichne die Wohnbauhilfe, deren Anteil sich seit den 90er Jahren auf derzeit neun Prozent fast verdoppelt habe. Die Sanierungsausgaben machten derzeit 22 Prozent aus, nach rund 18 Prozent Anfang der 90er Jahre.

Immerhin rund sieben Prozent der Ausgaben entfallen auf nicht unmittelbar wohnbaurelevante Maßnahmen. Nur weniger Bundesländer nutzten dies, allen voran Wien, das ein Fünftel seiner Förderungsausgaben nicht wohnbaurelevant einsetze. Die Mittel gingen vor allem in den Bau von Kindergärten.

Wohnbaudarlehen steigen

Der Verkauf von Wohnbaudarlehen nehme seit 2002 wieder zu. Alle Bundesländer zusammen lukrierten im Vorjahr 190 Mio. Euro.

Generell habe sich das Finanzierungsmodell im internationalen Vergleich gut bewährt. Österreich gebe heute weniger als ein Prozent des Brutto-Inlandsproduktes (BIP) für die Wohnbauförderung aus, einer der geringsten Werte in der "alten" EU-Staaten mit im Schnitt 1,7 Prozent. In Frankreich etwa entfielen auf die Wohnbauförderung 2,4 Prozent des BIP, in Dänemark 2,1 Prozent und in Schweden 1,1 Prozent. (APA)

  • An Landesgeldern flossen im Vorjahr um zwölf Prozent weniger in den Bau von Eigenheimen (Foto: Bau!Massiv!)
    foto: bau!massiv!

    An Landesgeldern flossen im Vorjahr um zwölf Prozent weniger in den Bau von Eigenheimen (Foto: Bau!Massiv!)

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